28.04.2020, 12:49 Uhr

Kommunalpolitik in Neutraubling Harald Stadler tauscht den Streifenwagen gegen das Bürgermeisterbüro

 Foto: Andreas Manhart/ManhartMedia Foto: Andreas Manhart/ManhartMedia

Ruhig und besonnen geht Harald Stadler ans Werk, wenn er unterwegs ist im Namen des Guten – Streifenwagen und Dienstwaffe gehören immer dazu. Oder besser: gehörten. Denn Stadler scheidet zum 30. April bei der bayerischen Polizei aus – für ihn steht nun eine ganz andere Zeit bevor: Am 1. Mai übernimmt er das Bürgermeisteramt in Neutraubling!

Neutraubling. Mit „Ruhe und Weitblick“ will Harald Stadler von den Freien Wählern ab dem 1. Mai in Neutraubling das Amt des Bürgermeisters ausüben. Schon in seinem bisherigen Beruf bei der Polizeiinspektion Neutraubling war es wichtig, bei Hektik und Chaos den Überblick zu bewahren. „Das hat mich sicherlich geprägt in meiner persönlichen Entwicklung“, sagt Stadler – und das soll sich nun auch auf das neue Betätigungsfeld übertragen.

Der Abscheid von der Polizei wird Stadler nach 42 Jahren schwer fallen, ein bisschen hatte er sich darauf schon eingestellt, denn am 1. November wäre Stadler in Pension gegangen, dass der Abschied nun ein bisschen früher kommt, das habe er „ja selbst gewählt“. Am 15. März hatte Stadler die Bürgermeisterwahl gegen drei Mitbewerber mit knapp 52 Prozent für sich entscheiden können. Er wolle nun versuchen, die „Vorschusslorbeeren“, die er erhalten habe, zu erfüllen. Stadler weiß, dass es kein einfacher Einstieg ins Amt sein wird – die Corona-Krise trifft auch Neutraubling. Es gebe viele „ehrgeizige Ziele“ für die Stadt. Nun müsse man die Auswirkungen der aktuellen Beschränkungen abwarten und dann genau hinsehen, was finanziell überhaupt möglich ist. „Das wird eine schwere Zeit werden“, sagt Stadler. Der Wohlstand und die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt Neutraubling hänge stark von Handel und Industrie ab. Wenn in den nächsten Wochen wieder alles anlaufe, komme man vielleicht mit einem blauen Auge davon, sollte es länger dauern, müsse man alles auf den Prüfstand stellen, was bisher geplant war. Die Frage sei dann, welche Projekte man schieben könne.

Stadler freut sich dennoch auf sein Amt – seit seiner frühesten Kindheit lebt er in Neutraubling, hier hat er die schönen Seiten des Lebens kennengelernt – „Sport, Freizeit, Freunde, Schule“, das sind die Dinge, die Stadler hier nennt. Heimat, das sei für ihn „Neutraubling und der Landkreis Regensburg“.

Herausforderungen sieht Stadler im Bereich der Mobilität: Das ÖPNV-Angebot sei im Vergleich zu anderen Kommunen im Landkreis gut, trotzdem könne man auch hier noch einiges verbessern. Das gehe aber nicht als Stadt alleine, hier sei eine Zusammenarbeit mit dem RVV, der Stadt Regensburg und dem Landkreis nötig. Auch das Thema Radwege liegt Stadler am Herzen. Im Bereich Bauen und Wohnen will Stadler „mit Maß und Ziel“ vorgehen. Baulandgewinnung sei ein wichtiges Thema, es gebe wenig freie Wohnungen, „für große Familie so gut wie nichts“. Auch die Stadt selbst habe seit Mitte der 1990er-Jahre nichts mehr selbst gebaut. Hier müsse man Förderprogramme nutzen, wenn die Finanzlage es zulasse. „Eigene Grundstücke sind da, das wäre relativ schnell möglich!“ Als Kommune müsse man sich auch den Fragen des Klimawandels stellen. Der Energieleitplan müsse endlich in Angriff genommen werden. Stadler, der Vater von drei Kindern ist, möchte der nächsten Generation „einen lebenswerten Planeten“ hinterlassen. Stadler freut sich über das rege Vereinsleben in Neutraubling, dazu will er wieder einen Sportbeauftragten einsetzen, der als Ansprechpartner für die Vereine fungieren soll. Viele Vereine seien dankbar für einen Lagerraum, in dem sie etwas unterstellen können. Bisher diente hier die alte Schule. Stadler überlegt, ob nach dem Bau des neuen Bades die „Hülle“ des bisherigen Hallenbades erhalten werden könnte. Hier könnte man dann Lagerflächen für Vereine bereitstelle. Ihm schwebt hier die Nutzung als „Kulturhaus“ oder „Haus der Vereine“ vor. Bei der Ausstattung von Spielplätzen setzt Stadler auf die Eltern, Vorschläge sollte man ernst nehmen und – falls machbar – auch umsetzen. Auch einen Bürgerhaushalt, wie es ihn in anderen Kommunen gibt, könnte er sich vorstellen.

All diese Ideen aber stehen unter dem Stern der Corona-Krise. Man müsse jetzt die Weichen stellen, das nach der Krise die Firmen und die Arbeitsplätze noch da sind. Keine leichte Aufgabe für den neuen Bürgermeister ...


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