23.01.2020, 16:45 Uhr

Speeddating OB-Kandidaten stehen Gymnasiasten Rede und Antwort – „Brücke“ und CSU liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen


In die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters von Regensburg gehen Joachim Wolbergs und Dr. Astrid Freudenstein – zumindest, wenn es nach den rund 50 Schülern des Pindl-Gymnasiums geht, die die OB-Kandidaten am Donnerstagvormittag, 23. Januar, zu einem Speeddating geladen hatten.

REGENSBURG Neun Kandidatinnen und Kandidaten, die sich am 15. März 2020 zur Wahl für das Oberbürgermeisteramt in Regensburg stellen, trafen am Donnerstagvormittag im Privat-Gymnasium Pindl auf rund 50 politisch interessierte Schülerinnen und Schüler, um diesen Rede und Antwort zu stehen. Geladen waren Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer von der SPD, Dr. Astrid Freudenstein von der CSU, Joachim Wolbergs von der „Brücke“, Ludwig Artinger von den Freien Wählern, Horst Meierhofer von der FDP, Stefan Christoph von Bündnis 90/Die Grünen, Astrid Lamby für den OB-Kandidaten Benedikt Suttner für die ÖDP sowie Christian Janele von den CSB und Irmgard Freihoffer von der Linken.

Wer steht zur Wahl? Was sind die Inhalte der Wahlprogramme der einzelnen Parteien? Wie wird gewählt? Im Vorfeld hatten sich die Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 12 in einem intensiven Workshop auf das Treffen vorbereitet. So waren sie fit, um den Politikern wiederum ihre eigenen Fragen zu den großen Themen Umwelt, Verkehr, Bildung, Kultur und Junges Lebens sowie Digitalisierung zu stellen. Vier Gesprächsrunden à zehn Minuten hatten die OB-Kandidaten schließlich, um – in wechselnden Zweierkombinationen – bei den Jugendlichen zu punkten.

Viele Schülerinnen und Schüler hatten sich auch richtig „herausgeputzt“, um so „hohen Besuch“ in der Schule zu empfangen. Weiße Hemden blitzten und sogar die ein oder andere Fliege am Hals eines Jungen konnte man entdecken. Die Gäste sollten sich wohl und willkommen und vor allem respektiert fühlen. Deshalb wurde auch jedem Politiker gleich zu Beginn ein sogenannter „Bodyguard“ zugewiesen, der den Kandidaten während der Runden begleiten sollte. Auch wenn das Wort „Bodyguard“ in Angesicht der schlanken Jugendlichen vielleicht erst ein bisschen zum Schmunzeln anregte, so bewiesen sie, dass sie ihre Rolle durchaus sehr ernst nahmen. Ging es zwischen zwei Rednern vielleicht einmal etwas turbulent zu, beziehungsweise wurde deutlich, dass einer dem anderen in Redezeit den Schneid abkaufen wollte, so griffen die „Bodyguards“ wie gute Moderatoren auch einmal ein und erteilten selbstbewusst das Wort. Und auch die Politiker nahmen die Jugendlichen, die Wähler von morgen, durchaus ernst und beantworteten geduldig die Fragen der Schüler. „Darf ich Euch duzen? Ihr dürft mich gerne duzen“, bot einer der Kandidaten respektvoll an. Große Augen blickten ihm entgegen. Dass sie selbst mit ihren jungen Jahren noch geduzt wurden von Erwachsenen, waren die Schüler vermutlich gewohnt, nicht aber, dass man sie um Erlaubnis bitten würde oder gar das „Du“ angeboten zu bekommen. Klar, dass man so Punkte gut machen konnte. Aber die Schülerinnen und Schüler beließen es nicht bei ihrer Bewertung beim ersten Eindruck. Sie wollten schon genauere Antworten und Stellungnahmen hören zu Themen, die sie tagtäglich umtreiben. Ob der Busverkehr für Schüler günstiger werden beziehungsweise kostenfrei werden kann. Ob der Bau weiterer Jugendräume geplant sei, um mit Freunden nicht auf der Straße „abhängen“ zu müssen. Wie Flüchtlinge besser integriert werden können und ob es Freizeitangebote zwischen deutschen Kindern und Flüchtlingskindern geben könnte. Wann es endlich wieder bezahlbare Studentenwohnungen gäbe, denn das Abitur rücke in greifbare Nähe und ob ein verpflichtendes „soziales Jahr“ oder ein „Orientierungsjahr“ nach dem Abitur vorgesehen sei. Diesen und viele anderen Fragen prasselten auf die Politiker im „Aquarium“ des Pindl-Gymnasiums ein. Da waren zehn Minuten pro Gesprächsrunde schon sehr knapp bemessen, wie auch die Schüler selbst fanden. Gerne hätten die Jugendlichen noch länger mit dem einen oder anderen Kandidaten diskutiert. Aber zum Schluss ging es in die Diskussion mit den Kameraden. Wer hatte gefallen? Welche Argumente hatten überzeugt? „Es war oft ein ganz schöner Monolog“, urteilten manche Gymnasiasten. Andere fanden den einen oder anderen Kandidaten zu „verkrampft“ und hätten sich die Unterhaltung „menschlicher“ gewünscht. Wieder andere mussten zugeben, dass sie ihre „Vorurteile“ gegenüber Politikern im Allgemeinen und den Kandidaten im Speziellen nicht bestätigen konnten.

Der große Augenblick kam nach den vier Gesprächsrunden: die geheime Online-Wahl. Mithilfe einer eigens für diesen Tag auf den Handys und Tablets der Schüler installierten App konnten die Jugendlichen sofort für ihren Favoriten abstimmen. Das Ergebnis? Hätten die rund 50 Jugendlichen an diesem Tag die Wahl gehabt, es würde zur Stichwahl zwischen Joachim Wolbergs und Dr. Astrid Freudenstein kommen. Der Brücke-Kandidat hatte sich bei den einzelnen Themenschwerpunkten ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit CSU-Kandidatin Dr. Astrid Freudenstein geliefert und konnte 33 Prozent für sich gewinnen. 31 Prozent entfielen auf Dr. Freudenstein. Wolbergs Argumente konnten bei Digitalisierung, Flüchtlingen, junges Leben und Bildung überzeugen. Lediglich beim Thema Umwelt lagen die CSU und Grünen deutlich vor der Brücke. Wolbergs und Freudenstein freuten sich über das gute Ergebnis. „Es ist eure Pflicht, wenn ihr schulisch und gesundheitlich eigentlich fit seid, euch für diese Stadt einzubringen!“, motivierte Wolbergs die jungen Leute und bot weiterführende Gespräche an.


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