22.06.2020, 17:31 Uhr

Kommunalpolitik Ein neues Amt in schweren Zeiten – Zeitlarns neue Bürgermeisterin Andrea Dobsch blickt nach vorne

Andrea Dobsch von den Freien Wähler steuert seit dem 1. Mai die Geschicke Zeitlarns.  Foto: Ursula HildebrandAndrea Dobsch von den Freien Wähler steuert seit dem 1. Mai die Geschicke Zeitlarns. Foto: Ursula Hildebrand

Die Kommunalwahlen im März dieses Jahres sind schon wieder in Vergessenheit geraten, die Corona-Pandemie hat die komplette Aufmerksamkeit auf sich gezogen. In solchen Zeiten ein neues Amt zu übernehmen, ist keine leichte Aufgabe. In Zeitlarn muss sich Andrea Dobsch von den Freien Wählern dieser Aufgabe stellen.

Zeitlarn. Andrea Dobsch wurde 1983 in Regensburg geboren, sie ist verheiratet und hat drei Kinder. Beruflich war sie zunächst Kommunalbeamtin bei der Stadt München, 2008 wechselte sie ans Wissenschaftsministerium – eigentlich wäre da der Alltag schon genug ausgefüllt. Politische Arbeit war lange kein Thema, das Interesse war da, eine Kandidatur kam aber nicht in Frage. Bei einzelnen Themen – wie zum Beispiel dem Regendorfer Kreisel – engagierte sich Dobsch. „Ich war in meinem Beruf immer zufrieden – Politik beruflich zu machen, war nie mein Ziel“, so Dobsch. Als sie aber feststellte, dass es immer wieder Entscheidungen gab, die man nicht verstehen konnte, mischte sich Dobsch ein. Schnell musste sie erkennen, dass wirkliche Mitsprache nur möglich ist, wenn man aktiv im Gemeinderat mitarbeiten kann. Im Dezember 2018 gründete sie die Freien Wähler mit – schnell sei dann klar gewesen, dass man auch mit einer Bürgermeisterkandidatin oder einem Bürgermisterkandidaten antreten will – aus den Reihen der Mitgliedern kam dann die Frage, ob sie nicht selbst kandidieren wolle. Gesagt, getan – und am 29. März holte Dobsch 52,29 Prozent gegen Franz Kröninger, Amtsinhaber von der SPD.

Dass sie jetzt Politikerin ist, daran muss sie sich erst gewöhnen – oft ist der Begriff ja eher negativ behaftet. Dobsch will dabei weniger „politisch motiviert sein“, sie will sich für die Bürgerinnen und Bürger einsetzen. In Corona-Zeiten ist das etwas schwer, Vor-Ort-Termine waren zunächst gar nicht möglich. So blieb viel Zeit für die anstehenden Aufgaben. Einiges, was auch corona-bedingt liegengeblieben war, musste schnell entschieden werden. Für das ein oder andere wurden pragmatische Lösungen gefunden – da musste ein Gespräch eben mal draußen an der frischen Luft stattfinden.

An Projekten mangelt es auch in Zeitlarn nicht: Das geplante Gewerbegebiet muss umgesetzt werden, Bauland muss geschaffen werden, auch das seniorengerechte Wohnen dürfe nicht vergessen werden, so Dobsch. Aus der Bevölkerung gebe es zudem den Wunsch nach einem neuen Supermarkt – am besten mit Postfiliale. Spielplätze und Bolzplatz stehen ebenfalls auf der Agenda. Die Feuerwehr Regendorf wartet seit Jahren auf einen Neubau. Hier werden gerade Grundstücksverhandlungen geführt. „Das wird alles Geld kosten, da werden wir schon schauen müssen“, sagt Dobsch. Erste Berechnungen weisen bereits hohe Gewerbesteuerausfälle aus.

Einen ersten Erfolg kann Dobsch bereits verbuchen: Ihr schwebte vor, dass Paare künftig auch im Freien heiraten können – nämlich am Regen. Eine „idyllische Landzunge im Fluss“ wird nun als externer Trauungsort gewidmet – eine Herzensangelegenheit der neuen Bürgermeisterin.

Auch wenn Dobsch aus der Verwaltung kommt, setzt sie in vielen Dingen auf ungewöhnliche Lösungen. Natürlich müsse rechtlich alles passen, doch wenn sich eine innovative Idee umsetzen lasse, dann sei sie dabei. Letztlich müsse man vielen Situationen gerecht werden, „ich will Dinge nicht verhindern, nur weil man gerade keine Lösung parat hat“, sagt Dobsch. Ganz am Anfang ihrer Amtszeit blickt sie schon jetzt voraus: Sie will anpacken in den kommenden Jahren und die versprochenen Dinge angreifen und zügig umsetzen.


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