08.12.2020, 13:28 Uhr

„Tatort Niedriglohn“ DGB Report – Niedriglohnrisiko im Landkreis Regensburg bei über 17 Prozent

 Foto: Katja Ertl Foto: Katja Ertl

Der DGB-Kreisverband Regensburg prangert den umfangreichen Niedriglohnsektor in der Stadt und im Landkreis Regensburg an. Das bedeutet, dass Beschäftigte zu einem Lohn unterhalb der bundesweiten Niedriglohnschwelle von 11,21 Euro arbeiten.

Regensburg. „Mit 12,1 Prozent in Stadt und 17,4 Prozent im Landkreis Regensburg ist das Niedriglohnrisiko hier zwar nicht ganz so hoch wie in anderen Teilen des Freistaats, aber unser Ziel muss sein, das Niedriglohnrisiko so weit wie möglich zu senken“, so Christian Dietl. Die Daten stammen aus dem neuen Report „Tatort Niedriglohn in Bayern“, den der DGB Bayern in Zusammenarbeit mit der Forschungsabteilung Flexibilität und Sicherheit am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) erstellt hat. „Niedriglöhne sind kein Randphänomen mehr. Sie sind auch im reichen Bayern Alltag für rund eine Million Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Als Gewerkschaften wollen wir uns mit diesem Zustand nicht arrangieren. Wir wollen es nicht hinnehmen, dass große Teile unserer Kolleginnen und Kollegen vom wachsenden Wohlstand abgekoppelt sind und mit Armutslöhnen abgespeist werden“, so Dietl weiter.

Gemäß einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit sind alleine in der Stadt Regensburg knapp 10.000 Vollzeitarbeitsplätze dem Niedriglohnsektor zuzurechnen. Besonders hoch ist das Niedriglohnrisiko für Beschäftigte im Wirtschaftszweig Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit (28,2 Prozent). Aber auch in den Wirtschaftszweigen Kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus (24,4, Prozent) sowie Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung (10,5 Prozent) erhalten viele Beschäftigte einen Lohn unterhalb der bundesweiten Niedriglohnschwelle von 11,21 Euro pro Stunde. „10.000 Niedriglöhner in Vollzeit sind aber leider nur die Spitze des Eisbergs. Hinzu kommen noch Teilzeitkräfte und Beschäftigte in Minijobs. Alleine bei den Minijobs in Bayern sind sieben von zehn dem Niedriglohn zuzurechnen“, so Dietl.

Für den DGB Regensburg ist klar: Es ist dringend geboten, den im europäischen Vergleich hohen Niedriglohnsektor endlich auszutrocknen. Auch die kommunale Ebene muss ihrer Verantwortung gerecht werden. Öffentliche Aufträge müssen daher an die Tarifbindung und damit an ordentliche Löhne gekoppelt werden. Christian Dietl sagt hierzu: „Wir sehen ganz klar den Zusammenhang zwischen Tarifbindung und guten Löhnen. Während das Niedriglohnrisiko der Beschäftigten ohne Tarifbindung 2018 in Bayern bei 21,1 Prozent lag, galt dies für nur 8,1 Prozent der Beschäftigten mit Tarifbindung. Es muss im Interesse der öffentlichen Hand liegen, dass die Menschen von ihrer Arbeit leben können und im Alter gut versorgt sind. Auch in Stadt und Landkreis Regensburg brauchen wir daher als Anfang eine Auftragsvergabe ohne Lohndumping.“ Darüber hinaus müssen atypische Erwerbsformen wieder in Normalarbeit transformiert und die Tarifflucht der Arbeitgeber gestoppt werden.

„Der Report ‚Tatort Niedriglohn in Bayern‘ verdeutlicht: Hier ist ein Tatort entstanden, der den betroffenen Menschen Perspektiven auf ein gutes Leben raubt. Ein Tatort, der durch niedrige Löhne, die kaum zum Leben und erst recht nicht für das Alter reichen, die Luft zum Atmen nimmt. Hier ist ein Tatort, der zur Spaltung unserer Gesellschaft beiträgt. Dies gilt es umzukehren. Wir brauchen wieder ein Mehr an Guter Arbeit“, so Dietl abschließend.


0 Kommentare