20.03.2020, 08:11 Uhr

„Geschlossen“ Coronavirus sorgt im Café „Malefiz“ für Unsicherheit – doch die Zeit wird sinnvoll genutzt


Viele Cafés, Restaurants und Kneipen in der Regensburger Altstadt sind momentan wegen der aktuellen Entwicklungen des Coronavirus in Sorge um ihre Zukunft. An immer mehr Türen steht seit Anfang der Woche „Geschlossen“ und „Bleibt gesund“ – auch das „Malefiz“ hat bis auf weiteres zu.

Regensburg. „Hey Leute, wie gern würden wir jetzt gerade unseren kleinen Außenbereich für euch öffnen“, schrieben Julian Meindl und Maximilian Reif, Inhaber der Café-Bar „Malefiz“, bei frühlingshaften Temperaturen am Mittwoch, 18. März, in ihren Social-Media-Kanälen. Die beiden sind damit sicher nicht allein, wie ihnen geht es derzeit vielen Gastronomen in Regensburg. Doch das Coronavirus sorgt für viele Einschränkungen und vor allem für Ungewissheit.

„Man weiß nicht, wie es weitergeht“, beschreibt Meindl die derzeitige Lage. Aber ein Abstand von eineinhalb Metern und eine maximale Gästezahl von 30 Personen seien einfach nicht umsetzbar. Außerdem wäre es verantwortungslos sowohl Kunden als auch Mitarbeitern gegenüber, also ist das „Malefiz“ vorerst geschlossen. Meindl habe bereits vor ein paar Wochen bei seinen 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorgefühlt, er hatte da schon die Ahnung, dass weitere Einschränkungen kommen würden. Trotz der Vorwarnung sei es dann doch für alle schockierend gewesen. Aber die Mitarbeiter würden auch alle verständlich reagieren, genauso wie die Kunden: Über Social Media komme nur positive Rückmeldung über diese freiwillige Entscheidung, so Meindl.

Doch die Unsicherheit darüber, wie es in Zukunft weitergeht, sei auf alle Fälle da. „Es gibt auch so viele Gerüchte, jeder sagt etwas anderes“, erzählt Meindl. Offizielle Formulierungen seien außerdem sehr schwammig, niemand wisse genaueres. Das mache Anträge natürlich schwieriger, wenn man die Bedingungen nicht kennt. Im „Malefiz“ gibt es außerdem im Team keinen Corona-Fall, sonst würde die Infektionsschutzversicherung greifen, erklärt Meindl, aber so wäre das Coronavirus nur dann in der Versicherung beinhaltet, wenn das Robert-Koch-Institut es hochstufen würde. Hilfen beantragt habe Meindl bisher noch keine, aber wenn es ganz knapp werden würde, müsse er dies natürlich tun. Alle zwei bis drei Tage will Meindl jetzt seine Mitarbeiter mit Informationen versorgen, die sicher feststehen. Er habe ihnen außerdem versprochen, weiterhin Löhne zu zahlen und sieht sich als Ansprechpartner. Und übrige Lebensmittel habe er unter den Mitarbeitern aufgeteilt, der letzte Rest wurde an die Tafel gespendet.

Mit anderen Gastronomen stehen Meindl und Reif derzeit viel im Austausch, jeder habe ja einen anderen Steuerberater und so weiter, da hilft man sich gegenseitig. Eine Ausgangssperre wäre sinnvoll, denn viele Menschen verstehen die momentanen Einschränkungen gar nicht, aber privat würde es Meindl schon aufregen, denn „ein Gastronom ist ein geselliger Mensch und der Kontakt zu Mitmenschen wäre einfach weg“, erklärt Meindl. Außerdem falle momentan die Arbeit weg, die Zeit müsse man jetzt irgendwie sinnvoll nutzen. Meindl und Ruf versuchen jetzt, wie andere Gastronomen, kreativ zu werden. Es sind beispielsweise Social-Media-Tutorials zu „Latte Art“ geplant, verrät Meindl.

Für die nächste Zeit hätte es einiges an Terminen und Plänen gegeben, doch Geburtstage oder Live-Konzerte wurden natürlich abgesagt. Das neueste Geschäftsmodell – die geplante „mobile Bar“, die man demnächst mit oder ohne Personal für Feiern hätte mieten können – kann nun ebenfalls nicht starten. Kaffee oder „Bowls to go“ würden sich letztendlich finanziell nicht lohnen, so Meindl. Aber unterstützen kann man das „Malefiz“ in Corona-Zeiten trotzdem, indem man Gutscheine kauft, die man später einlösen kann. „Das ist eine tolle Aufmerksamkeit unserer Kunden und Freunde“, bedankt sich Meindl. Gutscheine kann man über Social Media bestellen oder täglich zwischen 12 und 13 Uhr abholen, erklärt er. Außerdem will er dazu aufrufen, unter dem Hashtag „#supportyourlocals“ Lokale, Geschäfte, Bars, Restaurants und Einzelhandel zu unterstützen, denn „die machen eine Stadt wie Regensburg erst so attraktiv“.

Jetzt heißt es abwarten, wie es weitergeht und die Zeit sinnvoll nutzen, den Laden neu gestalten und hoffen, dass man möglichst bald doch noch die Sonnenstrahlen bei einem Kaffee vor dem „Malefiz“ genießen kann.


0 Kommentare