24.07.2019, 23:10 Uhr

„Welt im Wandel“ IHK-Vollversammlung diskutiert Strategien in Zeiten weltpolitischer Unsicherheiten

Die IHK-Vizepräsidenten Stefan Rödl, Karin Siegert, Bernd Fürbringer und Thomas Hanauer mit Gastredner Prof. Dr. Stephan Bierling und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes vor dem Logo der neuen IHK-Markenkommunikation, die in der Vollversammlung präsentiert wurde. (Foto: Bayreuther)Die IHK-Vizepräsidenten Stefan Rödl, Karin Siegert, Bernd Fürbringer und Thomas Hanauer mit Gastredner Prof. Dr. Stephan Bierling und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes vor dem Logo der neuen IHK-Markenkommunikation, die in der Vollversammlung präsentiert wurde. (Foto: Bayreuther)

Nach der richtungsweisenden Europawahl Ende Mai ist der Tanz auf dem internationalen Parkett für die Unternehmen aus der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim nicht einfacher geworden. Brexit, Populismus oder die Migrationsfrage stellen Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor immense Herausforderungen.

REGENSBURG Wie regionale Firmen auf Kurs bleiben in einer Welt aus den Fugen, diskutierten die Mitglieder der IHK-Vollversammlung in ihrer Sommersitzung mit Prof. Dr. Stephan Bierling, Politikwissenschaftler und Experte für internationale Beziehungen an der Universität Regensburg. „Für die Unternehmen in unserer Region ist ein stabiles und starkes Europa von entscheidender Bedeutung, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen auf globaler Ebene“, betonte IHK-Vizepräsident Thomas Hanauer.

Internationale Machtverschiebungen

Gastredner Bierling zeigte anhand des Aufschwungs Chinas, wie sich weltweite Machtverschiebungen auf Deutschland und Europa auswirken. „Das 21. Jahrhundert wird asiatisch“, zeigte sich Bierling sicher. Noch nie sei eine Nation so schnell gewachsen wie China in den letzten 30 Jahren. Das Land produzierte Wachstumsraten von durchschnittlich mehr als 10 Prozent. Aktuell seien diese zwar wieder auf rund sechs Prozent gesunken, doch der Aufstieg Chinas habe die Machtverteilung auf der Welt nachhaltig verändert. Das Land sehe sich global in einer starken Rolle und zeige dies gegenüber den westlichen Partnern deutlich. „Die alten politischen und diplomatischen Spielregeln gelten nicht mehr“, sagte der Professor für internationale Politik und transatlantische Beziehungen. Wenn Deutschland und Europa in Zukunft die politischen und wirtschaftlichen Regeln mitbestimmen wollen, brauche es eine starke Position im neuen Machtgefüge.

Nur gemeinsam stark

Die in den 90er Jahren erhoffte liberale und marktwirtschaftliche Weltordnung habe sich in der Realität nicht durchgesetzt. Auf die USA als Partner Europas und vor allem Deutschlands sei spätestens seit der Ära Trump wenig Verlass. Zudem sei die EU mit ihren mittlerweile 28 Mitgliedsstaaten heute viel heterogener geworden. „Damit wir handlungsfähig bleiben und uns gegenseitig nicht blockieren, brauchen wir ein Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten“, so Bierling. Der Brexit, der mit der gestrigen Wahl Boris Johnsons zum neuen britischen Premierminister sehr wahrscheinlich werde, schwäche Europa weiter. „Mit Großbritannien verliert nicht nur die Europäische Gemeinschaft ein wichtiges Mitglied, sondern Deutschland einen Bündnispartner – insbesondere in der Wirtschaftspolitik.“ Als einen Weg für ein starkes Europa empfahl Bierling eine stärkere deutsch-französische Zusammenarbeit. Beide Länder müssten dabei umfangreiche Kompromisse eingehen – eine Alternative dazu gebe es aus seiner Sicht nicht.


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