16.04.2020, 18:42 Uhr

Kriegsende Straubing gedenkt der Opfer des Bombenangriffs vom 18. April 1945

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Trotz der uns zur Zeit beschäftigenden und einnehmenden Corona-Krise ist es dem Straubinger Oberbürgermeister Markus Pannermayr ein Anliegen, in diesen Tagen an den schweren Bombenangriff auf Straubing vor genau 75 Jahren und das wenige Tage darauf folgende Kriegsende zu erinnern. Die Stadt hätte dies sehr gerne mit Gedenkveranstaltungen begangen, was uns in der jetzigen Zeit jedoch verwehrt ist.

Straubing. Aus diesem Grund wurden die Straubinger Pfarreien gebeten, dass anlässlich des schwersten Bombenangriffs auf Straubing am 18. April (um 13.07 Uhr) und genau 75 Jahre nach dem Einmarsch der Amerikaner in Straubing und dem damit verbundenen Kriegsende am 28. April (gegen 12 Uhr) alle Kirchenglocken in Straubing für einige Minuten läuten, um an diese beiden Ereignisse zu erinnern.

Luftangriff

Am 18. April 1945 von 13.07 bis 13.49 Uhr warfen amerikanische Kampfbomber 1923 Sprengbomben und 135 Brandbomben, insgesamt über 500 Tonnen Sprengstoff, auf Straubing nieder. 2000 Detonationen erschütterten die Stadt. Die Rauchpilze wuchsen zu riesigen Rauch- und Staubfahnen zusammen. Über 300 Menschen starben, wurden erdrückt, verstümmelt, verbrannten oder erstickten. Fast ein Drittel der Opfer waren Flüchtlinge. Viele wurden verletzt. Über 200 Gebäude, unter ihnen die protestantische Kirche in der Bahnhofstraße und die katholische Friedhofskirche St. Michael, waren völlig zerstört, 600 Häuser wiesen Bombenschäden auf. 3.000 Menschen waren obdachlos. Straubing war zu 29 Prozent zerstört. In Bayern stand die Stadt im Zerstörungsgrad damit an neunter Stelle, hinter München. Betroffen waren vor allem der Süden Straubings, die Bahnhofsgegend und die Altstadt. Der 18. April 1945 gilt als der „schwärzeste Tag“ in der Geschichte Straubings.

Kriegsende

Am 28. April 1945 gegen 11.45 Uhr nahmen amerikanische Panzer von Westen her über die Regensburger Straße kommend die Stadt kampflos ein; mittags übergab Oberbürgermeister i.V. Dr. Otto Höchtl im Rathaus die Stadt an die Amerikaner. Mit dem Einmarsch der amerikanischen Streitkräfte am 28. April 1945 waren für die Stadt die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und der Zweite Weltkrieg zu Ende. An Opfern hatte sie zu beklagen: Etwa 1300 Soldaten waren gefallen oder wurden vermisst; die Luftangriffe kosteten nahezu 460 Menschen, Einheimischen, Flüchtlingen, Evakuierten, Fremdarbeitern und Soldaten in den Lazaretten, das Leben; wohl 50 jüdische Bürger, die Hälfte der Straubinger Vorkriegsgemeinde, überlebten Deportation und Konzentrationslager nicht; geschätzt 360 Bewohner der Pflegeanstalt Straubing wurden in den Euthanasie-Aktionen ermordet. Und ungewiss ist die Anzahl der Menschen, die durch die Kriegsumstände, vor allem durch die schlechtere Versorgung an Lebensmitteln oder Medizin, starben. Mit dem Einmarsch der Amerikaner begannen Wiederaufbau, Entnazifizierung und Demokratisierung.


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