12.02.2020, 15:22 Uhr

Wirtschaft Regensburger Kaufleute wehren sich gegen neue Verkehrsführungen in der Altstadt


Die Verkehrsberuhigung rund um den Domplatz mit Wirkung vom 7. Februar war in den Medien das Regensburger Top-Thema, so der Zusammenschluss der Regensburger Kaufleute.

Regensburg. Von den zahlreichen gesammelten Stimmen ist den Kaufleuten die von Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, SPD, vor laufender Fernsehkamera aufgefallen: Laut Verkehrsexperten müssten die Maßnahmen eine positive Wirkung auf die Altstadt haben. Wenn es das hat, dann bleibt es. Wenn nicht, ist es jederzeit wieder umdrehbar. Versuch und Irrtum schon am Tage der Umsetzung, die auf einem Beschluss des Ausschusses für Stadtplanung, Verkehr und Wohnungsfragen am 3. Dezember und der Verteilung eines „Propaganda“-Papiers des Stadtplanungsamtes eine Woche vor der Umsetzung angekündigt worden war. Das Thema Domplatz ist mitten im Wahlkampf angekommen.

Zwischenzeitlich melde sich ein „Aktionsbündnis autofreier Domplatz“, namentlich Stadtheimatpfleger Dr. Werner Chrobak, mit seiner Haidplatzadresse zu Wort, so die Kaufleute. Das Bündnis will alle Autofahrer, also auch Geschäftsleute, Hotelgäste, Handwerker, Lieferanten und Anwohner aussperren. Die CSU wolle zunächst den Altstadtbus und bis 2023 den gesamten Innenstadt-ÖPNV kostenlos machen und somit zuerst positive Anreize für den „Umstieg“ schaffen. Die SPD fordere derweil in ihrem Wahlprogramm, dass „der Durchgangsverkehr in der Altstadt unterbunden und die Altstadt bis 2025 autofrei“ werden soll.

„Ein Blick auf die Domplätze in Deutschland und in den Nachbarländern zeige, dass Regensburg einer der letzten Domplätze sei, der noch nicht vom Autoverkehr befreit sei“, fordert das Aktionsbündnis – dem Ruf Regensburg als Welterbestadt geschuldet – eine ausschließliche Erlebbarkeit des historischen Zentrums von Regensburg ohne Einschränkungen und Behinderung durch den Verkehr. Unklar werde beim Papier, das zwölf Mitglieder des Aktionsbündnis verfasst haben, wer oder was genau gerettet werden soll: der Dom, die historische Altstadt oder der Lebenskern der Kulturhauptstadt. Letzterer, so die mehrfach geäußerte Sorge der Regensburger Kaufleute e. V., möglicherweise am wenigsten. So ist beispielsweise ein Abbiegen von „Unter den Schwibbögen“ nach rechts in die ausschließlich vorgegebene Fahrtrichtung in die „Weiße-Hahnen-Gasse“ für größere Fahrzeuge nicht in einem Zug möglich. Rangieren am Kopf des vielfach von Fußgängern genutzten Weges ist angesagt – auch für Rettungs- und Einsatzfahrzeuge.

Aus dem Wahlprogramm der SPD gehe hervor, dass „die Parkplätze im Straßenraum in der Altstadt verschwinden“ und „die Anwohnerparkplätze in den bestehenden Parkhäusern bereit gestellt werden“ sollen. Grundsätzlich solle für das Parken in der Altstadt bezahlt werden. Die Regel „Je näher, desto teurer“ solle auf alle Parker angewendet werden, außer auf die Anwohner.

Nicht erst seit der Aufforderung des Aktionsbündnisses und durch das Wahlprogramm der SPD animiert, suchen sowohl die Regensburger Kaufleute, die CSU-Fraktion und weitere an der Entwicklung von Regensburg interessierte Gruppen in der richtigen Reihenfolge nach Lösungen. Vor einer weiteren Verkehrsberuhigung sollten bestehende Regeln angewendet, durchgesetzt und kontrolliert werden (zum Beispiel mit Pollern). Ansätze wie der Ausbau des ÖPNV mit einer sinnvolleren Anbindung der Altstadt, eine zeitlich angepasste Verkehrsberuhigung beispielsweise zum Ausschluss von Autoposern und kreisendem Parksuchverkehr sowie vor allem die Einbindung der privaten und geschäftlich tätigen Anlieger müssen lösungsorientiert dringend diskutiert werden. „Das 365-Euro-Ticket für alle in der Pilot-Region Regensburg, das 365-Euro-Ticket für Schüler und Azubis sowie alle anderen CSU-Anträge zur Verbesserung des Busverkehrs wurden in den vergangenen Jahren im Stadtrat abgelehnt“, meldet sich der CSU-Fraktionsvorsitzende Dr. Josef Zimmermann zu Wort. „Wir wollen den Busverkehr in der Innenstadt kostenfrei machen.“ Im CSU-regierten Augsburg bewähre sich der zum 1. Januar eingeführte kostenfreie ÖPNV in der Innenstadt. Durch weitere Umleitungen wie die neue Verkehrsführung am Domplatz/Unter den Schwibbögen, befürchtet Zimmermann, würde das individuelle Verkehrsaufkommen nicht weniger, sondern mehr.


0 Kommentare