15.12.2018, 10:28 Uhr

„Vor 30 Jahren geschah das Unfassbare“ Schwandorf gedenkt Opfer des Brandanschlages von 1988 – „kein Platz für Gewalt und Extremismus“

(Foto: Hohler)(Foto: Hohler)

Am Montag, 17. Dezember, jährt sich der Brandanschlag auf das ehemalige „Habermeier-Haus“ in Schwandorf, bei dem am 17. Dezember 1988 eine dreiköpfige türkische Familie und ein 47-jähriger Schwandorfer ihr Leben lassen mussten, bereits zum 30. Mal.

SCHWANDORF Am 17. Dezember 1988 geschah es – der Rechtsextremist Josef S., damals 19 Jahre alt, zündete in Schwandorf ein Haus an, in dem türkische Mitbürger lebten. Osman Can (49), Fatma Can (43), Mehmet Can (11) und Jürgen Hübener (47), starben in den Flammen. Der Täter wurde zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Lange tat man sich schwer in der Stadt, mit diesem Verbrechen umzugehen. Erst zwei Jahrzehnte nach dem Anschlag, im Jahr 2008, wurde eine Gedenktafel am Gebäude angebracht, gar 28 Jahre sollte es dauern, bis ein Gedenkstein in unmittelbarer Nähe aufgestellt wurde. Seit 2009 findet ein öffentliches Gedenken statt, diesmal direkt am 17. Dezember um 17 Uhr in der Spitalkirche.

Oberbürgermeister Andreas Feller ruft zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung auf

„Vor 30 Jahren geschah das Unfassbare – wir haben den unbegreiflichen Anschlag nicht vergessen. Wir haben vor allem die Opfer, Osman, Fatma und Mehmet Can und Herrn Jürgen Hübener, die bei dem hinterhältigen Verbrechen ums Leben kamen, nicht vergessen. Weil er Ausländer hasste, legte ein damals 19-jähriger Rechtsextremist vorsätzlich in dem Gebäude Feuer – den Schwandorfern wird die schreckliche Brandnacht für immer in Erinnerung bleiben. Diese abscheuliche Tat darf nicht vergessen werden – wir alle sind aufgerufen, Intoleranz und Gewalt abzulehnen. Wir alle sind aufgefordert, in der Familie, am Arbeitsplatz, im Verein und in allen gesellschaftlichen Bereichen mit Entschlossenheit jeder Diffamierung und jedem Angriff auf Minderheiten entgegenzutreten und sich für die Achtung der Menschenwürde einzusetzen.

Die aktuellen Berichte und Bilder über Anschläge auf Asylbewerbereinrichtungen und Hetze gegen Flüchtlinge beweisen, dass rechtsextremes Gedankengut keinerlei Rücksicht auf das Schicksal verfolgter Menschen nimmt. Wer mit rassistischen Parolen versucht, ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger auszugrenzen, wer sich über Toleranz und sittliche Werte hinwegsetzt, darf nicht mit stillschweigendem Einverständnis rechnen.

Der Schwandorfer Stadtrat hat im Jahre 2009 den einstimmigen Beschluss gefasst, in einer jährlich wiederkehrenden kommunalen Gedenkstunde, die am 17. Dezember in der Spitalkirche stattfindet, an die Opfer des Brandanschlages zu erinnern und ein Bekenntnis für Frieden und Demokratie abzulegen. Zu dieser öffentlichen Gedenkstunde, die um 17 Uhr beginnt, lade ich die Bevölkerung unserer Stadt herzlich ein.

Beweisen Sie mit uns gemeinsam, dass Schwandorf bunt ist und keinen Platz bietet für Gewalt und Extremismus.“


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