26.05.2020, 11:47 Uhr

Greenpeace-Aktion „Pop Up Bikelane“ in der Regensburger Kumpfmühler Straße

 Foto: Benedikt Häring Foto: Benedikt Häring

Zwei ganze Fahrspuren für motorisierten Verkehr in beide Richtungen, dagegen nur jeweils ein guter Meter Wegbreite für Radfahrer und Fußgänger. So sieht aktuell die Situation in der Kumpfmühler Straße in Regensburg aus.

Regensburg. Die Folge: Autos bekommen eine attraktive Rennstrecke, Radfahrer drängeln und überholen sich gefährlich knapp und Fußgänger werden bereits abgedrängt, wenn sie nur zu zweit nebeneinander herlaufen. Ganz nebenbei entstehen verstärkt Emissionen hinsichtlich Luft und Lärm – und das ausgerechnet an der Grenze zur Regensburger Umweltzone. In Zeiten von Corona verschärft sich die Lage sogar: Denn statt mit Bus und Bahn, fahren die Menschen vermehrt mit Auto und Rad.

Geltendes Recht schreibt eine Mindestbreite von 1,50 Meter für benutzungspflichtige Radwege vor, jedoch wird dies auf der Strecke zwischen Margarethen- und Wittelsbacherstraße nirgendwo eingehalten. Diesen von Wolfgang Bogie, Vorsitzender des VCD, als „illegal“ benannten Zustand löste Greenpeace Regensburg zusammen mit den Verkehrsverbänden VCD und ADFC sowie mit Unterstützung der Bund Naturschutz Jugend, Fridays for Future und Attac am Samstag, 23. Mai, mit sogenannten „Pop Up Bikelanes“ zumindest für eine Stunde auf. Unter dem Motto „Verkehr fairteilen“ sperrten Aktivisten im Zuge einer bundesweiten Greenpeace-Aktion in insgesamt mehr als 30 Städten um Punkt 12 Uhr in beide Richtungen die jeweils rechte Fahrspur für den motorisierten Verkehr und öffneten sie stattdessen exklusiv dem Radverkehr. Der „alte“ Radweg wurde den Fußgängern „zurückgegeben“, die somit mehr Platz zum Spazieren hatten.

Über 30 Ordner sicherten in Regensburg die Absperrung, lotsten den Verkehr, markierten die Wege mit Fußabdrücken und Radsymbolen, hielten Banner mit der Aufschrift „You turn the streets“ oder „ein Herz für Radfahrer“ und feuerten die durchfahrenden Radfahrer mit Trommeln, La-Ola-Wellen und Gute-Laune-Musik lautstark an. Trotz Mundschutz und Sicherheitsabstand herrschte Festival-Feeling: Das Wetter hielt, Rad- und Fußgänger freuten sich über den gewonnenen Platz, Autofahrer und Busse fuhren Tempo 30 und sogar vorbeikommende Polizisten und Medienvertreter begrüßten die Forderung nach Radwegverbesserungen.

Dass die Stadt den Fußgängern und Radfahrern an zu engen und gefährlichen Strecken mehr Platz und Sicherheit bieten muss, steht spätestens seit dem erfolgreichen Radentscheid auf der politischen Agenda. Die neue Koalition hat sich bereits konstituiert und ist nun arbeitsfähig. Und seit der Novelle der Straßenverkehrsordnung ist die Einführung von temporären Radwegen auf mehrspurig geführten Straßen kein Problem mehr – Berlin hat es vorgemacht. Das „Wie“ ist also nicht mehr entscheidend – gute Lösungen müssen nicht kompliziert und aufwändig sein. Viel wichtiger ist nun das „Wann“. Greenpeace Regensburg wird die großen Straßen im Stadtgebiet wieder mit „Pop Up Bikelanes“ ausstatten und dafür die rechten Fahrspuren sperren, denn Corinna Huber, Ansprechpartnerin für Mobilität, verkündete am Ende der Versammlung: „Wir kommen wieder!“


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