24.11.2019, 11:51 Uhr

Hafenstaatskontrolle gemeistert Deutsches Rettungsschiff „Alan Kurdi“ zurück im Einsatz

Die „Alan Kurdi“. (Foto: Fabian Heinz)Die „Alan Kurdi“. (Foto: Fabian Heinz)

Das Rettungsschiff „Alan Kurdi“ der Regensburger Organisation „Sea-Eye“ hat am Donnerstagvormittag, 21. November, den Hafen von Tarent in Süditalien verlassen und befindet sich nun auf dem Weg in die libysche Such- und Rettungszone.

REGENSBURG „Nach dem gewalttätigen Zwischenfall mit libyschen Küstenwächtern beginnen wir nun mit großer Sorge den nächsten Einsatz. Wir betrachten die sogenannte, libysche Seepolizei als ernstzunehmende Bedrohung für Menschen auf der Flucht und die Retter*Innen an Bord unseres Schiffes. Die Tatsache, dass solche Milizen als Partner der Bundesregierung und der EU bewusst und willentlich Menschenrechte brechen, ist durch nichts zu entschuldigen. Die Rettung von Menschenleben scheint keine Priorität mehr zu sein“, sagt Julian Pahlke, Sprecher von „Sea-Eye“.

Nach der erstmaligen Ankunft der „Alan Kurdi“ in einem italienischen Hafen kam es unmittelbar zu einer intensiven, tagelangen Hafenstaatskontrolle des Schiffes. „Durch die schnelle Reaktion der deutschen Behörden und die professionelle Arbeit unserer Crew, konnte die aufwendige Inspektion gemeistert werden. Dabei bestätigten die deutschen Behörden den italienischen Kolleginnen und Kollegen ausdrücklich, dass der Zustand und die Papiere der „Alan Kurdi“ ausdrücklich in Ordnung sind“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von „Sea-Eye“. Die Abfahrt aus dem Hafen von Tarent verzögerte sich weiterhin wegen eines starken Sturmes, der über weite Teile Italiens hinwegzog. Dabei hat das Schiff schwere Schäden in Höhe von rund 30.000 Euro erlitten, die aufwendig behoben werden mussten.

Für die achte Mission des „Sea-Eye“-Schiffes „Alan Kurdi“ senden am Donnerstag verschiedene Kirchen ihre bewegenden Segenssprüche an die Regensburger Seenotretter. „Die Mennoniten sind wichtige Unterstützer der ersten Stunde. Die katholischen Bistümer München-Freising, Paderborn, Hildesheim und Regensburg sind zusammen die größten, kirchlichen Förderer von „Sea-Eye“. Seit 2018 werden wir auch aus dem Raum der EKD gefördert. Wir sind auf die Unterstützung der Kirchen dringend angewiesen“, sagt Isler weiter.

Die Kirchen stehen „Sea-Eye“ nicht nur finanziell zur Seite. Zur achten Mission der „Alan Kurdi“ senden Dekan Roman Derl von der Diözese Regensburg für die Katholische Kirche, Präses Dr. Michael Diener und Ratspräsident Heinrich Bedford-Strohm für die EKD, sowie Doris Hege als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden, ihren Segen für die Arbeit der Regensburger Seenotretter.

Bei der Finanzierung der anfallenden Kosten helfen unter anderem der Rapper TUA, der sein neues Video „Wenn ich gehen muss“ für „Sea-Eye“ veröffentlichte und zu Spenden für die Regensburger Seenotretterinnen und -retter aufrief. Aber auch der Treuhandfonds, in dem gesammelte die Spenden von Jan Böhmermann und Klaas-Heufer Umlauf verwaltet und verteilt werden, trägt maßgeblich zum aktuellen Einsatz bei. Insgesamt wurden 60.000 Euro für den Rettungseinsatz und die nachhaltige Organisationsentwicklung von „Sea-Eye“ bewilligt und bereitgestellt.

Der Berliner Rapper Tua spendet ein Musikvideo und sammelt spenden für die „Alan Kurdi“

„Es ist ein wichtiges Zeichen, dass die Zivilgesellschaft so zusammensteht und gemeinsam sicherstellt, dass die ,Alan Kurdi‘ in den nächsten Einsatz aufbrechen kann. Vor allem, dass junge Künstler wie TUA oder Jan Böhmermann dieses wichtige Thema zunehmend aufgreifen und die Kirchen Deutschlands sich immer wieder insistierend für die Seenotrettung einsetzen, lässt uns zuversichtlich bleiben. Wir sind gerade jetzt wieder auf Spenden angewiesen, weil mit diesem schweren Sturmschaden einfach nicht zu rechnen war“, sagt Isler weiter.


0 Kommentare