26.01.2020, 16:54 Uhr

Gedenktag am 27. Januar Freie Wähler wollen „Antisemitismus entschieden entgegentreten“

(Foto: Ursula Hildebrand)(Foto: Ursula Hildebrand)

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten die Konzentrationslager von Auschwitz. Nur noch 7.000 Gefangene waren am Leben, mindestens 1,1 Millionen Menschen hatten die Nazis dort zuvor ermordet.

REGENSBURG/MÜNCHEN „Diese Zahlen sprengen noch heute jedes Vorstellungsvermögen. Wir Deutsche verantworten das größte Menschheitsverbrechen aller Zeiten – deshalb darf unter das Erinnern an den Holocaust niemals ein Schlussstrich gezogen werden“, so der Vorsitzende der Freie-Wähler-Landtagsfraktion Florian Streibl zum Holocaust-Gedenktag. „Wir alle sind heute ganz persönlich gefordert, unter Beweis zu stellen, dass wir aus der Geschichte gelernt haben. Nie wieder Täter – nie wieder Opfer!“

Sorge bereitet Streibl das Wiedererstarken des Antisemitismus in Deutschland und eine drastische Zunahme antisemitisch motivierter Gewalttaten. „Der widerwärtige Anschlag auf die Synagoge in Halle im Oktober vergangenen Jahres erfüllt mich mit Scham. Damit sich so etwas nicht wiederholt, müssen wir verhindern, dass aus Hassrede Gewalt wird – und dem alltäglichen Antisemitismus entschiedener entgegentreten.“ Wer etwa am Stammtisch mit Freunden und Bekannten Zeuge judenfeindlicher Äußerungen werde, solle sich unmissverständlich dagegen positionieren, fordert Streibl: „Zivilcourage ist auch hier entscheidend. Das sind wir den mehr als sechs Millionen Opfern der Schoah schuldig. Und jenen Juden, die Deutschland dankenswerterweise nach 1945 nicht verlassen haben – trotz ihrer furchtbaren Erfahrungen.“

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Kerstin Radler aus Regensburg, gerade von einer Reise nach Israel zurückgekehrt, unterstützt diese Haltung: „Die Gespräche mit Holocaust-Überlebenden haben mich sehr berührt. Gerade weil diese so wichtigen Zeitzeugen hochbetagt sind und uns nicht mehr lange über das Grauen der NS-Zeit berichten können, ist es mir ein besonderes Anliegen, Täter- als auch Opfer-Gedenkorte in Bayern gleichwertig weiterzuentwickeln. Nur so können wir jungen Menschen das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte in authentischer Weise zugänglich und verständlich machen.“

Neben den Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg werde die Staatsregierung auch weniger bekannte ehemalige KZ-Außenlager wie Mühldorf und Landsberg/Kaufering stärker in das Erinnern einbinden, kündigte Radler an, die sich in der interfraktionellen Arbeitsgemeinschaft „Erinnerungskultur des Landtags“ engagiert. „Alle Deutschen stehen in der Pflicht, aus ihrer leidvollen Geschichte Lehren für die Gegenwart zu ziehen und dem Imperativ des ‚Nie wieder!‘ Kraft und Gültigkeit zu verleihen. Der Anschlag von Halle zeigt, dass die Auseinandersetzung mit den bedrückendsten Wahrheiten unserer Geschichte niemals stärker gefordert war als heute.“


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