18.10.2020, 16:35 Uhr

Flüchtlingslager unter Wasser „Wir haben Platz“-Kundgebung – Seebrücke fordert die Aufnahme der Geflüchteten aus Moria

 Foto: Adrian Kohl Foto: Adrian Kohl

Am Freitag, 16 Oktober, rief die „Seebrücke Regensburg“ bereits zum fünften Mal zur Kundgebung „Wir haben Platz: Geflüchtete aufnehmen! Jetzt!“ auf. Trotz des schlechten Wetters sind über 100 Menschen dem Aufruf gefolgt.

Regensburg. Das nach dem Brand von Moria provisorisch errichtete Lager Kara Tepe steht bereits nach den ersten Regenfällen unter Wasser. Mittlerweile ziehen heftige Herbststürme über die Insel. Da die Zelte keinen Boden haben, bieten sie keinerlei Schutz vor den Wassermassen. Die wenigen Habseligkeiten, die das Feuer überlebten, schwimmen nun im knöchelhohen Wasser. Es gibt keinen trockenen Ort, um zu schlafen oder sich aufzuwärmen. Das verschärfe die grundlegend katastrophale Lage der Schutzsuchenden enorm. Ein menschenwürdiges Leben sei unter diesen Bedingungen unmöglich.

„Die Bilder aus dem Lager Kara Tepe machen uns fassunglos, wütend und traurig. Dass die EU schutzsuchende Menschen im Schlamm versinken lässt, ist erbärmlich“, kommentiert Emma Schneller von der „Seebrücke Regensburg“. „Es war klar, dass Kara Tepe kein sicherer Ort ist. Es wurde immer wieder genau vor dem gewarnt, was jetzt eingetreten ist. Die Menschen dort müssen evakuiert werden! Und das schon seit langem!“

Schon vor der Errichtung des Lagers sei abzusehen gewesen, dass dies kein Ort ist, an dem Menschen in Sicherheit und Würde leben können. Es mangelt an Lebensmitteln, Trinkwasser und sanitären Anlagen. Coronaschutzmaßnahmen einzuhalten ist dort unmöglich. Dass die winterlichen Regenfälle die Zelte unbewohnbar machen, sei ebenfalls vorherzusehen gewesen. Trotz der Warnungen unzähliger Organisationen sei nichts unternommen worden, um dem Leid der Menschen entgegenzuwirken.

„Viele von uns waren schon einmal bei Regen in einem Zelt. Sobald es kalt wird, ist das richtig unangenehm. Nur fahren wir nach ein, zwei Nächten nach Hause. Nicht auszudenken, wie es ist, mit Babys, Kleinkindern, Schwangeren und Kranken in einem solchen Zelt leben zu müssen! Die Menschen in Kara Tepe haben kein Zuhause in welches zu zurückfahren können. Sie haben keine Aussicht auf Besserung. Das dürfen wir so nicht hinnehmen. Es gibt aktive Aufnahmebereitschaft. Dass diese verwehrt wird, ist abscheulich“, kritisiert Johannes Rückerl von der Seebrücke.

Die große Koalition hat sich vor einigen Wochen darauf geeinigt, circa 1.500 Geflüchtete aus Griechenland aufzunehmen. Dabei handelt es sich ausschließlich um Geflüchtete, deren Asylverfahren bereits erfolgreich abgeschlossen ist. Allein auf Lesbos werden weitere 10.000 Menschen ihrem Schicksal überlassen, während Politikerinnen und Politiker nach einer europäischen Lösung suchen wollen. Diese werde nun schon seit mehr als fünf Jahren erfolglos gesucht und ist nicht in Sicht. Gleichzeitig sei Städten, Kommunen und nun auch Bundesländern, die als sicherer Hafen bereit wären weitere Geflüchtete aufzunehmen, vom Bundesinnenministerium erneut eine Absage erteilt worden. Caro Renner von der Seebrücke führt aus: „Die EU hat schon lange darin versagt, ihrer eigenen völkerrechtlichen und humanitären Verantwortung nachzukommen. Fluchtursachen müssen bekämpft und auch die eigene Verantwortung an diesen muss anerkannt werden. Auch das europäische Asylsystem muss grundlegend verändert werden. Doch für die Menschen auf den griechischen Inseln kommt all das zu spät - sie brauchen jetzt sofort Unterstützung. Und zwar alle von ihnen. Auch hier versagt die EU: Sie behandelt die Schutzsuchenden wie Strafgefangene, versagt ihnen ausreichend Nahrung, Schutz und Bildung und überlässt sie ihrer Verzweiflung. Jeder Tag, den die Schutzsuchenden dort verbringen, trägt weiter zu ihrer Traumatisierung bei. Dieses Trauma geschieht in der Verantwortung der EU - in der Verantwortung von uns allen.“


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