11.07.2019, 07:30 Uhr

„Alan Kurdi“ im Mittelmeer unterwegs Tauziehen um die Seenotrettung

Die „Alan Kurdi“ nahm die Menschen nach eigenen Angaben in internationalem Gewässer auf. (Foto: Fabian Heinz)Die „Alan Kurdi“ nahm die Menschen nach eigenen Angaben in internationalem Gewässer auf. (Foto: Fabian Heinz)

Mit 65 Menschen an Bord, die zuvor aus einem überladenen Schlauchboot aus dem Mittelmeer geholt worden sind, nahm das Schiff „Alan Kurdi“ der Regensburger Organisation „Sea-Eye“ am Freitag, 5. Juli, Kurs auf Lampedusa. Die Fahrt entwickelte sich zum Streitthema zwischen dem italienischen Innenminister Matteo Salvini und dem deutschen Innenminister Horst Seehofer.

REGENSBURG/MALTA Nach Angaben der Organisation „Sea-Eye“ seien die 65 Menschen „in internationalem Gewässer circa 34 nautische Meilen vor der libyschen Küste gerettet“ worden. Das Gesetz verlange, dass gerettet in einen sicheren Hafen gebracht werden, „das war in unserem Fall Lampedusa“, so „Sea-Eye“-Sprecherin Carlotta Weibl auf Wochenblatt-Anfrage. Die libysche Küstenwache habe der Besatzung zunächst den libyschen Hafen Zawiyah zugewiesen. „Diesen dürfen wir aber nicht anfahren, da wir damit das deutsche Gesetz, also das Recht unseres Flaggenstaates, brechen würden“, so Weibl weiter. „Auch laut internationalem Recht müssen aus Seenot gerettete Menschen an einen Ort gebracht werden, wo ihr Leben nicht weiter in Gefahr ist. Es gibt mittlerweile genug Berichte, die bezeugen, dass das Bürgerkriegsland Libyen für keinen Menschen sicher ist. Vorallem nicht für Geflüchteten, die ein Recht auf einen fairen Asylprozess haben.“

Italiens Innenminister Matteo Salvini verweigerte der „Alan Kurdi“ das Einlaufen in den Hafen von Lampedusa, die Besatzung nahm Kurs auf Malta. Auch dort durfte das Schiff nicht anlegen, die Menschen an Bord wurden von der maltesischen Küstenwache vom Schiff geholt und an Land gebracht. Salvini stellte in einem Video auf Facebook klar, dass Italien die Menschen nicht aufnehmen werde. Insgesamt sind in den letzten Tagen über 120 Personen in Malta an Land gegangen, Horst Seehofer bot an, „im Geiste der europäischen Solidarität“ bis zu 40 Personen in Deutschland aufzunehmen.

Im Internet kursiert derweil ein Video, das die Geflüchteten zeigen soll, die auf der „Alan Kurdi“ unterwegs waren. Nach Angaben von „Sey-Eye“ gegenüber dem Wochenblatt ist dieses Video echt. Einige ziehen nun in Zweifel, dass erste Auskünfte stimmen, nach denen 39 der 65 Geflüchtete minderjährig sein sollen. „39 Menschen haben uns gegenüber angegeben, minderjährig zu sein“, bestätigt Weibl.

Ob das stimmt, interessiert sie aber nicht: „Es ist nicht unsere Aufgabe, das zu überprüfen oder in Frage zu stellen. Wir sind eine humanitäre Organisation, die Leben rettet. Die Geschichten der geretteten Menschen zu überprüfen, liegt bei den Ländern, in denen die Menschen Asyl beantragen. Der jüngste unserer Gäste war zwölf Jahre alt und mindestens dieses Kind hat ein Recht auf besonderen Schutz“, schildert Weibl.


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