19.08.2020, 10:02 Uhr

Kommunalpolitik 100 Tage im Amt – Zeitlarns neue Bürgermeisterin zieht eine erste Bilanz

Andrea Dobsch. Foto: Gemeinde ZeitlarnAndrea Dobsch. Foto: Gemeinde Zeitlarn

Am 7. Mai wurde Andrea Dobsch als Bürgermeisterin für Zeitlarn vereidigt. Zeit für die übliche „Hundert-Tage-Bilanz“ ...

Zeitlarn. Andrea Dobsch war nach dem Studium an der Hochschule für Öffentliches Recht und Verwaltungsrecht zwölf Jahre lang am Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst als Ministerialbeamtin tätig. Seit vier Generationen ist ihre Familie in Regendorf zu Hause. Schon in jungen Jahren hat sie sich sozial engagiert und ist ebenso an der Entwicklung der Gemeinde interessiert. Die Kandidatur zur Bürgermeisterin war für die dreifache Mutter nur eine Frage der Zeit. Gegen zwei Mitbewerber erreichte sie in der Wahl am 15. März dieses Jahres die Stichwahl und gewann am 29. März knapp gegen den Amtsinhaber. Sie musste sich mit Unterstützung der Verwaltung selbst in die laufenden Geschäfte einarbeiten. Es folgte eine „stürmische Zeit“.

Amtsantritt im Zeichen der Pandemie

Vom ersten Tag an war Andrea Dobsch mit den Folgen der Corona-Pandemie gefordert. Die Einschränkungen verlangen noch heute Vereinen, Ehrenamtlichen, kommunalen Einrichtungen und freiwilligen Helfern viel ab. „Die Viertklässler zum Beispiel konnten nicht einmal die übliche Abschlussfeier erleben“, bedauerte sie. Auch hier war Kreativität gefragt und die Eltern bemühten sich um eine Alternativveranstaltung. Alle Schülerinnen und Schüler der Grundschule hatten es schwer, sich auf den „Schichtunterricht“ einzustellen. Spontan lud die Rathauschefin sie daher zum Schulabschluss auf ein Eis ein. Viele Kinder bedauern immer wieder, dass ihnen die Kontakte zu den Freunden und Freundinnen fehlen. Da organisierte die dreifache Mutter eine Pflanzaktion am Rathaus für „angehende Gärtnerinnen und Gärtner“, unter fachkundiger Anleitung des OGV. Schließlich lud sie kleine Kunstbeflissene zum Malen ein, mit dem Thema „Gemeindewappen Zeitlarn“.

Spontane Unterstützung gab es auch für Sportgruppen: Mit der coronabedingten Umorganisation des Kindergartens gab es keinen Raum für die Turngruppe, die von der Bürgermeisterin daraufhin spontan ins Rathaus eingeladen wurde. Die Gruppe turnt jetzt im Besprechungsraum des Rathauses und die Besprechungstermine werden angepasst oder auf andere Räume verlegt. „Besondere Zeiten erfordern kreative Lösungen – und das Rathaus gehört schließlich den Bürgern“, sagt die Bürgermeisterin und freut sich über den Besuch im Rathaus.

Zum Gemeinschaftsleben zählt für sie, dass die Menschen ihre Freizeit am Ort verbringen können. Seit dem 14. August können zum Beispiel die Zeitlarner den revitalisierten „Zeitlarner Lido“ beim Festplatz zum Baden genießen.

Dem Virus zum Trotz vollzog Andrea Dobsch ohne die übliche langwierige Fortbildung, die ebenfalls wegen Corona nicht möglich war, nach Amtsantritt ihre erste Trauung im Rathaus. Eine besondere Freude bereitet sie seit Juni den angehenden Paaren, die sich ein Trauzimmer im Freien wünschen und bietet alternativ eine wildromantische Trauung am Regenufer.

Wohnungsangebot für Jung und Alt

Vordringliches Anliegen der Bürgermeisterin ist, endlich neuen Wohnraum für Familien und für Senioren einschließlich Betreuungsangeboten anzubieten. Kurz entschlossen führte sie mit den Grundeigentümern erfolgreiche Verhandlungen. Sie bringt Flächen ins Eigentum der Gemeinde, veranlasste zeitgleich die Baulandumlegung und Erschließungsmaßnahmen, um zeitnah baureife Grundstücke anbieten zu können. Umgehend machte sie sich auch auf die Suche nach soliden Partnern und führt Gespräche mit den verschiedensten Institutionen und seriösen Trägern, um das Ziel des sozialen Wohnungsangebot zu erreichen. Zufrieden zeigt sie sich mit dem jüngsten Gemeinderatsbeschluss, gleichzeitig mit dem Straßenbau Gasleitungen verlegen zu lassen.

Umwelt und Natur

Einer der ersten Ortstermine führte sie zum „Lauber Sammler“, ein seit 30 Jahren Zeit schwelendes Problem. Die neue Rathauschefin ließ es sich nicht nehmen, einen prüfenden Blick in das Kanalsystem des „Zweckverband zur Abwasserbeseitigung im Regental“ zu werfen. Nun drängt sie mit Nachdruck darauf, dass die Sanierung baldmöglich abgeschlossen wird. Im Interesse des Wasserschutzes und zum Schutz der Bevölkerung. Im Hauptort sind zwei Bauabschnitte zum Schutz vor Hochwasser abgeschlossen, ein weiterer befindet sich im Planfeststellungsverfahren. Im Ort Laub warten die Einwohnerinnen und Einwohner wegen der staatlich eingestuften niedrigen Gefahrenklasse 5 vergeblich auf eine zeitnahe Umsetzung. Damit stand auch schon der nächste Termin an. Das Wasserwirtschaftsamt Regensburg regte dazu eine Ortsbesichtigung an, traf sich mit der Bürgermeisterin, dem Vorsitzenden des Hochwasserschutzvereins, Dr. Harro Lührmann, und Viktoria Konrad von der OTH Regensburg. Die Studentin begutachtet im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit die betroffenen Anwesen. Die Gemeinde unterstützt sie personell bei Höhenvermessungen, sicherte die Rathauschefin zu. Das Ergebnis ihrer Arbeit soll den Anwohnern Hinweise geben, wie sie sich privat gegen das Hochwasser zu schützen können. „Die Gemeinde wird solidarisch sein und Laub nicht einfach außenvorlassen“, versichert die Bürgermeisterin.

Auf Anregung der Bürgermeisterin hat der Gemeinderat kürzlich beschlossen, zusammen mit dem Landratsamt die Kosten für eine Energieberatung der Bürgerinnen und Bürgern zu übernehmen. Man wolle damit eine neutrale Beratung ermöglichen und die Leute über alternative Energien bei Hausbau oder Sanierung informieren.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die rückläufigen Gewerbesteuern lassen ihr keine Ruhe. Sie sind wichtig für Investitionen im Einklang mit soliden Finanzen. Intensiv verhandelte Andrea Dobsch mit den Grundeigentümern im Gewerbegebiet „Mühlhof/Neuhof“ und kaufte umgehend die Zufahrtsstraße für die Gemeinde. Als nächstes geht es darum, aus dem Kreis der Bewerber zuverlässige und ortsgebundene Betriebe zu ermitteln. Die Vorbereitungen dazu laufen auf vollen Touren.

Ein sensibles Thema ist der überbordende Verkehr vor allem im Hauptort. Immerhin konnte sie kurzfristig den einen oder anderen Brennpunkt entschärfen. „Wir haben zusammen mit der PI Regenstauf je an Ort und Stelle die Situation begutachtet“ erklärt die Bürgermeisterin. Die Parksituationen in der Pentlhofstraße haben sich etwas beruhigt und für bessere Sicherheit am Spielplatz an der Straße in Ödental ist gesorgt“. Mittelfristige Projekte stehen im Bereich Verkehr an. Sie bedürfen sorgfältiger Planung und Abwägung. Bei diesem Thema stehen für Zeitlarn noch einige Herausforderungen an.

Die gemeinsame Arbeit und die Kontakte in den vergangenen 100 Tagen mit den Zeitlarner Bürgerinnen und Bürgern, mit Behörden und Institutionen macht sie zuversichtlich, dass auch die künftigen Aufgaben erfolgreich angegangen werden können.


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