13.11.2020, 13:36 Uhr

Arbeitsalltag im Gesundheitsamt „Das stellt uns vor größte Herausforderungen“

Dr. Beate Biermaier, Leiterin des Gesundheitsamtes Straubing-Bogen, gemeinsam mit ihrem Stellvertreter, Dr. Thomas Lang. Foto: LRADr. Beate Biermaier, Leiterin des Gesundheitsamtes Straubing-Bogen, gemeinsam mit ihrem Stellvertreter, Dr. Thomas Lang. Foto: LRA

Dr. Beate Biermaier, Leiterin des Gesundheitsamtes, über den Arbeitsalltag in ihrer Abteilung

Straubing. Es waren zwei traurige Rekorde, die in der vergangenen Wochen im Landkreis Straubing-Bogen aufgestellt wurden: Binnen weniger Tage gab es zweimal „Rekordmeldungen“ an Neuinfektionen mit dem SARS-CoV-2 zu vermelden, am Sonntag an einem Tag gar 60 neue Fälle.

Für das Gesundheitsamt Straubing-Bogen, das angesiedelt im Landratsamt nicht nur für den Landkreis sondern auch für die kreisfreie Stadt Straubing zuständig ist, und in der Bewältigung der Pandemie gemeinsam mit allen Ärzten und Pflegekräften an vorderster Front arbeitet, bedeutet das einen immensen Aufwand.

Seit mittlerweile über acht Monaten, seit dem ersten Fall Anfang März, stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitsamt unter höchster Belastung. Vorrangige Aufgabe ist das Ermitteln der Kontaktpersonen, die Quarantäneveranlassungen und das Unterbrechen von Infektionsketten. Auch werden bei Ausbruchssituationen Reihentestungen veranlasst. Für weitere direkte Tests oder Analyse von Laborproben ist das Gesundheitsamt aber nicht verantwortlich. Allerdings werden auch Einrichtungen betreut und die Umsetzungen von Gesetzen, Richtlinien und Allgemeinverfügungen gemeinsam mit den zuständigen Stellen beraten. Auch als Ansprechpartner für niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser steht das Team der Abteilung Gesundheitswesen um Medizinaldirektorin Dr. Beate Biermaier an sieben Tagen in der Woche zur Verfügung.

„Die Aufgaben sind nicht nur zeitintensiv und belasten aufgrund der zahlreichen Überstunden und Wochenendarbeit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern sind mit zunehmender Fortdauer auch psychisch fordernd“, sagt die Leiterin des Gesundheitsamtes. Alleine mit dem Stammpersonal wäre die Aufgabe schon längst nicht mehr zu meistern. Bereits im Frühjahr haben Ärzte der Bundeswehr, Auszubildende aus allen Abteilungen im Landratsamt, Ärzte im Ruhestand und Medizinstudenten bei der Pandemiebekämpfung im Gesundheitsamt mitgeholfen. In den letzten Wochen kamen nun 26 neue Leute (nicht alle in Vollzeit) dazu.

Neben speziell von der Regierung eingestellten Kräften für das Contact Tracing Team (CTT) – zehn Personen - zur Kontaktpersonenermittlung verstärken für einen kürzeren Zeitraum auch Mitarbeiter der Polizei, der Polizeiverwaltung, der Finanzverwaltung, der Justizverwaltung und aus anderen staatlichen Stellen das Gesundheitsamt. Weitere acht Personen werden in den nächsten beiden Wochen erwartet und auch das CT-Team soll noch einmal aufgestockt werden. Alleine rund 37 Personen sind mit der Kontaktermittlung und den unterschiedlichsten damit zusammenhängenden Aufgaben betraut. Bei über 1.100 Kontaktpersonen gleichzeitig derzeit, ist der Arbeitsaufwand immens. „Wir möchten auch auf die Eigenverantwortung aller Bürgerinnen und Bürger hinweisen“, sagt Dr. Beate Biermaier. „Wir sind augenblicklich so gut wie immer noch in der Lage zu Indexpersonen noch am gleichen Tag Kontakt aufzunehmen. Bei Kontaktpersonen gelingt das aber mittlerweile nicht immer. Deshalb bitten wir alle Indexpersonen, also alle positiv Getesteten, auch eigenständig die ihnen bekannten Kontaktpersonen zu informieren und sie zu sensibilisieren.“

Großteils spüre man Verständnis in der Bevölkerung. Verständnis, das aber auch nötig ist. „Binnen kürzester Zeit mussten und müssen immer noch eine Vielzahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in für diese völlig neue Aufgaben eingearbeitet werden. Und dies mitten in der Pandemiewelle. Das stellt uns vor größte Herausforderungen und muss sich bei allem Engagement erst einspielen“, erläutert Dr. Biermaier. Auch aus Respekt vor den eingesetzten Kräften im Gesundheitsamt, aber auch den Ärzten und Pflegern in allen Bereichen, bittet Dr. Biermaier um die Umsetzung der Abstands-, Hygiene-, Verhaltens- und Infektionsschutzregeln in der Bevölkerung. „Jeder einzelne muss sich bewusst sein, dass er mit seinem Verhalten den Arbeitsalltag vieler im Gesundheitswesen tätigen Personen beeinflussen kann, aber vor allem neue Infektionen und Erkrankungen verhindern kann, die nicht nur bei alten und vorerkrankten Personen mit schweren gesundheitlichen Folgen oder sogar tödlich enden können. Diesen Respekt und diese Fürsorge vermisse ich manchmal.“

Und der Arbeitsalltag hat sich – nicht nur, aber gerade auch – in den Räumen des Gesundheitsamtes stark verändert. Die dringendst notwendigen Leistungen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes versucht man weiterhin aufrecht zu erhalten, vieles andere, wie z.B. Präventionsmaßnahmen an Schulen, Arbeitskreise, mussten und müssen der Pandemiebekämpfung untergeordnet werden oder können wegen der Vorgaben nicht durchgeführt werden. „Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen sich auch in für sie neuen Situationen außerordentlich ein und leisten über das normale Maß hinausgehendes, um in der Bekämpfung der Pandemie mitzuhelfen“, findet auch Landrat Josef Laumer lobende Worte für das Engagement.

Und dieses wird angesichts der aktuellen Entwicklungen auch noch eine Zeit lang gefordert sein. Die Zahlen im Landkreis sind weiterhin hoch. Zwar gibt es vereinzelte Ausbruchsgeschehen wie zuletzt in einem Alten- und Pflegeheim in der Stadt Bogen. Aber: „Insgesamt ist das Infektionsgeschehen diffus und lässt sich in der Mehrzahl der Fälle nicht auf konkrete Ansteckungsgründe zurückverfolgen. Das macht die Unterbrechung auch so schwierig und ist auch ein Unterschied zur ersten Welle im Frühjahr. Dort gab es durch die frühzeitigen Beschränkungen weniger Kontakte. Jetzt hat man schon gesehen, dass die einzelnen Indexpersonen – gerade vor dem sogenannten Lockdown light – deutlich mehr soziale Kontakte in allen Bereichen hatten. Zum Teil sind es 50 bis 60 Kontaktpersonen bei einem positiven Fall. Das verbreitet das Virus schneller und macht gleichzeitig die Nachverfolgung schwieriger“, so Dr. Biermaier.

Foto: Dr. Beate Biermaier, Leiterin des Gesundheitsamtes Straubing-Bogen, gemeinsam mit ihrem Stellvertreter, Dr. Thomas Lang.


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