22.10.2020, 14:57 Uhr

Arm im reichen Land? Armutswochen der Caritas – Expertentelefon berät bei finanzieller Notlage

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Der Deutsche Caritasverband ruft erstmals Armutswochen aus, um auf die steigende Zahl Betroffener aufmerksam zu machen. Auch der Caritasverband der Diözese Regensburg beteiligt sich an dieser Aktion.

Regensburg. 6,92 Millionen Menschen waren 2019 in der Bundesrepublik überschuldet. Häufig betroffen sind Arbeitslose, Rentner oder Kurzarbeiter. Die Pandemie lässt schon jetzt befürchten, dass diese Zahl noch ansteigt. „Der Deutsche Caritasverband hat deshalb in diesem Jahr zum ersten Mal Armutswochen ausgerufen“, sagt Brigitte Weißmann. Sie leitet das Referat Soziale Beratung beim Caritasverband der Diözese Regensburg.

Die Armutswochen finden vom 17. Oktober bis zum 15. November statt und rücken das gesellschaftliche Problem der Armut in den Mittelpunkt. Der Zeitraum ist nicht willkürlich gewählt: Den Auftakt bildet der Welttag zur Bekämpfung der Armut; der Päpstliche Welttag der Armen setzt den Schlusspunkt. Weißmann und ihr Team nutzen diese Wochen, um auf die Armut in der Region aufmerksam zu machen. „Armut ist oft nicht sichtbar: „Schicksalsschläge, Krisen und andere unvorhersehbare Ereignisse können Menschen aus der finanziellen Bahn werfen.“

Die Soziale Beratung, dazu zählen beispielsweise die Schuldner- und Insolvenzberatung, die Allgemeine Sozialberatung und die Familienhilfe, plant während der Armutswochen verschiedene Aktionen und Angebote. Eines der Angebote ist ein Expertentelefon: Vom 26. bis zum 30. Oktober (Montag und Mittwoch von 11 bis 13 Uhr und Dienstag und Donnerstag von 14 bis 16 Uhr) erreichen Hilfesuchende dieses niedrigschwellige und anonyme Angebot unter der Telefonnummer 0171/ 1061613. „Überschuldung ist häufig mit Scham behaftet, das anonyme Expertentelefon dient als Einstieg in die Beratung“, erklärt Monika Kortus von der Schuldner- und Insolvenzberatung der Caritas.

Weißmann und ihr Team nehmen die Armutswochen auch zum Anlass, um Caritas-Familienpatenschaften ins Leben zu rufen. Das Projekt ist zunächst auf ein Jahr angesetzt. Dabei werden Regensburger Persönlichkeiten jeden Monat eine Patenschaft für Familien in Not übernehmen. „Den Auftakt macht, soviel kann ich schon verraten, unser Bischof Dr. Rudolf Vorderholzer“, so Weißmann. In der Weihnachtszeit sollen die Patenschaften dann intensiviert werden, um möglichst vielen von Armut betroffenen Familien eine Freude zu bereiten.

In Armut geratene Menschen und Familien möchte der Deutsche Caritasverband besser schützen und stellt klare Forderungen an die Politik: Die Hürden für Energiesperren seien nach Ansicht des Verbandes immer noch zu gering. „Die Energieversorgung eines Haushalts ist Voraussetzung für ein menschenwürdiges Leben“, heißt es im Positionspapier der Caritas. Die seit Jahren steigenden Kosten und die Pandemie führten vermehrt Familien in den Zahlungsverzug. 289.000 deutschen Haushalten stellten Energieversorger im vergangenen Jahr deshalb den Strom ab. Angesichts weiter steigender Mietkosten ermahnt der Caritasverband die Politik, insbesondere auch Sozialleistungsbezieher künftig besser in Schutz zu nehmen. Hohe Mieten dürften nicht zulasten der Leistungsbezieher als unangemessen abgelehnt werden. Auch der soziale Wohnungsbau müsse weiter ausgebaut und gefördert werden.


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