21.10.2019, 23:34 Uhr

„Unglückstag in der Geschichte“ Heimatverein „Statt am Hoff“ gedenkt der Opfer des Bombenangriffs vom 23. Oktober 1944

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

Die Gedenk-Stele am Gries in Stadtamhof – als gebrochene Säule gestaltet – trägt groß die Zahl 48. Die Zahl der Todesopfer des Bombenangriffs vom 23. Oktober 1944 und ein Unglückstag in der Geschichte Stadtamhofs.

REGENSBURG Um die Mittagszeit wurde Fliegeralarm ausgelöst – die Bevölkerung am Gries begab sich in die Luftschutzräume. Die meisten Keller in Stadtamhof waren nur notdürftig als Schutzräume zu nutzen, da wegen des oftmaligen Hochwassers die Keller über Wochen hin unter Wasser standen. Vor allem am hochwassergefährdeten Gries hatte man die Häuser deshalb ohne Keller gebaut und so wurde für die Sicherheit der dortigen Anwohner in der Nähe des jetzigen Stegs ein eigener Luftschutzbunker errichtet. Dieser glich freilich mehr einem verwinkelten Stollensystem, in dem die Gänge kaum mehr als drei Meter breit waren.

Laut Berichten sollen an besagtem Oktober-Mittag innerhalb von nur neun Minuten 200 Bomben auf Regensburg gefallen sein. Ein paar Wohnhäuser in Stadtamhof wurden getroffen, aber vor allem auch der Luftschutzbunker am Gries. Im Sterbebuch der Pfarrei St. Magn ist vermerkt: „Betonbunker am Gries am 23. Oktober gegen 13 Uhr, 48 Kinder, Frauen und Männer kamen ums Leben.“ Es traf überwiegend eben Kinder, Frauen und alte Menschen, da alle wehrfähigen Männer an die Kriegsfront abgezogen worden waren. Nicht alle Personen konnten am Ende identifiziert werden. Besonders anrührend ist das Schicksal eines kleinen Mädchens, das während des Fliegerangriffs im Bunker geboren wurde und zusammen mit seiner Mutter und der vierjährigen Schwester dort dann auch ums Leben kam. Im Sterberegister wurde dieses Mädchen mit dem fingierten Vornamen „Anonyma“ (Namenlose) eingetragen. Drei Tage dauerte es, bis alle Toten am Dreifaltigkeitsfriedhof beigesetzt waren: Sechs Priester der Pfarreien St. Magn und St. Emmeram nahmen im Halbstundentakt die Beerdigungen vor.

Im Gedenken an die Toten des Luftangriffs stiftete der Heimatverein „Statt am Hoff“ e. V. im Jahr 1994 die Gedenkstele am Gries mit der Aufschrift „48 Tote mahnen“. Zum 75. Jahrestag lädt der Heimatverein nun zu eben dieser Stele ein, um gemeinsam zu erinnern. „Wichtiger denn je“, so der Vorsitzende des Heimatvereins, Willibald Koller. Ein gemeinsames Innehalten der Stadtamhofer und aller, die diesem Stadtteil verbunden sind, zu dem der Heimatverein herzlich einlädt: Samstag, 26. Oktober, um 16.30 Uhr an der Gedenkstele.


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