22.02.2018, 16:24 Uhr

Mordvorwürfe gegen drei Burghauser „Ihr lasst euren Freund einfach so verrecken“

(Foto: Reischl)(Foto: Reischl)

Am dritten Verhandlungstag gegen drei Männer, die beinahe ihren Freund auf dem Gewissen hätten, wurde ein verstörendes Video der Misshandlung gezeigt.

TRAUNSTEIN/BURGHAUSEN. „Komm du Scheißkerl, wach auf!“, die Hand des Angeklagten Andreas D. klatscht in das Gesicht des 26-jährigen Opfers. Aus dessen Nase tropft Blut, der blau verfärbte Mund leicht geöffnet, der Kopf hängt schlaff herunter. „Komm zurück Bruder, wir warten auf dich“, versucht nun der Mitangeklagte Stefan D. auf den Bewusstlosen einzureden, während er entspannt an seiner Zigarette zieht. Abwechselnd schlagen die beiden Männer auf den Ohnmächtigen, der in Unterwäsche in der Badewanne sitzt ein, duschen ihn mit kaltem Wasser ab. Der dritte Angeklagte, Sergey G., beobachtet das Ganze, gibt Ratschläge und filmt mit seinem Handy.

Diese brutale Szene ist ein Ausschnitt zweier Handy-Videos, die am dritten Verhandlungstag gegen drei Männer aus Burghausen vorgespielt wurde. Die Staatsanwaltschaft des Landgerichts Traunstein wirft den Angeklagten gemeinschaftlichen versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und Nötigung vor. Vom Prozessauftakt berichteten wir bereits unter „Drei Burghauser hätten beinahe ihren Kameraden umgebracht“, alles vom zweiten Verhandlungstag lest ihr hier: „Wir wollten ihm nichts tun, wir wollten ihn nur wiederbeleben.“

„Ein Wunder, dass das Opfer überlebt hat“

Das 26-jährige Opfer schwebte knapp zwei Stunden in akuter Lebensgefahr: Der Mann war aufgrund einer Überdosis Betäubungsmittel zusammengebrochen. Seine drei „Freunde“ begannen daraufhin mit brutalen Wiederbelebungsversuchen, wie das Video beweist. „Wenn man denn überhaupt von Reanimationsmaßnahmen sprechen kann, das waren ja mehr stümperhafte Versuche, den Bewusstlosen aufzuwecken“, schätzt der zuständige Facharzt für Rechtsmedizin die Tat ein. „Eine Stunde länger ohne einen Notarzt, und der Mann wäre jetzt tot. Es ist sowieso ein Wunder, dass er die Überdosis und die Behandlung der Angeklagten ohne bleibende Schäden überlebt hat“, so der Rechtsmediziner weiter. Die vorangegangene Vermutung, das Opfer sei durch eine Überdosis Heroin kollabiert, zweifelt der Fachmann an. „Die Untersuchungen haben ergeben, dass es sich wohl eher um Fentanyl handelt, ein synthetisches Opioid handelt, das normalerweise als Schmerzmittel eingesetzt wird.“

„Behandelt ihn wie ein Tier und lasst ihn lieber verrecken“

Dass nach dem Zusammenbruch weder Stefan, Andreas oder Sergey einen Notarzt riefen, und lieber selbst „herumdokterten“ , ist sowohl für Richter Erich Fuchs als auch für den Mediziner unfassbar. „Das weiß doch eigentlich jedes Kind, dass man dann den Notruf wählt. Sie haben ja auch gemerkt, als das Blut aus der Nase des Opfers troff, dass es kritisch wird“, entrüstet sich Fuchs. Die Angeklagten verhalten sich bei diesem Vorwurf ruhig, hin und wieder schüttelt einer den Kopf. Auch ein weiterer Zeuge soll am Handy zu einem der Angeklagten gesagt haben: „Ihr behandelt ihn wie ein Tier und lasst ihn lieber verrecken.“ „Das ist seine Entscheidung“, soll prompt die Antwort vonseiten der Angeklagten gewesen sein.

Der Prozess wird am Dienstag, 13. März, fortgesetzt. Wir halten euch auf dem Laufenden.


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