30.04.2020, 13:26 Uhr

Kommunalpolitik Frisch gewählter Bürgermeister – Matthias Beer hat einiges vor in Beratzhausen

 Foto: Berli Berlinski Foto: Berli Berlinski

Am Freitag, 1. Mai, startet in den Kommunen Bayerns die neue Legislaturperiode. Vielerorts werden neue Bürgermeister in die Rathäuser einziehen – so auch in Beratzhausen: Matthias Beer (CSU) hatte die Wahl am 15. März gegen zwei Mitbewerber mit 64 Prozent für sich entscheiden können.

Beratzhausen. „Der Wahlabend war im Schatten von Corona leider ganz anders, als man ihn sich ,ausmalt‘, wenn man so intensiv auf ein Ziel hinarbeitet“, erzählt Matthias Beer. „Man würde eigentlich gerne die ganze Welt umarmen, stattdessen haben wir es beim distanzierten Ellenbogencheck belassen. Selbst meine Mama war leider nicht da. Es gab zwar noch keine Ausgangsbeschränkung, aber die Empfehlungen wurden schon damals angewendet.“ Dass er die Wahl gewonnen hat, wussten andere eher als er selbst: „Ich wusste noch gar nicht, wie es ausgegangen ist, da kamen schon die ersten Glückwunschnachrichten per WhatsApp. Da war das Internet schneller, als die offizielle Bekanntgabe des Wahlleiters. Dann dachte ich einfach nur noch ,wow‘!“

Danach musste alles schnell gehen, denn nur sechs Wochen hatte Beer Zeit, alles zu organisieren. Sein Geld verdiente er bislang bei der Sparkasse Nürnberg. „Die Sparkasse war auf meinen Weggang vorbereitet, aber trotzdem sind sechs Wochen schon eine sehr kurze Zeit für die Suche eines Nachfolgers und die Übergabe. Ich bin bis zur letzten Minute im Einsatz, um alles Wichtige abzuschließen.“ Und auch politisch hat sich Beer schon vorbereitet. „Wir haben schon viel im Rathaus abgestimmt, weil Entscheidungen, die im Mai anstehen, vorbereitet werden müssen“, sagt Beer. Und er hat Pläne, wie sich Beratzhausen in der Zukunft entwickeln soll: „Langfristig möchte ich Beratzhausen vor allem im Bereich der Einwohnerzahl deutlich weiterentwickeln – und die Schulden sollen zu einem festen Zielstichtag auf Null gefahren werden. Das geht natürlich nicht in einer Wahlperiode, aber nur wer sein Ziel kennt, kann sich auf den Weg machen.“ Für diesen Weg will Beer zusammen mit dem Marktgemeinderat die Vorraussetzungen schaffen. „Außerdem werden wir zeitnah eine Wirtschaftlichkeitsprüfung für ein kommunales Nahwärmenetz initiieren und eine Lösung für die sehr vollen Kindergärten finden müssen.“ Die Themen gehen Beer also nicht aus, es gibt viel zu tun: „Der Markt Beratzhausen ist zudem wieder neu in der Städtebauförderung, hier werden wir die Ideen in eine Zeitreihe bringen.“ Das alles kostet Geld – und da wird im Zuge der Corona-Krise der Spielraum geringer werden. „Die aktuelle Krise stellt leider alles in den Schatten und unter Vorbehalt. Trotz der großen Ziele, müssen wir die Gemeinde erstmal in ruhiges Fahrwasser bringen. Das ist die größte Herausforderung“, sagt Beer. „Wir müssen jetzt einen klaren Kopf bewahren, eine neue Bestandsaufnahme machen und Entscheidungen noch stärker unter dem Fokus der Finanzierbarkeit beleuchten.“ Problematisch sei auch, dass vor allem für die Gesellschaft große Herausforderungen anstehen. „Die Vereinsaktivitäten sind fast auf Null gefahren, unsere Wirtshäuser und Geschäfte trifft es unglaublich hart und durch die soziale Distanzierung verlaufen sich Freundschaften und lieb gewonnene Rituale. Jeder muss sich Schritt für Schritt und mit doppelter Energie aufraffen, damit unsere Gesellschaft nicht auseinander bricht oder in diesem kühlen Zustand stecken bleibt. Für uns alle bedeutet es einmal mehr: Zusammenhalt, Fokussierung aufs Wesentliche und Geduld. Dann werden wir das überstehen“, zeigt sich Beer optimistisch.

Wichtig sei daher auch, das Vertrauen der Menschen in die Politiker und die Politik wieder zu wecken. In den Wahlkampf war er mit dem Slogan „lasst uns neudenken“ gegangen. „Es ist tatsächlich so, dass man als Politiker jeden Tag aufs Neue gefordert ist, um Vertrauen zu werben. ,Neudenken‘ hilft dabei. Ich bin der festen Überzeugung: Wenn man mit den Menschen spricht, Dinge erklärt und vor allem nichts verschleiert, sind die Menschen viel verständnisvoller, als man glaubt. Selbst wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, die nicht gerade für Jubelstürme sorgen. Dazu braucht es gegenseitigen Respekt und aber auch Geduld. Es wird nicht alles von heute auf morgen gehen“, sagt Beer.

Der frisch gewählte Bürgermeister liebt seine Heimat – hier lebt er mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern: „Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als in Beratzhausen zu leben. Eine großartige Geschichte, eine Bilderbuchlandschaft vor allem aber gesellschaftlicher Zusammenhalt. Wenn es drauf ankommt, stehen wir alle dicht beisammen.“ Und das ist in den aktuellen Zeiten ja besonders wichtig!


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