18.10.2019, 12:03 Uhr

Aktionstag am Neupfarrplatz Gelebte Nächstenliebe – Caritas kümmert sich um Obdachlose

Caritasdirektor Michael Weißmann, Streetworker Ben Peter und Tobias Mehrbrey von der Fachberatung für Wohnungs- und Obdachlosenhilfe verteilten Kartoffelsuppe an Obdachlose, wie Matze, und Passanten. (Foto: Julia Bellinghausen)Caritasdirektor Michael Weißmann, Streetworker Ben Peter und Tobias Mehrbrey von der Fachberatung für Wohnungs- und Obdachlosenhilfe verteilten Kartoffelsuppe an Obdachlose, wie Matze, und Passanten. (Foto: Julia Bellinghausen)

Am Tag der Obdachlosen am Donnerstag, 10. Oktober, teilte die Caritas Kartoffelsuppe am Neupfarrplatz in Regensburg aus.

REGENSBURG Es ist kalt, nass und ungemütlich. Wenn man unter dem Regenschirm heraus über den Neupfarrplatz in Regensburg schaut, kann man aber trotz des schlechten Wetters reges Treiben beobachten. Der Blick fällt auf einen überdachten Stand mit Stehtischen, Menschen suchen hier Schutz vor der Nässe und wärmen sich mit einer heißen Suppe auf. Ich nähere mich dem Stand und frage mich, wie es Menschen geht, die zu dieser Jahreszeit kein warmes Essen bekommen und sich nicht unter eine dicke Decke kuscheln können. Der Regen trägt dazu bei, sich die Bedingungen noch besser vorstellen zu können, mit denen Wohnungs- und Obdachlose momentan täglich zu kämpfen haben.

Am Donnerstag, 10. Oktober, fand der Internationale Tag der Obdachlosen statt. Er wurde erstmals im Jahr 2010 ausgerufen, um auf die Situation von Obdachlosen rund um die Welt aufmerksam zu machen. Die Caritas Regensburg beteiligte sich dieses Jahr mit einer Benefizaktion am Neupfarrplatz: Mitarbeiter der Caritas, darunter Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann, schenkten kostenlos herzhafte Kartoffelsuppe an Obdachlose und Passanten aus. Die Aktion sollte auch Bürgerinnen und Bürger für die Situation Obdachloser in der kalten Jahreszeit sensibilisieren.

Die Obdachlosenhilfe sieht Weißmann als ein originäres Thema der Caritas (Latein: Nächstenliebe), das im Auftrag von Papst Franziskus steht, „bis an die existenziellen Ränder zu gehen“. Die Caritas versucht, Obdachlose „da abzuholen, wo sie sind, und mit ihnen gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln“, so Weißmann. Denn vorgefertigte Lösungen werden oft nicht angenommen.

Ben Peter, seit neun Jahren Streetworker bei der Caritas und damit täglich in Kontakt mit Obdachlosen, geht von circa 100 obdachlosen und 400 wohnungslosen Menschen in Regensburg und einer noch höheren Dunkelziffer aus – wobei die Zahl in den letzten Jahren relativ konstant geblieben ist. Wohnungslos bedeutet, untergekommen zu sein, zum Beispiel in Wohnheimen oder bei Verwandten.

Obdachlose Menschen hingegen leben auf der Straße – und haben damit oft noch vielschichtigere Probleme. Peter erklärt, wie Sucht die Wohnungslosigkeit verstärkt – und andersherum. Oftmals verlieren Betroffene als Folge ihrer Suchtprobleme ihre Wohnung, gleichzeitig suchen Obdachlose in Drogen und Alkohol Zuflucht.

Ben Peter nimmt auf der Straße Erstkontakt zu Obdachlosen auf, die im Winter zum Beispiel in Parkhäusern, Vorräumen von Banken oder Abbruchhäusern anzutreffen sind, und kümmert sich um deren Grundversorgung. Essen – überwiegend Lebensmittelspenden lokaler Firmen – Getränke, Schlaf- und Rucksäcke helfen, Kontakt und Vertrauen herzustellen. Außerdem erklärt Peter, wo man eine warme Dusche und Kleidung bekommt – und zwei Mal in der Woche bietet er ein offenes Frühstück an, das auch sehr gut angenommen wird.

In Regensburg gibt es drei Gruppen Obdachloser: alkoholkranke, meist ältere Männer, Drogenabhängige, darunter auch jüngere Männer und Frauen, und Menschen aus Osteuropa. Der Abteilungsleiter Soziale Dienste der Caritas Regensburg, Dr. Stefan Gerhardinger, betont: „Obdachlosigkeit ist nicht genetisch bedingt, es kann jeden von uns treffen.“ Die Caritas bietet in Regensburg viele Dienste an, zum Beispiel auch eine Fachberatung für Wohnungs- und Obdachlosenhilfe. Tobias Mehrbrey ist hier derzeit der Verantwortliche, zu ihm kommen Menschen mit ganz konkreten Problemen, oft sind es Anträge für Leistungsansprüche oder Wohnungssuche, bei denen Mehrbrey die Menschen unterstützt. Es sind überwiegend Männer, die bei ihm Hilfe suchen. Auch mit Straffälligen hat er zu tun, die länger als ein Jahr in Haft waren. Dies sei eine Grenze, ab der diese ihre Wohnung, ihre Arbeit und meist auch alle sozialen Kontakte verlieren. In solchen Fällen versucht Mehrbrey, die Menschen in einem Übergangswohnheim unterzubringen und ihnen wieder Halt zu geben. Wohnungs- und Obdachlose können sich unter der Telefonnummer 0941/ 5021113 bei der Wohnungs- und Obdachlosenhilfe der Caritas in der Von-der-Tann-Straße 7 oder im Internet unter www.caritas-regensburg.de informieren. In der Von-der-Tann-Straße liegt auch ein Flyer mit weiteren Adressen und Anlaufstellen aus. Regensburgerinnen und Regensburger, die helfen möchten, können Sachspenden direkt bei der Caritas abgeben.

Im November öffnet außerdem das Kälteschutzhaus in der Landshuter Straße wieder seine Türen und bietet in der kalten Jahreszeit – und ab nächstem Jahr voraussichtlich ganzjährig – 70 Plätze für obdachlose Menschen, die zwar offiziell dann immer noch obdachlos sind, aber zumindest nicht mehr nach einem Unterschlupf suchen müssen, sondern nachts oder stundenweise am Tag dort unterkommen können. Die Stadt Regensburg wird sich für mehr Privatsphäre und Sicherheit auch um Schließfächer kümmern. Das Angebot im Kälteschutzhaus wird bis auf wenige Ausnahmefälle, zum Beispiel bei schweren psychischen Krankheiten, von den meisten Betroffenen von sich aus gut angenommen.

Streetworker Ben Peter erzählt, wie viel ihm die Arbeit mit Obdachlosen zurückgibt. Dass es für ihn eine Herzensangelegenheit ist, spürt man auch, als er gemeinsam mit Caritas-Mitarbeitern die Kartoffelsuppe ausschenkt.


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