29.12.2017, 12:40 Uhr

Messerstiche, Drogen, Schläge Große Verfahren vor dem Schwurgericht Traunstein

(Foto: Unterhauser)(Foto: Unterhauser)

Auch gemeinschaftlich versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung in Burghausen wird verhandelt

TRAUNSTEIN/BURGHAUSEN. Eine Reihe von Gewalttaten im Jahr 2017 mit einer Toten und mehreren schwer Verletzten im südostbayerischen Raum muss das Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs zu Beginn des neuen Jahres juristisch aufarbeiten.

Herausragendes Verbrechen ist dabei der Tod einer 38-jährigen Frau aus Afghanistan, die ein 29-jähriger Landsmann am 29. April 2017 vor einem Supermarkt in Prien mit Messerstichen schwerst verletzt hatte. Ihre Kinder, 5 und 11 Jahre alt, mussten die Tat mit ansehen. Das Opfer verstarb noch am gleichen Abend. Der später bei der Polizei geständige Täter muss sich wegen Mords vier Tage lang ab 23. Januar mit Fortsetzungen am 29. Januar sowie 5. und 9. Februar, jeweils um 9 Uhr, vor dem Schwurgericht verantworten. Gegen 18.45 Uhr gingen an jenem Tag bei der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd mehrere Notrufe ein, wonach eine Frau mit einem langen Messer niedergestochen und schwer verletzt worden sei. Der 29-jährige Afghane konnte vor Ort von einem zufällig anwesenden Polizeibeamten, der gerade dienstfrei hatte, und von Passanten trotz heftigem Widerstand überwältigt werden. Beamte der Polizeiinspektion Prien nahmen den Mann fest. Ein Kriseninterventionsteam kümmerte sich sofort um die beiden traumatisierten Kinder. Die Obduktion der 38-Jährigen im Rechtsmedizinischen Institut der Universität München ergab multiple Stich- und Schnittverletzungen als Todesursache. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Traunstein, Zweigstelle Rosenheim, wurde der Afghane nach dem schrecklichen Geschehen zunächst vorläufig in der Psychiatrie untergebracht. Nach entsprechenden Gutachten wanderte er in Untersuchungshaft in ein Gefängnis. Die Ermittler der Kripo Rosenheim arbeiteten mit Hochdruck an der Aufklärung des Falles. Jedoch ergaben sich letztlich keine Hinweise auf eine irgendwie geartete Beziehung zwischen dem seit 2013 in Deutschland weilenden, zuletzt mit Duldungsbescheid in Prien in einer Gemeinschaftsunterkunft wohnenden Täter und dem Opfer, das seit 2011 in der Bundesrepublik lebte. Nach derzeitigem Erkenntnisstand kannten sich die beiden nur flüchtig.

Der erste Prozess vor dem Schwurgerichtstartet im neuen Jahr am 9. Januar. Auf der Anklagebank sitzt wegen versuchten Totschlags eine 53-jährige philippinische Staatsangehörige, die am 29. April 2017, gegen 22.20 Uhr, in Gars am Inn in der gemeinsamen Wohnung mehrmals mit einem Hammer auf ihren im Bett schlafenden 56 Jahre alten Lebensgefährten eingeschlagen hatte. Der 56-Jährige wachte durch die Schläge auf und konnte zu einem Nachbarn flüchten, der den Rettungsdienst alarmierte. Das Opfer erlitt zwar erhebliche Wunden, kam aber glücklicherweise ohne lebensgefährliche Verletzungen davon. Die Täterin konnte widerstandslos festgenommen werden und legte schon in der ersten polizeilichen Vernehmung ein Geständnis ab. Die Hauptverhandlung ist auf nur einen Tag mit Beginn um 9 Uhr terminiert.

Ein Messer spielte bei einer Auseinandersetzung am Morgen des 28. Mai 2017 in einem Lokal in Bad Reichenhall eine Rolle. In einem Lokal in der Poststraße waren gegen 7 Uhr zwei alkoholisierte Männer im Alter von 53 und 24 Jahren in einen verbalen Streit geraten. Im weiteren Verlauf soll der ältere Mann zu einem Messer gegriffen und den 24-Jährigen damit am Hals verletzt haben. Dieser wurde zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus eingeliefert. Konkrete Lebensgefahr bestand nach Auskunft der behandelnden Ärzte nicht. Der Prozess wegen versuchten Totschlags findet am 16. und 19. Januar, jeweils ab 9 Uhr, vor dem Schwurgericht Traunstein statt.Ein weiteres großes Verfahren eröffnet das höchste Traunsteiner Strafgericht am 30. Januar mit weiteren Terminen am 8., 19. und 22. Februar, jeweils um 9 Uhr. Den drei angeklagten Männern wirft die Staatsanwaltschaft Traunstein gemeinschaftlichen versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung an einem 25-jährigen Mann vor. Mehrere Personen hatten sich am 8. April 2017 in einer Wohnung in Burghausen getroffen, um Drogen zu konsumieren. Unmittelbar nach einer Überdosis an Betäubungsmitteln brach der 25-Jährige bewusstlos zusammen. Offensichtlich versuchten die Beteiligten erst selbst, den Mann wiederzubeleben. Erst als die Reanimationsversuche scheiterten, wurde ein Notarzt alarmiert. Der 25-Jährige aus dem Landkreis Altötting wurde auf eine Intensivstation eingeliefert und überlebte.

Ein Ziegelstein war das mutmaßliche Tatwerkzeug in einem weiteren Kriminalfall des letzten Jahres. In der Nacht auf 21. Juni 2017 schlug ein 27-jähriger Asylbewerber in einer Gemeinschaftsunterkunft in Teisendorf angeblich auf einen 33-jährigen Mitbewohner mit dem Stein ein. Die Anklagebehörde geht in dem Schwurgerichtsprozess am 6. und 23. Februar, jeweils um 9 Uhr, von versuchtem Totschlag aus. Ersten Ermittlungen zufolge sollen die Flüchtlinge zunächst gestritten haben. Die Schläge mit dem Ziegelstein gegen Gesicht und Kopf des Geschädigten verursachten schwere Kopfverletzungen, die im Kreiskrankenhaus Bad Reichenhall ärztlich behandelt wurden. Streifenbeamte der Polizeiinspektion Freilassing konnten den Täter widerstandslos festnehmen. Er wurde in Untersuchungshaft gesetzt, wo er seither auf seine Hauptverhandlung wartet.


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