14.12.2020, 10:25 Uhr

Seebrücke Regensburg Demonstration ohne Menschen – „Wir haben Platz“-Kundgebung mal anders

 Foto: Lena Peßler Foto: Lena Peßler

Die Seebrücke Regensburg rief am Sonntag, 13. Dezember, zum neunten Mal zur Kundgebung „Wir haben Platz: Geflüchtete aufnehmen! Jetzt!“ auf. Doch wegen der kritischen Infektionszahlen und vor dem Hintergrund der verschärften Maßnahmen war dieses Mal sichtbar anders.

Regensburg. „Mit rund 700 Paar Schuhen, die diesen Sonntag die Demonstrantinnen und Demonstranten ersetzten, weisen wir auf diejenigen hin, die wegen der rassistischen und menschenfeindlichen Grenzpolitik noch immer an den EU-Außengrenzen eingesperrt werden. Gleichzeitig zeigen wir gesellschaftliche Verantwortung und nehmen Rücksicht auf alle besonders von Corona Gefährdeten“, erklärt Johannes von der Seebrücke. Per Livestream konnten die Interessierten der Kundgebung, sicher vor Kälte und Corona, von Zuhause folgen.

„Die Aktion war uns sehr wichtig“, ergänzt Emma von der Seebrücke. „Auf die prekäre Lage an den europäischen Grenzen muss trotz der Wichtigkeit der Einhaltung von Corona-Maßnahmen aufmerksam gemacht werden. Denn gerade jetzt, wo die meisten von uns sich in die Sicherheit einer warmen Wohnung zurückziehen können, dürfen wir nicht vergessen, wie katastrophal die Situation in den Massenlagern aussieht.“ Frische Masken, Zugang zu Medikamenten, das Abhalten sicherer Isolation, genügend sanitäre Einrichtungen, trockene und saubere Wäsche, regelmäßige Versorgung mit Lebensmitteln, sauberes Trinkwasser, das Mindeste also, was Menschen während einer Pandemie benötigen, kann in keinem Geflüchtetenlager gewährleistet werden.

„Wie privilegiert wir sind, merke ich jetzt ganz besonders. Viele beschweren sich über die strengeren Maßnahmen, doch ich bin einfach nur froh. Froh, das Glück zu haben in Deutschland geboren zu sein und hier zu leben. Genau deswegen müssen wir immer wieder fordern: Löst die Elendslager auf. Es ist menschenunwürdig, rassistisch und verfassungswidrig, Unterschiede zwischen Menschen aufgrund ihrer Herkunft abzuhalten. Das muss endlich aufhören!“, so Annika von der Seebrücke.

Produktives Eingreifen in diese Situation, das wünschen sich viele. Anstatt jedoch zu helfen, droht vielen in Deutschland lebenden Geflüchteten nun die Abschiebung in ihre bestätigt unsicheren Herkunftsländer und der Abschiebestopp nach Syrien soll im kommenden Jahr nicht verlängert werden. Dazu kommt, dass auf den Routen über das Mittelmeer immer wieder illegale Pushbacks passieren, dass Geflüchtete zurück aufs offene Meer geschleppt werden und zivile Seenotrettung aktiv verhindert und blockiert wird. „Statt Menschenlichkeit und Solidarität zu zeigen, brechen europäische Nationalstaaten lieber Gesetze und missachten Menschenrechte. Sie gefährden Menschenleben!“, so Chris von der Seebrücke. „Das können wir nicht hinnehmen und werden auch weiterhin auf die Straße gehen! Hoffentlich bald wieder gemeinsam mit vielen anderen.“


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