13.02.2018, 12:00 Uhr

Polizeichef Nieß „Kiffen muss verboten bleiben“

Georg Nieß hat kein Verständnis für die Legalisierungsforderung des BDK. (Foto: Schmitzer)Georg Nieß hat kein Verständnis für die Legalisierungsforderung des BDK. (Foto: Schmitzer)

Zur Diskussion über eine mögliche Legalisierung von Cannabis hat der Burghauser Polizeichef eine klare Meinung

BURGHAUSEN Es war ausgerechnet der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), André Schulz, der die Diskussion um eine Legalisierung von Cannabis in einer neuen Dimension entfacht hat. Schulz sagte zur „Bild“-Zeitung, das Verbot von Cannabis sei „historisch betrachtet willkürlich erfolgt und bis heute weder intelligent noch zielführend.“ Der VDK setzt sich deshalb für eine komplette Entkriminalisierung von Cannabis-Konsumenten ein. „Kiffen“ soll also erlaubt werden. Ganz anderer Meinung ist der Dienststellenleiter der Burghauser Polizei, Erster Polizeihauptkommissar Georg Nieß. Mehr dazu im folgenden Interview.

Herr Nieß, was sagen Sie zu den Ausführungen des BDK-Vorsitzenden?

Diese Aussagen sind für mich nicht nachvollziehbar. Warum er sich ausgerechnet als Vorsitzender einer Berufsvertretung so positioniert, verstehe ich nicht. Ich bin da ganz klar anderer Meinung: Cannabiskonsum muss auch weiterhin verboten bleiben.

Nun sagen die Legalisierungsbefürworter, dass es für die medizinische Anwendung ohnehin schon erlaubt ist. Warum dann nicht für den freien Konsum?

Das Argument lasse ich nicht gelten, denn ein Erkrankter nimmt Cannabis nicht, um sich zu berauschen, sondern um beispielsweise Schmerzen zu bekämpfen. Ein solcher Patient wird sich sicher an die rechtlichen Vorgaben halten und sich nur unter bestimmten Voraussetzungen ans Steuer setzen und keinen Alkohol trinken, der den Effekt verstärkt. Beim Rauschkonsum von Cannabis erleben wir diese Probleme aber immer wieder.

Im Vergleich zu Cannabis der 1970er Jahre haben heutige Züchtungen das Zehnfache an Wirkstoff. (Foto: 123rf)

Alkohol ist erlaubt - zumindest ab 16 - Cannabis nicht. Wo ist da der Unterschied?

Ich möchte nicht Alkohol als Droge rechtfertigen. Alkoholabhängige sind kranke Menschen, die einer Behandlung bedürfen. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Alkohol und Cannabis ist, dass sich Alkohol im Blut relativ schnell abbaut, nämlich um 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde. Bei Cannabis dauert der Abbauprozess wesentlich länger, nämlich bis zu 72 Stunden. Der Cannabis-Konsument steht so lange unter dem Einfluss der Droge mit allen negativen Auswirkungen wie etwa einer verminderten Reaktionsfähigkeit. Das Unfallrisiko ist laut einer Studie bedeutend höher. Man muss auch zur Kenntnis nehmen, dass der THC-Gehalt in den letzten Jahrzehnten von zwei auf bis zu 20 Prozent gestiegen ist. Belegbare Folgen des Cannabiskonsums sind unter anderem Depressionen und Psychosen. Eine kanadische Studie besagt zudem, dass Jugendliche, die Cannabis konsumieren, ein 60-fach höheres Risiko haben, zu harten Drogen zu greifen. Die uns bekannten Leute mit einer langen Drogenkarriere haben alle mit Cannabis angefangen. Erfahrungswerte der PI Burghausen zeigen, dass BTM-Konsumenten Cannabis nutzen um zu entspannen, und dann zu Amphetaminen oder Ecstasy greifen, um sich wieder aufzuputschen.

Was ist mit dem Argument, dass man die Kifferszene aus der Illegalität holen würde?

Die Leute, die mit Cannabis handeln, werden dieses Geschäftsfeld bei einer Legalisierung ja nicht aufgeben. Sie werden den jungen Menschen stattdessen härtere Drogen anbieten. Wir würden dadurch vielleicht eine ganz neue Qualität der Drogenszene bekommen.

Wie läuft denn dieser Cannabishandel bei uns ab? Woher wissen die Jugendlichen, wo sie das Zeug bekommen können?

Ich lese immer wieder in Vernehmungen von Jugendlichen, dass jeder irgendjemanden im Freundeskreis kennt, der Cannabis konsumiert. Und der kennt dann jemanden, der es verkauft.

Gibt es Personengruppen, die besonders anfällig für den Cannabiskonsum sind und was ist das Einstiegsalter?

Das Einstiegsalter liegt bei 13 bis 16 Jahren. Gerade dieses Alter ist stark suchtgefährdet. Das Cannabisproblem zieht sich durch alle Bildungs- und Gesellschaftsschichten.

Erschwert diese ganze Legalisierungsdiskussion eigentlich die Polizeiarbeit?

Wir werden bei Kontrollen ständig mit solchen Fragen konfrontiert wie: „Warum macht ihr nichts gegen Alkohol aber gegen Cannabis?“, oder „Warum ist es in Holland erlaubt und bei uns nicht“ und diese Diskussionen werden durch die Legalisierungsdebatte nicht unbedingt weniger.

Ist es nicht insgesamt so, dass die Autorität der Polizei bei Jugendlichen stark gelitten hat? Ich wundere mich gerade in Zusammenhang mit der Drogenkriminalität über manche frechen Kommentare in den Sozialen Medien?

Wir erleben seit vielen Jahren, dass der Respekt gegenüber der Polizei zurückgegangen ist. Das ist bedauerlich und nicht nur im Betäubungsmittelbereich so. Ich denke, das ist ein gesellschaftliches Problem. Wir leben in einem Land mit sehr vielen Freiheiten und viele wissen nicht mehr, wo die persönliche Freiheit endet, nämlich dort, wo sie andere beeinträchtigt. Es wäre wichtig, in den Familien und in den Schulen besser zu vermitteln, wie wichtig das hoheitliche Handeln der Polizei und Justiz ist. Ohne Polizei wäre ein gesellschaftliches Zusammenleben in Deutschland nicht möglich.


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