23.11.2020, 11:40 Uhr

IHK-Umfrage „Ganze Branchen stehen auf der Kippe“

 Foto: Ursula Hildebrand Foto: Ursula Hildebrand

Die noch immer nicht sinkenden Infektionszahlen und mögliche Verschärfungen der Corona-Maßnahmen versetzen die regionale Wirtschaft vor den Bund-Länder-Beratungen diesen Mittwoch, 25. November, in Alarmstimmung. Viele Unternehmen sind mit spürbar negativen Folgen konfrontiert, ergibt eine aktuelle Umfrage der bayerischen Industrie- und Handelskammern unter rund 1.000 Unternehmen im Freistaat.

Regensburg. „Bereits mit den Anfang November getroffenen Corona-Maßnahmen verzeichnen branchenunabhängig 55 Prozent aller befragten Unternehmen eine sinkende oder komplett ausfallende Nachfrage“, zeigt sich Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz /Kelheim, besorgt. „Bei einer Verlängerung des Teil-Lockdown rechnen rund 60 Prozent aller befragten Unternehmen mit teils empfindlichen Umsatzeinbußen bis Jahresende.“

Besonders pessimistisch zeigen sich die Branchen mit Betriebsuntersagungen wie zum Beispiel Gastronomie und Hotellerie oder die Veranstaltungswirtschaft. „Aber auch viele andere Dienstleister und weite Teile des stationären Einzelhandels, der auf ein gutes Weihnachtsgeschäft angewiesen ist, leiden unter der momentanen Situation“, sagt Helmes. Aufgrund der globalen Dimension der Pandemie meldeten selbst viele Industrieunternehmen einen Nachfragerückgang für das laufende Jahr. Gerade in der industriestarken und international verflochtenen Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim spürten das die Firmen.

Ganze Branchen stehen auf der Kippe

In der IHK-Umfrage geben rund 40 Prozent der befragten Betriebe in der Reisewirtschaft, Gastronomie und Hotellerie, Kultur- und Kreativwirtschaft sowie im Eventbereich an, existenziell bedroht zu sein, sollte der aktuelle Teil-Lockdown weiter verlängert werden. „In den stark vom Teil-Lockdown betroffenen Branchen geht es jetzt vielfach ums Überleben, denn die betroffenen Unternehmen hatten bereits in den vergangenen Monaten ihre liquiden Mittel und Eigenkapital einbringen müssen“, erklärt Helmes.

Corona-Hilfen fortführen

Werde der Teil-Lockdown auch noch verschärft, könnte es dann für viele noch enger werden. Die bayerischen IHKs fordern daher die Fortsetzung der Zuschussprogramme für die Wirtschaft, die einhergehend mit Corona-Einschränkungen ausgeweitet werden müssen, sowie die Möglichkeit des steuerlichen Verlustrücktrags auf drei Jahre, damit Corona-Defizite mit Unternehmensgewinnen der Vorjahre verrechnet werden können. Außerdem mahnen sie, dass bereits jetzt bei der Hälfte der Unternehmen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Einschränkungen bei Schulen und Kitas ausfallen, da die ihre Kinder betreuen müssen. „Durch flächendeckende Schul- und Kita-Schließungen könnten die Ausfallzeiten von Beschäftigten spürbar zunehmen, mit massiven Problemen für ganze Branchen“ befürchtet IHK-Chef Helmes.


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