26.10.2020, 08:50 Uhr

Demo am Freitag Sechste „Wir haben Platz“-Kundgebung – „Seebrücke“ fordert erneut die Aufnahme der Geflüchteten aus Moria

 Foto: Adrian Kohl Foto: Adrian Kohl

Am Freitag, 23. Oktober, rief die „Seebrücke Regensburg“ bereits zum sechsten Mal zur Kundgebung „Wir haben Platz: Geflüchtete aufnehmen! Jetzt!“ auf. Erneut folgten mehr als 100 Menschen dem Aufruf und versammelten sich auf dem Domplatz.

Regensburg. Für circa 8.000 Geflüchtete auf Lesbos, die nach wie vor unter menschenunwürdigen Umständen in dem neuen Lager Kara Tepe festgehalten werden, verschärft sich die Lage mit jedem Tag. Niedrigere Temperaturen, Herbststürme und heftige Regenschauer, denen die Zelten ohne Böden kaum etwas entgegensetzen können. Die Stromversorgung ist unzuverlässig, fließendes Wasser noch immer nicht vorhanden und die Nahrungsmittelversorgung unzureichend. Die Situation in den anderen Lagern, auf den griechischen Inseln, ist nicht besser. Die humanitäre Katastrophe spitzt sich weiter zu.

„Genau wie in Deutschland, wird das Wetter auch auf Lesbos ungemütlicher. Während wir uns auf eine gemütlich warme Wohnung freuen, frieren Schutzsuchende auf den griechischen Inseln in nassen Zelten, ohne die Möglichkeit sich aufzuwärmen. Hungrig sind sie auch noch, weil nicht ansatzweise genügend Essen verteilt wird. Eine warme Dusche? Fehlanzeige. Es gibt nicht mal fließend Wasser“, zeigt sich Adrian Kohl von der „Seebrücke Regensburg“ entsetzt. „Dass die EU schutzsuchende Menschen so behandelt macht uns fassungslos vor Wut und Empörung. Es ist eine Schande.“

Tausende Menschen wurden nun von den griechischen Inseln auf das Festland gebracht. Das hört sich zunächst nach einer lang ersehnten Verbesserung an – tatsächlich werden diese Menschen, mit anerkanntem Flüchtlingsstatus, jedoch oft in Athen ihrem Schicksal überlassen. Ohne Unterkunft, finanzielle Unterstützung, ärztliche Versorgung, Wasser oder Nahrung. Viele von ihnen schlafen auf dem Boden des Viktoriaplatzes im Zentrum der griechischen Hauptstadt.

„Es ist unvorstellbar, dass Geflüchtete nachdem sie den schrecklichen Umständen in den Lagern endlich entkommen, auf dem griechischen Festland erneut einfach im Stich gelassen werden. Wie sollen sie für sich und ihre Familien sorgen, wenn sie keine Wohnung finden, kein Griechisch sprechen und keine Arbeit bekommen können? Auch hier brauchen sie Unterstützung“, kommentiert Tamira Unger von der Seebrücke Regensburg. „Was diese Menschen durchgemacht haben, bis sie überhaupt europäischen Boden erreichen konnten, ist schon nicht zu fassen. Dass ihnen dann von den reichsten Ländern dieser Welt nicht geholfen wird, ist erschütternd. Jeder, der hier in Europa, unter diesen Umständen sterben muss, wird ermordet.“ Gleichzeitig gebe es Berichte, dass die griechische Küstenwache, unterstützt von der europäischen Grenzbehörde Frontes, Boote mit Menschen in Seenot, zurück in türkische Gewässer drängt oder diese auf manövrierunfähigen Rettungsinseln auf dem Mittelmeer aussetzt. „Setzt man die einzelnen Teile zusammen, ergibt sich ein schreckliches Bild einer menschenverachtenden Abschottungs- und Abschreckungspolitik. Allem Anschein nach, werden schutzsuchende Menschen absichtlich schlecht behandelt, damit sich andere nicht auf den Weg machen. Das Menschen ihr Leben, und das ihrer Kinder und Familien, nicht aus Spaß riskieren, nur weil es hier so schön ist, ignorieren die Verantwortlichen konsequent“, so Sophia Rückerl von der Seebrücke. „Das lassen wir nicht auf uns sitzen. Deshalb werden wir von der Seebrücke weiter auf die Straße gehen und immer und immer wieder lautstark fordern: Evakuiert die Menschen! Wir haben Platz!“


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