22.10.2020, 14:02 Uhr

Gespräch in Schwandorf Arbeitsmarktpolitik im Zeichen der Corona-Krise

Bernhard Lang, Annette Karl, Markus Nitsch und Marianne Schieder. Foto: Dorothea Seitz-DoblerBernhard Lang, Annette Karl, Markus Nitsch und Marianne Schieder. Foto: Dorothea Seitz-Dobler

Zu einem arbeitsmarktpolitischen Fachgespräch trafen sich die Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder und die Landtagsabgeordnete Annette Karl aus Neustadt mit der Führungsspitze der Arbeitsagentur in Schwandorf.

Schwandorf. Ausführlich erläuterten Agentur-Chef Markus Nitsch, Geschäftsführer Operativ Bernhard Lang, sowie die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, Dorothea Seitz-Dobler, dabei die aktuelle Situation im Agenturbezirk.

Ein Austausch, der Marianne Schieder sehr wichtig ist. Dadurch, so die Abgeordnete, erfahre man „aus bester Hand, wie sich die verschiedenen arbeitsmarktpolitischen Entscheidungen vor Ort auswirken“. Gerade in der Corona-Krise leisteten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herausragende Arbeit: „Ich möchte Ihnen ganz herzlich für Ihre geleistete Arbeit danken“, sagte Marianne Schieder. Schieder hob die Bemühungen der Koalition zur Bewältigung der Corona-Krise hervor. Maßnahmen wie die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes oder die Aussetzung des Insolvenzrechts hätten wichtige Brücken gebaut.

Im Gespräch pflichtete Markus Nitsch der Abgeordneten bei. Derzeit sei man im Agenturbezirk Schwandorf mit einem einigermaßen „blauen Auge davon gekommen“. So sei zwar ein Anstieg der Arbeitslosigkeit in allen Teilregionen der mittleren Oberpfalz zu vermelden, allerdings bewege sich dieser in Schwandorf niedriger als in Bayern insgesamt. Nitsch bezeichnete den Anstieg als „nicht so dramatisch wie Anfang März befürchtet“. Die Arbeitslosigkeit derzeit sei zwar höher als in den Vorjahren, allerdings niedriger als zu Zeiten in der Finanzkrise im Jahr 2010.

Dennoch: Auch wenn die Zahl der Menschen in Kurzarbeit im Vergleich zum Mai deutlich zurückgegangen sei, die Herausforderungen durch Corona seien „riesig“. Darüber hinaus betonte der Agenturleiter, dass junge Menschen nach wie vor dringend am Arbeitsmarkt gebraucht seien. Hier hob er zum einen die Bedeutung der Zuwanderung hervor. Durch großes Engagement, insbesondere der Betriebe, sei es zum Beispiel gelungen, zwei Drittel der Geflüchteten in Arbeit zu bringen. „Zuwanderer sind für unseren Arbeitsmarkt essentiell“, so Markus Nitsch. Zum anderen werde es immer wichtiger, mit Qualifizierungsmaßnahmen Menschen für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Hier sei das Qualifizierungschancengesetz ein guter Schritt.

Annette Karl lenkte den Blick auf die Entwicklungen in Bayern. Die Situation der Automobilindustrie und damit einhergehend der Zulieferbetriebe, wie Conti, erfülle sie mit Sorge. Hier gelte die Solidarität den Beschäftigten. „Die Kurzarbeit muss zur Qualifizierung der Mitarbeiter für die Zukunft genutzt werden, Kündigungen sind kein Mittel einer gelungenen Transformationsstrategie!“, so Karl. Ebenso erkundigte sie sich nach der Situation für die bayerischen Handwerksbetriebe. Diese, so Geschäftsführer Operativ Bernhard Lang, haben derzeit „wirklich einen goldenen Boden“. Es werde wieder deutlich attraktiver, nach dem Schulabschluss, eine Ausbildung im Bereich des Handwerks zu absolvieren.

Einig waren sich die Teilnehmer, dass die Corona-Situation noch weitere Kraftanstrengungen mit sich bringen werde. Vor der Krise sei man aber auf einem sehr guten Weg gewesen: „Es sind vor Corona mehr Arbeitsplätze neu entstanden, als weggefallen sind“, so Markus Nitsch. Nach der Krise gelte es zu versuchen, diesen Zustand wieder herzustellen.


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