23.12.2020, 13:09 Uhr

Umbau Aufzug und Induktionsanlage für mehr Barrierefreiheit im Alten Rathaus

 Foto: Kathrin Lechl Foto: Kathrin Lechl

Der Historische Reichssaal, die Fürstlichen Nebenzimmer, das Große und Kleine Kurfürstenzimmer sowie das Büro der Oberbürgermeisterin sind künftig auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen barrierefrei erreichbar. Durch eine Induktionsanlage im Reichssaal wird auch die Teilhabe von Menschen mit Hörbeeinträchtigungen verbessert.

Regensburg. Der Historische Reichssaal im Alten Rathaus ist der Ort der wichtigsten Veranstaltungen im Jahreskalender der Stadt Regensburg. Leider war die Teilnahme an diesen Feierstunden für Mitbürgerinnen und Mitbürger mit unterschiedlichen Einschränkungen bisher nur sehr schwierig möglich, da eine barrierefreie Erschließung des knapp 700 Jahre alten Saales nicht gegeben war. Zum Beispiel mussten Personen im Rollstuhl die Treppen mühsam mit Tragehelfern überwinden, um an Veranstaltungen teilnehmen zu können.

Dies hat sich nun mit der Errichtung eines freistehenden Aufzugturms auf der Rückseite des Alten Rathauses geändert. Der Zugang erfolgt über den Fechthof, der über die Baumhackergasse zu erreichen ist. Über die Fürstlichen Nebenzimmer und das Foyer im ersten Stock ist der Historische Reichssaal mithilfe einer Hebeplattform nun barrierefrei zugänglich. Ebenso wurden durch mehrere mobile Rampen das Große und Kleine Kurfürstenzimmer barrierefrei erschlossen, sodass künftig Hochzeitspaare und Gäste mit Mobilitätseinschränkungen auch Trauungen im Alten Rathaus wahrnehmen können. Daneben entstanden noch eine behindertenfreundliche Toilette und die Möglichkeit durch den Einsatz von zusätzlichen mobilen Rampen letztlich auch das Büro der Oberbürgermeisterin zu erreichen.

Die strengen Anforderungen von Brand- und Denkmalschutz mit den baulichen Gegebenheiten des historischen Gebäudes in Einklang zu bringen, bedeuteten eine besondere Herausforderung bei der Planung und Umsetzung der Maßnahme. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer freut sich, dass es trotz all der Schwierigkeiten gelungen ist, einen weiteren Schritt hin zu einer inklusiven Kommune zu tun: „Dass die ‚gute Stube‘ unserer Stadt nun für mobilitätseingeschränkte Menschen barrierefrei erreichbar ist, war mir eine Herzensangelegenheit. Diese Maßnahme ist auch Ansporn für weitere Projekte, denn sie zeigt, dass Barrierefreiheit und Denkmalpflege mit einiger Anstrengung durchaus miteinander vereinbar sind.“ Der Aufzug ist in der Regel circa eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn in Betrieb und kann ansonsten nach vorheriger Anmeldung bei Trauungen oder im Rahmen von Rathausführungen genutzt werden.

Im Rahmen des Einbaus neuer Medientechnik im Historischen Reichssaal wurde auch eine Induktionsanlage installiert. Sie soll Menschen mit Hörbeeinträchtigungen eine bessere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Nach erfolgreichem Test durch eine Vertreterin des Schwerhörigenvereins Regensburg Mitte November steht diese bei künftigen Veranstaltungen zur Verfügung. Die Anlage gewährleiste ein gutes Hörverständnis auf allen Plätzen im Saal, so Eleonore Brendel vom Schwerhörigenverein Regensburg.

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer begrüßt die Inbetriebnahme der Induktionsschleife im Historischen Reichssaal: „Mit dieser Anlage schaffen wir mehr Teilhabe sowohl für viele ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger als auch für alle sonstigen von Höreinschränkungen Betroffenen.“ Mit dem Aufzug im Fechthof, der Hebeplattform vor dem Historischen Reichssaal, der behindertenfreundlichen Toilettenanlage und der Induktionsschleife sowie den barrierefrei erreichbaren Kurfürstenzimmern werde unter Einhaltung der Denkmalpflegebestimmungen die Barrierefreiheit im Alten Rathaus enorm verbessert. Damit setze die Stadt ein ermutigendes und positives Zeichen für mehr Inklusion, so das Stadtoberhaupt.

Hintergrund

In Regensburg leben mehr als 24.000 Menschen mit Behinderung. Circa 1.700 davon sind auf die dauerhafte Benutzung eines Rollstuhls angewiesen. Etwa 450 Millionen Menschen sind weltweit schwerhörig. In Deutschland ist etwa jeder siebte Erwachsene davon betroffen, in der Altersgruppe ab dem 65. Lebensjahr sogar ungefähr jeder zweite.

Mit Induktionsschleifen werden Audiosignale auf eine integrierte Telefonspule im Hörgerät übertragen. Somit können über diese Signale Informationen wie Musik oder Redebeiträge für schwerhörige Menschen, Benutzer von Hörgeräten sowie Cochlea-Implantaten leichter zugänglich gemacht werden.


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