28.11.2019, 08:36 Uhr

„Uni goes downtown“ Warum Donald Trump die Wahl verlieren wird, Liebe drei Gesichter hat und Wäsche bei zehn Grad gewaschen werden sollte

(Foto: Julia Dragan)(Foto: Julia Dragan)

Drei Professoren der Universität Regensburg sprechen über Trump, Liebe und Nachhaltigkeit bei der Auftaktveranstaltung der Reihe „Uni goes downtown“ im Degginger in Regensburg.

REGENSBURG „Spannend, für jeden und jede interessant und von persönlicher Relevanz sowie wenig elitär, genau mit diesen Attributen verbindet man Universität und Wissenschaft in aller Regel eben nicht,“ so begrüßte Jan Kleine, Leiter des Präsidialbüros und der Kommunikation an der Universität Regensburg (UR), die zahlreich erschienenen Gäste am Montagabend, 25. November, im Degginger. Und um genau dies zu ändern – um die Wissenschaft näher an die Menschen zu bringen – geht die UR neue Wege.

Würden Sie einen dicken Mann vor einen Zug schubsen, um diesen aufzuhalten, wenn das Leben von fünf anderen Personen davon abhinge? Mit diesem Gedankenexperiment stimmte Jan Kleine, der durch die Auftaktveranstaltung der Reihe „Uni goes downtown“ führte, die Gäste auf den Abend im Degginger ein. Denn: „Wissenschaft und die Auseinandersetzung mit solchen Fragen ist unglaublich spannend sein“.

Prof. Dr. Stefan Bierling griff den Anfangsgedanken gleich nochmal auf: „Wenn ich Ihnen jetzt erzähle, dass der dicke Mann Donald Trump ist, würden sie ihn dann schubsen?“ Donald Trump war es auch, der Prof. Bierlings Vortrag beherrschte. Denn der Professor für internationale Politik und transatlantische Beziehungen erklärte, „warum Trump die Wahl am 3. November 2020 verlieren wird“. Zunächst ging Prof. Bierling auf die Argumente ein, die für einen Sieg Donald Trumps sprechen könnten: Die amerikanische Politik sei parteipolitisch polarisiert. Das heißt, fast kein republikanischer Wähler würde heute zu den Demokraten überlaufen. Außerdem übe Donald Trump eine große Mobilisierungskraft aus. Dennoch ist Prof. Dr. Stephan Bierling davon überzeugt, dass Trump die Wahl verlieren wird. „Trumps Klientel sind ältere weiße Männer mit schlechterer Ausbildung. Rein demographisch geht die Klientel durch Sterberaten zurück“. Außerdem, so Prof. Bierling, schaffe es Trump nicht nur wie kein zweiter, seine eigenen Wähler zu mobilisieren, „er mobilisiert auch in unglaublichem Maße die Gegenseite. Egal wer als Präsidentschaftskandidat der Demokraten antritt, die Demokraten werden wählen, selbst wenn sie einen blauen Hund dort vorne hinstellen, weil Trump sie über drei Jahre bis aufs Blut provoziert, geärgert und gedemütigt hat.“

„Braucht Liebe Ehe? Über das Paradoxon eines Gefühls“ – um das Publikum auf das Thema einzustimmen, erläuterte die Theologin Prof. Dr. Sabine Demel die Begriffe Liebe und Ehe an Beispielen, wie „Liebe ist… die Illusion, dass das immer so weitergeht. Ehe ist… die Befürchtung, dass das immer so weitergeht.“ Liebe, erklärte Prof. Demel, habe drei Gesichter: die Selbstliebe, die erotische Liebe und die agapeförmige Liebe (durch Vernunft geleitete Liebe). Aber warum brauche man die Ehe? „Ehe bringt der Liebe das Versprechen der Zukunft“, so Prof. Demel. „Die vorbehaltlose Annahme des anderen, schließt vorbehaltlose Verlässlichkeit dieser Annahme ein und somit eine zeitliche Befristung aus. ‚Ich liebe dich bedingungslos für die nächsten drei Wochen‘ geht definitiv nicht.“ Ehe sei genau diese zeitliche Bedingungslosigkeit der bedingungslosen agapeförmigen Liebe, die die Ehe sicherstellen will.

„Es kommt drauf an,“ das war die Hauptbotschaft von Chemiker Prof. Dr. Werner Kunz in seinem Vortrag „Chemie for Future – oder wie sich Chemie und Umwelt (nicht?) vertragen“. Man solle sich vor Patentrezepten hüten, so der Professor. Als Beispiel nannte Prof. Kunz die Frage, was ökologischer sei: Per Hand abzuspülen oder den Geschirrspüler zu benutzen. Tatsächlich sei der Geschirrspüler ökologischer – aber nur, wenn das Gerät vollständig gefüllt sei und nicht bei zu hoher Temperatur gespült werde. Auch beim Wäschewaschen gebe es einiges zu beachten: Die Maschine mit der richtigen Menge zu füllen, die richtige Menge Waschmittel hinzuzugeben und bei niedriger Temperatur zu waschen. Das verstünden die Deutschen nicht. Prof. Kunz: „In Deutschland wäscht man bei 40, 60 und 90 Grad. In Japan waschen die Leute bei zehn bis fünfzehn Grad. Jetzt sind aber die Japaner eines der saubersten, hygienischsten Völker, die es auf der Welt gibt“. Die Energie, die wir durch niedrigere Temperaturen sparen würden, wäre gigantisch. Prof. Kunz wies außerdem darauf hin, dass nicht nur das, was wir hierzulande tun, eine Rolle spiele. So würden zwei Drittel des deutschen Wasserverbrauchs im Ausland anfallen, zum Beispiel durch den Anbau von Kaffee und Baumwolle. Als Tipps gab er dem Publikum unter anderem mit, sich vor einfachen Rezepten zu hüten, den gesunden Menschenverstand zu gebrauchen und sich zu informieren.

Neben den Professoren sorgte die Uni Jazz Combo für einen stimmungsvollen Abend, der in vielen angeregten Gesprächen mündete. Die nächste Veranstaltung der Reihe „Uni goes downtown“ findet voraussichtlich im kommenden Frühjahr statt.


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