06.02.2020, 09:17 Uhr

Konjunktur stabilisiert sich IHK-Konjunkturumfrage unter den regionalen Unternehmen stimmt optimistisch

IHK-Präsident Michael Matt, IHK-Standortexpertin Sibylle Aumer und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes (v.l.) stellten den Konjunkturbericht zum Jahresbeginn 2020 vor.  Foto: HannesIHK-Präsident Michael Matt, IHK-Standortexpertin Sibylle Aumer und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes (v.l.) stellten den Konjunkturbericht zum Jahresbeginn 2020 vor. Foto: Hannes

Was sich im Herbst letzten Jahres in manchen Branchen noch nach dem Beginn einer konjunkturellen Talfahrt anhörte, stellt sich gegenwärtig wohl als so genannte Konjunkturdelle heraus. Jedenfalls stimmt die Umfrage der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim bei 320 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen zum Jahresbeginn 2020 optimistisch.

REGENSBURG. „Die negativen Prognosen bei Industrie und Dienstleistern sind nicht im vollen Ausmaß eingetreten. Auch die Exportwirtschaft blickt wieder etwas optimistischer in die Zukunft, das Bauwesen ist nach wie vor oben auf“, fasste IHK-Präsident Michael Matt die Ergebnisse der Umfrage bei einem Pressegespräch am Mittwoch, 5. Februar, in der IHK zusammen.

Jedes fünfte Unternehmen erwartet eine Verbesserung des Geschäftsvolumens. Bei allem Optimismus kann die heimische Wirtschaft jedoch nicht an das hohe Niveau der Vorjahre anknüpfen. Den unternehmensnahen Dienstleistern erschweren starke Auftragsschwankungen das Geschäft. Bei der heimischen Industrie bewerten 39 Prozent der Befragten ihre aktuelle Lage als „gut“, wenngleich die Stimmung in einzelnen Segmenten wie zum Beispiel bei den Automobilzulieferern für herkömmliche Antriebe, in der Chemischen Industrie oder bei den Maschinenbauern getrübt ist. Über bessere Geschäfte berichten die Einzel- und Großhändler.

Außenhandel hofft auf Belebung


Jahrelang hatte Ostbayerns Exportwirtschaft einen Rekord nach dem anderen gejagt. 2019 stoppte dieses Dauerhoch. Die Auftragslage zum Jahresbeginn 2020 bleibt bei der exportierenden Industrie weiterhin schwach. 33 Prozent der Befragten verzeichnen weniger Aufträge, 23 Prozent hingegen wieder mehr Geschäft. „Insbesondere in Nordamerika und in Süd- und Osteuropa zeigte sich ein sehr verhaltenes Einkaufsverhalten der Kunden“, beobachtet IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes. „Den Turbulenzen auf den Auslandsmärkten zum Trotz soll die Auslandsnachfrage aber wieder ansteigen.“ Die Nachfrageschwäche in der Eurozone scheint überwunden. Aufgrund neuer Handelsabkommen verlassen die Erwartungen zur Auftragslage in China und Asien den negativen Bereich – unter Vorbehalt eventueller Beeinträchtigungen durch das Coronavirus. Der Brexit scheint als Risikofaktor an Bedeutung zu verlieren. Zwar befürchten 45 Prozent der Industrieunternehmen Einbußen, das sind jedoch 15 Prozentpunkte weniger als bei den vorangehenden Umfragen der IHK.

Beschäftigung bleibt konstant

Über alle Branchen hinweg bleibt die Beschäftigtenzahl konstant. 66 Prozent der Unternehmen sehen keinen Bedarf zum Abbau von Personalkapazitäten. Gegenüber der Herbstumfrage der IHK ist das eine Verbesserung. Wie in der Vorumfrage auch sind die Angaben zur Beschäftigtenentwicklung in der Industrie negativ. Sieben von zehn Unternehmen nutzen die natürliche Fluktuation, um ihre Personalkapazitäten an die schwächere Nachfrage anzupassen. Neue Stellen werden aufgrund von guter Auftragslage überwiegend im Dienstleistungsbereich geschaffen.

Aussichten: vom Minus in neutrale Zone

Mit einem Wert von +0,8 der saldierten positiven und negativen Erwartungen bleibt die Grundtendenz in der regionalen Wirtschaft schwach. „Von einer Trendwende können wir noch nicht sprechen“, so IHK-Präsident Matt. Sorgen bereiten den Unternehmen steigende Rohstoffpreise, etwa durch die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten. Gleichzeitig sind die heimischen Unternehmen bereit, in Klima- und Umweltschutzmaßnahmen zu investieren. Ein Viertel der Industrie-Investitionen fließt in solche Maßnahmen. 16 Prozent aller Unternehmen stellen sich auf wieder ansteigende Kapazitätsauslastungen ein, das korrespondiert mit der Anzahl der Unternehmen, die von einer Verbesserung ihrer Geschäftslage im Jahr 2020 ausgehen.

Stimmen zur Konjunktur aus den Unternehmen

Die ASK GmbH in Vilseck im Landkreis Amberg-Sulzbach stellt technische Einrichtungen vor allem für den Maschinenbau her. Geschäftsführer Stefan Kelsch beobachtet eine unterschiedliche Auftragslage bei seinen Kunden. „Es ist branchen- und technologieabhängig. Nicht wenige automobillastige Maschinenbauer haben Kurzarbeit angemeldet, andere – etwa im Bereich E-Mobilität – haben volle Bücher.“ Verhalten positiv sind seine Erwartungen an das neue Jahr. „Wir erwarten für 2020 eine positive Geschäftsentwicklung, werden jedoch nicht die guten Werte der letzten beiden Jahre erzielen können.“ Immerhin scheint die insgesamt schlechte Geschäftslage der Unternehmen aus dem Herbst 2019 nur eine Konjunkturdelle gewesen zu sein, einhergehend mit einem tiefgreifenden strukturellen Wandel im Bereich Automotive. Die Beschäftigung bei der ASK GmbH jedenfalls entwickelt sich stabil. Das rund 40 Mitarbeiter zählende Unternehmen plant in diesem Jahr zwei bis drei neue Leute einzustellen.

Die konjunkturelle Lage in der Industrie schlägt sich auch auf das Geschäft der Schmid Transport und Spedition GmbH in Regensburg nieder. „Es ist zum Jahresbeginn weniger los als zum Vorjahr“, sagt Geschäftsführer Markus Schmid. Das Speditionsunternehmen bemerkt vor allem einen geringeren Containerumsatz in der Automobilbranche. „Sowohl im Import als auch im Export verzeichnen wir weniger Transporte durch die regionale Großindustrie“, sagt Schmid. An den Verladeterminals im Großraum Regensburg sei es derzeit nicht ganz so schwierig, an freie Kapazitäten zu kommen – doch sieht Schmid diesen Zustand nur als vorübergehend. „Dem Wachstum der Region Regensburg der letzten 15 Jahre hinkt der Ausbau der Verladeterminals auch künftig hinterher. Sobald die Weltwirtschaft wieder anzieht werden die Firmen enorme Kapazitätsprobleme an den Containerterminals haben.“

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