05.12.2019, 00:17 Uhr

Nach einer sechstägigen Seeblockade Die „Alan Kurdi“ darf in Messina anlegen – sicherer Hafen für 61 Gerettete

(Foto: Jan Drexler)(Foto: Jan Drexler)

Nach einer sechstägigen Seeblockade hat das deutsche Rettungsschiff von „Sea-Eye“ am frühen Mittwochmorgen, 4. Dezember, in Messina anlegen dürfen. Die Situation an Bord hatte sich am Dienstagabend noch weiter zugespitzt.

REGENSBURG Die „Alan Kurdi“ durchquerte am Dienstagabend die Straße von Messina, um an der nördliche Küste Sizilien Schutz vor schwerem Wetter zu finden, schließlich wartete die Einsatzleitung sein beinahe 6 Tagen auf einen sicheren Hafen. Die Sicherheit und Gesundheit der Geretteten hätte ohne einen solchen, sicheren Hafen nicht weiter gewährleistet werden können. Am Mittwochmorgen gegen 9 Uhr gingen die verbliebenen 61 Geretteten schließlich von Bord. Zuvor hatte Italien mehreren medizinischen Evakuierungen zugestimmt und 23 Personen vom Schiff geholt.

Die „Alan Kurdi“ hatte am 28. November in zwei Rettungen 84 Menschen aus Seenot gerettet. In den folgenden Tagen mussten 23 Menschen in drei Evakuierungen durch die italienische Küstenwache von Bord gebracht werden. Zwölf Menschen brachen während der tagelangen Irrfahrt zusammen und benötigten schnellstmöglich medizinische Hilfe an Land. Zudem war ein Neugeborenes in einem kritischen Gesundheitszustand.

Der Sprecher der Organisation „Sea-Eye“ übt schwere Kritik an dem Verfahren der europäischen Minister und der EU-Kommission: „Monatelang feierten sich die Ministerinnen und Minister selbst für den sogenannten „Malta-Deal“, der eine schnelle Verteilung und Anlandung sicherstellen sollte. Seehofer sagte selbst am Montag noch, er sei mit dem Fortschritt bisher sehr zufrieden. Dafür haben wir kein Verständnis. Menschen sind keine Verhandlungsmasse. Es dürfte keine politischen Deals geben, wo durch das Gesetz längst alles geregelt worden ist“, sagte Julian Pahlke.

Der Vorsitzende der Organisation „Sea-Eye“ äußerte sich entsetzt über die erneute Erfahrung einer Seeblockade: „Die grundlegendsten Rechte von Menschen auf der Flucht, werden diesen Menschen so weiter abgesprochen. Die Geretteten haben unseren Crewmitgliedern von Fluchterfahrungen berichtet, die auch uns an Land schlaflose Nächte besorgten. Wir kümmern uns nach dem Anlegen um unsere Besatzung und vertrauen Europa 84 hoffnungsvolle und verletzte Seelen an“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von „Sea-Eye“.

Während das Schiff „Alan Kurdi“ vor den Häfen wartete, wurde ein Holzboot mit vermutlich 70 Personen vermisst. Es wurde bis heute nicht gefunden. Die Suche der „Alan Kurdi“ wurde Samstagnacht von den maltesischen Army abgebrochen. Der Verbleib dieser 70 Menschen ist ungeklärt.


0 Kommentare