22.06.2018, 14:12 Uhr

Funktionierende Integration „In-Life“ geht auf die Zielgerade –so wird die Agenda 2030 konkret umgesetzt

(Foto: Michael Schröter)(Foto: Michael Schröter)

Zwei Jahre sind vergangen seit das Projekt Umweltbildung für Migranten („In-Life“) gestartet wurde, eine Co-Produktion des Landkreises Amberg-Sulzbach mit seiner VHS, der Volkshochschule Cham und Bildungspartnern aus Frankreich, Italien und Schottland. Hintergrund des „Erasmus+-Projekts“: Für eine gelingende Integration von Menschen mit Migrationshintergrund braucht es einen klaren Kompass.

AMBERG-SULZBACH Die Agenda 2030 mit insgesamt 17 Zielen nachhaltiger Entwicklung gibt genau diese Orientierung. Deshalb sind diese globalen Nachhaltigkeitsziele auch Grundlage der Themenfelder, die die Projektpartner von „In-Life“ gemeinsam mit der Entwicklung der Lehrmaterialien und der Lernplattform in den vergangenen zwei Jahren umgesetzt haben. „Wir vermitteln nicht nur praktische Informationen für den Alltag, sondern auch Werte und setzen genau dort an wo es so dringend gebraucht wird“, beschreibt Ulrike Zimmermann, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte an der VHS Amberg-Sulzbach, das Projekt. Dafür wurde eine Online-Lernplattform komplett neu entwickelt. Die Inhalte des Lernangebotes behandeln Kultur und Werte, Umwelt, Gesunder Lebensstil, häuslicher Umweltschutz, Mobilität und Natur. All das was für eine funktionierende Integration so wichtig ist.

Die Lernenden hatten durch ihr aktives Mitwirken die Chance, für ihren konkreten Lebensalltag zu lernen: Mülltrennung in der Unterkunft, kurze Wege beim Einkauf, aber auch die Frage, welche Werte die Menschen aus unterschiedlichen Kulturen miteinander verbinden und wie wichtig das Respektieren der Gesetze und Traditionen im Ankunftsland sind. Kurz: Konfliktherde im Alltag möglichst erkennen und ausräumen, fasst Ulrike Zimmermann die Ergebnisse der Zusammenarbeit zusammen. Zudem eröffneten sich für die Lehrkräfte der beteiligten Projektpartner neue Chancen, ihren Unterricht an nachhaltigen Themen zu orientieren. „Die Aufnahme zentraler Themen wie Klimawandel oder nachhaltiger Konsum bereicherten den Lehrplan und ermöglichten kritisches Denken und aktionsorientiertes Lernen“, weiß VHS-Leiter Manfred Lehner um die Vorteile des Projekts. So konnte in den vergangenen zwei Jahren mithilfe neuer Methoden etwa auf der eigens entwickelten internetgestützten Lernplattform experimentiert und praxisnah erfahren werden, dass man sich selbst und die Gesellschaft, in der man lebt, verändern könne.

Für die nun beginnende Transferphase gilt es laut Ulrike Zimmermann nun, möglichst viele weitere Bildungseinrichtungen und deren Lehrkräfte zu gewinnen, die die erarbeiteten Lerninhalte in ihren Deutschkursen erproben möchten. Gerade die Zusammenarbeit mit der VHS Cham, die im Bereich der Internationalen Projekte sehr große Erfahrung hat, war eine Hilfe und persönliche Bereicherung, so Zimmermann. Besonderes Augenmerk gilt laut Manfred Lehner deshalb den Multiplikatoren außerhalb der Bildungseinrichtungen vor Ort in der Gemeinde. Denn die Agenda 2030 mache klar: Der Motor des Wandels, um die erfolgreiche Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele zu ermöglichen, sei zwar das lebenslange Lernen, die globalen Ziele seien aber nur in und mit den Kommunen erreichbar. Die Bürgermeister und Gemeinderäte, die Teilnehmer von Integrationskursen als „Brückenbauer“, Sozialamt und kommunales Abfallreferat, die mit Migranten gemeinsam Handreichungen für Müllsortierung erarbeiten, oder das Amt für Landwirtschaft, das mit Teilnehmern eines Integrationskurses wichtige Vokabeln rund um die Ernährung in einem Kochkurs vermittelt – all diese Akteure wurden deshalb in der Umsetzungsphase ins Boot genommen, so Lehner.

Damit möglichst viele Multiplikatoren die „In-Life-Toolbox“ kennen lernen und Wege finden, diese in ihren Alltag mitnehmen zu können, findet am Freitag, 29. Juni, ein Informationstreffen im Landkreis Amberg-Sulzbach statt. Bei diesem so genannten Multiplier Event sollen die Ergebnisse des In-Life-Projektes, die neu konzipierte Lernplattform und das Dozentenhandbuch, potenziellen Nutzern und Multiplikatoren aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach und dem Landkreis Cham vorgestellt werden, um eine möglichst breite Verwertung der IN-Life-Materialien sicher zu stellen. Eingeladen sind Bildungsträger, Dozenten, Migranten, Umweltverbände, Ehrenamtliche im Bereich Integration und Umwelt, Vertreter von Verwaltungen sowie politische Entscheidungsträger.


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