31.03.2020, 13:06 Uhr

Sea-Eye-Rettungsschiff „Alan Kurdi“ kehrt in den Einsatz zurück – höchste Sicherheitsvorkehrungen im Falle eines Corona-Ausbruchs

 Foto: Karsten Jäger Foto: Karsten Jäger

Nach achtwöchiger Pause kehrt das deutsche Rettungsschiff „Alan Kurdi“ nun zurück in den Einsatz. Mehr als 60 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bereiteten die „Alan Kurdi“ auf das Einsatzjahr 2020 vor.

Regensburg/Burriana. Foto: Karsten Jäger

Am Montagnachmittag, 30. März, erteilten die spanischen Behörden grünes Licht zum Ablegen. Inzwischen hat die Crew um die deutsche Kapitänin Bärbel Beuse die internationalen Gewässer erreicht. „Meine Crew ist trotz aller Schwierigkeiten angetreten, trainiert und einsatzbereit. Wie könnten wir jetzt im Hafen bleiben, während kein einziges Rettungsschiff im Einsatz ist? Als Menschen ist es unsere Pflicht, alles Vernünftige dafür zu tun, um anderen Menschen das Leben zu retten“, sagt Beuse. Sie führt die „Alan Kurdi“ zum zweiten Mal in den lebensrettenden Einsatz.

„Sea-Eye wurde gegründet, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Jedes Leben besitzt einen unschätzbaren Wert. Kein Menschenleben ist entbehrlich oder weniger wertvoll. Deshalb ist die ,Alan Kurdi‘ auf dem Weg in den Einsatz“, begründet Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V., den Einsatz während der Corona-Krise. Die Seenotretterinnen und -retter rechnen mit großen Schwierigkeiten, einen sicheren Hafen zugeteilt zu bekommen, falls es tatsächlich zu einer Rettung kommt. „Wir verlassen uns auch in dieser Krise auf die Verantwortung und ein beherztes politisches Handeln unseres Flaggenstaates. Wir stehen in engem Austausch mit den deutschen Behörden“, sagt Isler weiter.

Aufgrund der Corona-Krise hat die Einsatzleitung des Vereins weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen und einen „Outbreak Management Plan“ etabliert. „Deutsche Hochseeschiffe haben ohnehin höchste Sicherheitsanforderungen. Darüber hinaus haben wir ausreichende, persönliche Schutzausrüstung für unsere Crew an Bord“, sagt Jan Ribbeck, Einsatzleiter der Mission. Die „Alan Kurdi“ wird die libysche Such- und Rettungszone voraussichtlich am Wochenende erreichen.

Seit Wochen gelang es aufgrund der Corona-Krise keiner Hilfsorganisation mehr, ein Rettungsschiff in den Einsatz zu entsenden, denn Crewmitglieder können nicht ohne Weiteres reisen, um die Schiffe zu erreichen oder heimzukehren. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) der Vereinten Nationen berichtete zuletzt von hunderten Geflüchteten, die durch die sogenannte libysche Küstenwache von der Flucht aus dem Bürgerkriegsland abgehalten worden sind. Wie viele Menschen in den vergangenen Wochen unbemerkt auf dem Meer verschwanden ist unbekannt.

„Es grenzt an ein Wunder, dass wir eine Crew zusammenstellen, trainieren und auf die besonderen Umstände vorbereiten konnten“, sagt Isler. Aufgrund der Corona-Krise konnten Reparaturen an der „Alan Kurdi“ nicht nach Plan abgeschlossen werden. Viele Werftarbeiterinnen un Werftarbeiter mussten vorzeitig zu ihren Familien zurückkehren. Zuletzt halfen deshalb die Crewmitglieder des neuen Rettungsschiffes „Sea-Watch 4“ dabei, die Reparaturen abzuschließen. Die „Sea-Watch 4“ wird ebenfalls in Burriana auf ihren ersten Rettungseinsatz vorbereitet. Die „Alan Kurdi“ ist damit das einzige Rettungsschiff, das sich auf dem Weg in die libysche Such- und Rettungszone befindet.


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