25.12.2019, 00:22 Uhr

Weihnachts- und Neujahrsgrüße „30 Jahre ist es her, dass die Oberpfalz von der politischen Randlage in das Herz Europas rückte“

Axel Bartelt. (Foto: Regierung der Oberpfalz)Axel Bartelt. (Foto: Regierung der Oberpfalz)

Der Oberpfälzer Regierungspräsident Axel Bartelt erinnert in seiner Weihnachts- und Neujahrsgrüße an den Fall des Eisernen Vorhangs vor 30 Jahren. Damals, so Bartelt, sei „die Oberpfalz von der politischen Randlage in das Herz Europas“ gerückt.

REGENSBURG „Für uns mögen Friede, Freiheit und grenzüberschreitende Partnerschaft heute selbstverständlich sein. Doch der Blick in unsere Vergangenheit oder in andere Regionen der Erde zeigt uns deutlich, dass Friede und Freiheit alles andere als selbstverständlich ist“, so Bartelt. Friede und Freiheit seien Aber „alles andere als selbstverständlich“.

Die Weihnachts- und Neujahrsgrüße des Regierungspräsidenten

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

sicher waren auch Sie in der Vorweihnachtszeit damit beschäftigt, alles für das große Fest vorzubereiten, zu planen und – natürlich – das ein oder andere Geschenk zu besorgen. Weil es dazugehört, lieben Menschen mit einer kleinen Geste zu Weihnachten eine große Freude zu bereiten. Dass Geschenke nicht unbedingt materieller Natur sein müssen, um groß zu sein, zeigt der Blick zurück: mit dem Jahr 2019 neigt sich ein besonderes Jahr dem Ende zu. Ein Jahr, in dem wir den Fall des Eisernen Vorhangs zum 30. Mal feiern durften. 30 Jahre ist es nun her, dass die Oberpfalz von der politischen Randlage in das Herz Europas rückte. Mit unseren tschechischen Nachbarn, insbesondere der Region Pilsen, verbindet uns seitdem eine offene Grenze und eine intensive, partnerschaftliche Zusammenarbeit, die durch die vor 18 Jahren ins Leben gerufene Regionalkooperation ständig ausgebaut wird. Dieser gemeinsame Weg hat zu einer anfangs von Vielen nicht für möglich gehaltenen Aufwärtsentwicklung auf beiden Seiten der Grenze geführt und ganz entscheidend mit dazu beigetragen, dass unsere Heimat zu dem lebens- und liebenswerten Fleckchen Erde wurde, wie wir es heute kennen und nicht mehr missen möchten.

Ein Meilenstein des bald endenden Jahres war daher sicherlich unsere gemeinsame Veranstaltung Mitte September in der Bayerischen Vertretung in Brüssel, bei der sich Pilsen und die Oberpfalz unter dem Titel „Zwei starke Partner im Herzen Europas“ auf der großen, internationalen Bühne als Partnerregion mit Vorbildcharakter präsentieren konnten. Eine herausragende Veranstaltung, an einem geschichtsträchtigen Ort: Denn mit der Gründung des Europarates vor 70 Jahren durften wir 2019 auch das Jubiläum eines weiteren, ganz besonderen Geschenks feiern. Mit der Gründung des Europarates manifestierte sich in Europa eine Zeit des Friedens und der Freiheit, die mit dem Kriegsende 1945 begann und nunmehr seit weit über 70 Jahren andauert – so lange, wie sie noch keiner Generation vor uns vergönnt war. Es ist daher nur richtig, dass bei vielen Gelegenheiten in diesem Jahr an dieses außerordentliche Geschenk erinnert wurde. Denn es ist unser aller Aufgabe, die Europäische Union, dieses visionäre und mutige, völkerverbindende Projekt, diese Garantie für Frieden und Freiheit, auch an unsere Kinder und Kindeskinder weiterzugeben.

Für uns mögen Friede, Freiheit und grenzüberschreitende Partnerschaft heute selbstverständlich sein. Doch der Blick in unsere Vergangenheit oder in andere Regionen der Erde zeigt uns deutlich, dass Friede und Freiheit alles andere als selbstverständlich ist. Es braucht unser aller Wille und Anstrengung, dass dies auch weiterhin so bleibt. Dies gilt im Großen wie im Kleinen: für die Gesellschaft als Ganzes, für jeden einzelnen. Für Europa, aber natürlich auch für den Freistaat Bayern und damit auch für uns in der Oberpfalz.

Im vergangenen Jahr gab es aber leider auch viel zu verarbeiten, was uns bestürzt, nachdenklich gemacht und auch erschüttert hat – ich denke zum Beispiel an den Mord an meinem Kollegen, den hessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der sein Engagement für Demokratie und Menschlichkeit mit dem Leben bezahlte. Ich denke an das Attentat in Halle, das uns einmal mehr vor Augen geführt hat, wie zerbrechlich und wie gefährdet Frieden und Freiheit in unserem Land sind. Lassen Sie uns deshalb auch im neuen Jahr gemeinsam zusammenstehen für eine weltoffene, solidarische und friedliche Gesellschaft des Miteinanders. Eines Miteinanders, das jeden umfasst, der unsere Werte teilt – ganz egal welcher Nationalität und Religion er angehört, welche Hautfarbe er hat oder welche Sprache er spricht.

Als Regierung der Oberpfalz haben wir uns im vergangenen Jahr wieder für die Belange des Regierungsbezirks stark gemacht, über das gesamte Spektrum der staatlichen Zuständigkeit hinweg: von Sicherheit und Sozialem über Wirtschaft, Landesentwicklung und Verkehr, von Planung und Bau über Schulen bis hin zu Umwelt, Natur, Verbraucherschutz und Landwirtschaft. Gemeinsam konnten wir viel erreichen und so ein gutes Stück weit dazu beitragen, dass die Oberpfalz für die rund 1,1 Millionen Menschen auch weiter ein Fleckchen Erde zum wohl- und sicherfühlen bleibt – unsere Heimat im Herzen Europas!

Auch im kommenden Jahr werden sich die fast 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Regierung der Oberpfalz wieder für den Erfolg und die Attraktivität unseres Regierungsbezirks einsetzen. Aber das schaffen wir nicht ohne sie: die tatkräftige Unterstützung und den steten Einsatz der Oberpfälzerinnen und Oberpfälzer. Sie bringen sich jeden Tag aufs Neue ein - ganz egal, ob selbständig oder angestellt, ob haupt-, neben- oder ehrenamtlich. Sie machen die Oberpfalz zu dem Ort, an dem man sich Zuhause fühlt – man „dahoam“ ist. Dafür möchte ich Ihnen von Herzen danken. Und ich möchte Sie einladen, mit dieser Zuversicht und diesem Engagement wieder ins neue Jahr zu starten und die - sicher zahlreichen - Herausforderungen, die auf uns alle warten, anzunehmen und gemeinsam das Beste daraus zu machen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, vor dem Jahresende gilt es nun, neue Kraft zu tanken. Die Vorweihnachtszeit mit ihrer ganz speziellen Stimmung eignet sich dafür ganz besonders. Denn es ist die Zeit im Jahr, in der wir alle näher zusammenrücken und unseren Blick auf das Wesentliche richten: die Familie, unsere Angehörigen und Freunde, und die Zeit, die verfliegt und damit das Kostbarste ist, was wir uns gegenseitig schenken können.

Kommen wir alle also ein wenig zur Ruhe und genießen die Festtage im Kreise unserer Lieben. Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest und ein gesundes, glückliches Jahr 2020.

Axel Bartelt, Regierungspräsident der Oberpfalz


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