20.11.2020, 13:12 Uhr

Wirtschaft „Wir brauchen wieder ein Mehr an guter Arbeit“

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Die DGB Region Niederbayern kritisiert den umfangreichen Niedriglohnsektor in Bayern und im Landkreis Straubing-Bogen. Mit 24 Prozent betrifft das Niedriglohnrisiko einen erheblichen Anteil der Beschäftigten im Landkreis. Für die Stadt Straubing liegt das Niedriglohnrisiko bei 19,7 Prozent.

Landkreis Straubing-Bogen. Die Daten stammen aus dem neuen Report „Tatort Niedriglohn in Bayern“, den der DGB Bayern in Zusammenarbeit mit der Forschungsabteilung Flexibilität und Sicherheit am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) erstellt hat.

Johann Jungtäubl, Kreisvorsitzender des DGB Straubing-Bogen, stellt klar: „Niedriglöhne betreffen auch im reichen Bayern rund eine Million Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Für uns Gewerkschaften ist dieser Zustand nicht hinnehmbar. Unsere Kolleginnen und Kollegen dürfen nicht vom wachsenden Wohlstand abgekoppelt und mit Armutslöhnen abgespeist werden.“

Gemäß einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit sind alleine im Landkreis Straubing-Bogen fast 4.216 Vollzeitarbeitsplätze dem Niedriglohnsektor zuzurechnen. Besonders hoch ist das Niedriglohnrisiko für Beschäftigte im Wirtschaftszweig Kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus mit einer Niedriglohnquote von über 47,9 Prozent und im Wirtschaftszweig Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit bei über 42,7 Prozent. In der Stadt Straubing sind rund 3.616 Vollzeitarbeitsplätze dem Niedriglohnsektor zuzurechnen. Hier liegt das Niedriglohnrisiko für Beschäftigte im Wirtschaftszweig Kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus mit einer Niedriglohnquote bei über 28,1 Prozent und im Wirtschaftszweig Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit bei über 25,9 Prozent. Die bundesweite Niedriglohnschwelle liegt bei einem Stundenlohn von 11,21 Euro pro Stunde.

„4.216 Niedriglöhner in Vollzeit im Bereich Straubing-Bogen und 3.616 in der Stadt Straubing sind aber leider nur die Spitze des Eisbergs. Hinzu kommen noch Teilzeitkräfte und Beschäftigte in Minijobs. Alleine bei den Minijobs in Bayern sind sieben von zehn dem Niedriglohn zuzurechnen“, ergänzt Andreas Schmal, Geschäftsführer des DGB in Niederbayern und ergänzt: „Letztere sind durch die Coronakrise besonders betroffen, da sie nicht einmal Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben.“

Für den DGB in der Region Straubing-Bogen und Niederbayern ist klar: Es ist dringend geboten, den im europäischen Vergleich hohen Niedriglohnsektor endlich abzubauen. Auch die kommunale Ebene muss ihrer Verantwortung gerecht werden. Zumindest öffentliche Aufträge müssten endlich an die Tarifbindung und damit an ordentliche Löhne gekoppelt werden. Andreas Schmal hierzu: „Wir sehen ganz klar den Zusammenhang zwischen Tarifbindung und guten Löhnen. Während das Niedriglohnrisiko der Beschäftigten ohne Tarifbindung 2018 in Bayern bei 21,1 Prozent lag, galt dies für nur 8,1 Prozent der Beschäftigten mit Tarifbindung. Es muss im Interesse der öffentlichen Hand liegen, dass die Menschen von ihrer Arbeit leben können und im Alter gut versorgt sind. Für viele Menschen im Niedriglohn reichen später auch die Renten nicht zum Leben und sind auf Grundsicherung angewiesen. Deren Arbeitgeber lassen sich die Niedriglöhne von den Steuerzahlern subventionieren!“

Darüber hinaus müssen atypische Erwerbsformen wieder in Normalarbeit transformiert und die Tarifflucht der Arbeitgeber gestoppt werden. „Der Report ‚Tatort Niedriglohn in Bayern‘ verdeutlicht: Hier ist ein Tatort entstanden, der den betroffenen Menschen Perspektiven auf ein gutes Leben raubt. Ein Tatort, der durch niedrige Löhne, die kaum zum Leben und erst recht nicht für das Alter reichen, die Luft zum Atmen nimmt. Hier ist ein Tatort, der zur Spaltung unserer Gesellschaft beiträgt. Dies gilt es umzukehren. Wir brauchen wieder ein Mehr an guter Arbeit“, so Andreas Schmal abschließend.


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