26.04.2019, 10:08 Uhr

Wie die EU Mehrwert schafft Unternehmer diskutierten mit Tschechiens Botschafter Podivínský über grenzüberschreitende Perspektiven

IHK-Präsident Michael Matt und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes zeigen mit Tschechiens Botschafter Tomáš Jan Podivínský Flagge für Europa. (Foto: Julia Knorr)IHK-Präsident Michael Matt und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes zeigen mit Tschechiens Botschafter Tomáš Jan Podivínský Flagge für Europa. (Foto: Julia Knorr)

Kommende Woche, am 1. Mai 2019, feiern Tschechien und seine Nachbarn 15 Jahre EU-Mitgliedschaft. Europa erwartet am 26. Mai eine entscheidende Wahl. Brexit, Populismus, die Haushaltsschwierigkeiten mancher Mitgliedsstaaten und die Migrationsfrage stellen die EU vor große Herausforderungen.

REGENSBURG Welche Bedeutung die EU für die Region Ostbayern-Westböhmen heute einnimmt und welchen Mehrwert die grenzüberschreitende Zusammenarbeit für die Unternehmen bietet, darüber diskutierten Unternehmer und Politikvertreter gemeinsam mit Tschechiens Botschafter Tomáš Jan Podivínský am Donnerstag in der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim.

„Im richtungsweisenden Europawahljahr möchten wir mit dem Bayerisch-Tschechischen EU-Forum ein starkes Zeichen für Europa setzen“, begrüßte IHK-Präsident Michael Matt die Gäste. „Die EU-Ostererweiterung ist für uns eine beispiellose Erfolgsgeschichte.“ Rund 500 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk pflegen Beziehungen mit tschechischen Partnern. Weit über 100 Firmen sind sogar mit eigenen Niederlassungen in der Region Pilsen vor Ort. „Die Region Ostbayern-Westböhmen ist eine der Nahtstellen, die das Patchwork Europa zusammenhalten“, sagte Matt nicht ohne Stolz im Hinblick auf die Meilensteine der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Wirtschaft und bei der Bildung.

Die Region schafft Vertrauen für die EU

Was die europäische Integration in der Region bewirkt hat und wo noch Baustellen sind, darüber sprachen Vertreter von Firmen und Institutionen mit Botschafter Podivínský auf dem Podium. Tschechiens Botschafter stellte fest, dass es den Menschen in Tschechien und hierzulande so gut gehe wie noch nie – dennoch stecke die EU in einer Vertrauenskrise. Hier mache ihm das Engagement der mittelständischen Unternehmen in Ostbayern und Westböhmen Mut. „Wie man Vertrauen schafft, das leben Sie vor“, sagte er den Gästen. Der Chamer Bundestagsabgeordnete Karl Holmeier griff diesen Gedanken auf und zeigte sich sicher, dass der wirtschaftliche Erfolg der Region in den letzten zehn Jahren der EU zu verdanken sei. „Die Osterweiterung der EU hat zum Aufschwung geführt und dazu, dass Ostbayern heute nicht nur geografisch in der Mitte Europas liegt.“

Als Pionier im Tschechien-Geschäft berichtete IHK-Vizepräsident Thomas Hanauer, Geschäftsführer der emz-Hanauer GmbH & Co. KGaA in Nabburg, von der Bedeutung Tschechiens für sein Unternehmen. „Wir haben heute in Nabburg 25 Prozent mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als zum Beginn unseres Werks in Westböhmen“, betonte Hanauer und zeigte damit auf, wie durch Investitionen im Nachbarland Synergien beiderseits der Grenze entstanden sind. Dr. Martin Kořínek, Geschäftsführer der Grammer CZ s.r.o. in Tachov, glaubt an die Region: „Wir haben keine Ölförderung, wir haben keine Finanzzentren, aber wir haben in Ostbayern und Westböhmen Mittelständler, die anpacken und von der Basis heraus etwas bewegen.“

Auf Augenhöhe

„Auf Augenhöhe miteinander arbeiten, das zeichnet den Erfolg der grenzüberschreitenden Arbeit aus“, so Botschafter Podivínský. Die nationale Politik und die EU könnten hiervon lernen und sie würden damit auch dem tschechischen Volk angesichts seiner Skepsis gegenüber Brüssel entgegenkommen. „Die EU sollte die Rahmenbedingungen schaffen, damit wir miteinander zusammenarbeiten können. Wie wir das machen, das wissen die Regionen selbst gut genug“, warb er für weniger Bürokratie. Eine Sicht, die IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes für die Empfindungen der Menschen und der Wirtschaft in Ostbayern nur bestätigen konnte.

Einen persönlichen Einblick in das grenzüberschreitende Leben gab die Prorektorin der Westböhmischen Universität Pilsen Dita Hommerová, die als 15-Jährige Mitte der 90er Jahre zum Schüleraustausch nach Weiden ging. Heute lebt und arbeitet sie auf beiden Seiten der Grenze. Schüleraustausche und vor allem das Lernen der Sprache der Nachbarn, so war sich das Podium einig, seien die entscheidenden Schlüssel, um die Grenzregion in den nächsten Jahren weiter zusammenzubringen.

Über die Vielfalt der grenzüberschreitenden Arbeit berichteten das IHK-Regionalbüro Pilsen, das Bohemicum der Universität Regensburg, das Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee, die Tschechische Schule in Regensburg sowie der Jugendaustausch Tandem und die Westböhmische Universität Pilsen mit Informationsständen.


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