15.06.2020, 15:19 Uhr

Schluss mit der „Schweigepflicht“ Landtagsabgeordneter zu Besuch beim Chor „Trotzdem“ in Pielenhofen – Hygienekonzept anwendbar

Wollen ein Ende der Schweigepflicht für Bayerns Chöre: Landtagsabgeordneter Tobias Gotthardt unterstützt das Anliegen von Chorleiterin Marianne Gruber (2.v.r.), Sängerin Conny Busch (links) und vieler weiterer Chöre in Bayern.  Foto: Büro GotthardtWollen ein Ende der Schweigepflicht für Bayerns Chöre: Landtagsabgeordneter Tobias Gotthardt unterstützt das Anliegen von Chorleiterin Marianne Gruber (2.v.r.), Sängerin Conny Busch (links) und vieler weiterer Chöre in Bayern. Foto: Büro Gotthardt

Der Name klingt aktuell fast wie eine Ansage: Die „Gruppe Trotzdem“ – ein 1996 gegründeter, 20-köpfiger Chor unter der Leitung von Marianne Gruber – will nach dem Corona-Lockdown endlich wieder proben. „Ihr seid damit nicht alleine“, sagt der Regensburger Landtagsabgeordnete Tobias Gotthardt und verspricht bei einem Ortstermin im Pielenhofener Klosterstadel volle Unterstützung.

Pielenhofen. „Was in anderen Bundesländern problemlos funktioniert, sollte auch in Bayern möglich sein“, sagt der Politiker, der sich vor wenigen Wochen bereits erfolgreich für den Probebetrieb der Blaskapellen eingesetzt hatte. „Das vom Allgemeinen Cäcilien-Verband (ACV) für Deutschland und dem Deutschen Chorverband ,Pueri Cantores‘ vorgelegte Hygienekonzept ist eine anwendbare, wissenschaftlich basierte Blaupause für die Wiederaufnahme des Probenbetriebs“, sagt Gotthardt. Genau das hat er auch Wissenschaftsminister Bernd Sibler geschrieben und „schnelles Handeln“ gefordert.

Dabei gehe es auch um die Zukunft der mit rund 100.000 Mitgliedern starken Chorgemeinschaft in Bayern. „Sie brauchen und verdienen eine Perspektive“, sagt Gotthardt – und hat dabei keine Angst vor eventuellen gesundheitlichen Folgen: „Sinnvoller Infektionsschutz und gesunde Eigenverantwortung sind besser als rigorose Regulierungen, die im Ende kein Mensch mehr versteht“. Daran müsse sich auch der „atmende Prozess“ der Landesregierung orientieren – und nach dem Vorbild der Instrumentalmusik die Proben der Chöre im Land wieder zulassen.

„Dass das funktioniert, zeigen unter anderem die ersten Erfahrungen in Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern sowie im europäischen Ausland. In der Tat, so Gotthardt, „schätzt auch die Deutsche Stimmklinik das Risiko einer Ansteckung bei Chorgesang als erhöht ein: Die ansteckenden Tröpfchen könnten besonders weit fliegen und tiefer in die Lunge eindringen.“ Das aber rechtfertige noch lange keine „anhaltende Schweigepflicht für unsere Chöre“. Gotthardt verweist dabei auf Risikoeinschätzungen der Freiburger Musikhochschule sowie der Bundeswehruniversität in München. Diese waren Anfang Mai zum Schluss gekommen, dass die Luft beim Singen nur im Bereich eines halben Meters vor dem Mund in Bewegung versetzt werde. Eine Virusausbreitung über diese Distanz hinaus sei äußerst unwahrscheinlich. Mit Abstandsregelungen von zwei bis vier Metern und strengen Lüftungsvorgaben erfüllten die Hygienekonzepte der Chorverbände diese Kriterien bestens. Selbst ein Proben mit Masken sei „im Extremfall“ möglich.

Gotthardt appelliert in einem Schreiben an Wissenschaftsminister Sibler und Gesundheitsministerin Huml deshalb, diese Kriterien gelten zu lassen und „sehr, sehr zeitnah eine Rückkehr zum Probenbetrieb der Chöre zu ermöglichen“. Eine Botschaft, die bei Chorleiterin Marianne Gruber, Sängerin Conny Busch und Bürgermeister Rudolf Gruber bestens ankam: „Wir sitzen auf heißen Kohlen, stehen in den Startlöchern – und vermissen unseren gemeinsamen Gesang unglaublich“.


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