03.07.2019, 23:39 Uhr

Gemeinsam forschen und entwickeln Sommerempfang der IHK beleuchtet Chancen für ostbayerische Unternehmen in Italien

Diskutierten im Römerhof: IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes, Italiens Generalkonsul in München Enrico de Agostini, Italiens Botschafter Luigi Mattiolo, IHK-Präsident Michael Matt und Jörg Buck von der Deutsch-italienischen Handelskammer in Mailand. (Foto: Stefan Hanke Photograpie)Diskutierten im Römerhof: IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes, Italiens Generalkonsul in München Enrico de Agostini, Italiens Botschafter Luigi Mattiolo, IHK-Präsident Michael Matt und Jörg Buck von der Deutsch-italienischen Handelskammer in Mailand. (Foto: Stefan Hanke Photograpie)

Beim Sommerempfang der IHK diskutierten Unternehmen mit Italiens Botschafter Luigi Mattiolo über Chancen der Digitalisierung für beide Industrienationen.

REGENSBURG Wenn die „Nördlichste Stadt Italiens“ ihrem postulierten Heimatland den roten Teppich ausrollt, sorgt das für reges Interesse. Beim Sommerempfang der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim mit Gastland Italien am Dienstagnachmittag, 2. Juli, diskutierten rund 150 Vertreter von Unternehmen, Institutionen und Gesellschaft bei mediterranen Temperaturen mit Italiens Botschafter in Deutschland, Luigi Mattiolo, über die Beziehungen beider Länder und darüber, welche Chancen sich gegenwärtig südlich des Brenners für ostbayerische Unternehmen bieten.

IHK-Präsident Michael Matt betonte in seinem Grußwort, dass nicht nur die Römerzeit oder die transalpinen Handelsbeziehungen der mittelalterlichen Patrizier die Welterbestadt Regensburg geprägt hätten, sondern vielmehr auch die vielen italienischen Unternehmerinnen und Unternehmer hierzulande und die guten Wirtschaftsbeziehungen beider Länder. „Dabei geht die wirtschaftliche Zusammenarbeit weit über den reinen Austausch von Waren hinaus. Vor allem in der Industrie verbinden viele Wertschöpfungsketten beide Länder“, erklärte Matt.

Gemeinsam forschen und entwickeln

Botschafter Luigi Mattiolo betonte bei seinem ersten Besuch in Regensburg neben der enormen Bedeutung des Freistaats Bayern für Italien vor allem die Chancen, die Forschungs- und Geschäftskooperationen der Industrie beiden Ländern böten. „Bei Digitalisierungsthemen höre ich deutsche und italienische Industrie-Unternehmerinnen und -Unternehmer dieselbe Sprache sprechen.“ Bei der Forschung und Entwicklung sieht Italiens Botschafter vor allem in der künstlichen Intelligenz große Chancen. „Die künstliche Intelligenz wird der Game-Changer in der Industrieproduktion“, prophezeite der Top-Diplomat.

Vor allem durch erfolgreiche Kooperationen im Industriesektor behaupten Italien und Deutschland ihre Rolle als führende Industrienationen. „Wir sehen in den Bereichen Digitalisierung und Innovation besonders große Potenziale für eine noch stärkere Vernetzung mit Italien. Hier kommen auch unsere ostbayerischen Unternehmen ins Spiel“, so IHK-Präsident Matt. Stellvertretend für die Innovationstreiber der Region gab Dr. Georg Schwab, Geschäftsführer des Entwicklungsdienstleisters AVL Software and Functions in Regensburg Einblicke in das Geschäft mit Italien. „Autonomes Fahren, Cyber-Security, sämtliche Digitalisierungsthemen von Big Data bis Künstliche Intelligenz – in all diesen Bereichen entwickeln wir für italienische Kunden.“ AVL ist gegenwärtig bei 16 EU-Projekten beteiligt, bei der Hälfte dieser Projekte sind italienische Kernpartner mit im Boot, etwa die Technische Universität in Turin. Das unterstreiche die Bedeutung Italiens in der wirtschaftsorientierten Spitzenforschung.

Wertschöpfung geht in beide Richtungen

Dass gemeinsames Entwickeln in der Industrie 4.0 für Italien und Deutschland lebensnotwendig ist, davon ist der Geschäftsführer der Deutsch-italienischen Handelskammer in Mailand Jörg Buck überzeugt. Er führte vor Augen, wie sehr Deutschland als führende und Italien als zweitwichtigste Industrienation in Europa aufeinander angewiesen seien. „Die Wertschöpfungsketten gehen in beide Richtungen über die Alpen. Zum Beispiel liefern italienische Zulieferer für deutsche Autobauer und Basis-Chemie aus Deutschland wird in Italien veredelt.“

Maßstab des Wachstums beider Länder bleibe die Industrialisierung. Auch Buck sieht die Künstliche Intelligenz als das Digitalisierungsthema in der Industrie schlechthin und machte Mut gegen die außereuropäische Konkurrenz. „Wenn wir die Unternehmen und die Grundlagenforschung in Europa bündeln, sind wir konkurrenzfähig.“ Oder, wie es Botschafter Mattiolo beim Empfang in der IHK sprichwörtlich zusammenfasste: „United we stand, divided we fall“, warb er für ein Weiterspinnen der deutsch-italienischen Erfolgsgeschichte.

Aus der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim pflegen über 350 Unternehmen Geschäftsbeziehungen mit Italien. Über 80 Unternehmen sind mit eigenen Vertretungen, Niederlassungen und Produktionsstätten in Italien vor Ort.

Heute sind die deutsch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen auf einem bisher unerreichten Höchststand: Mit einem Handelsvolumen von 130 Milliarden Euro erzielten Italien und Deutschland im Jahr 2018 einen neuen Handelsrekord. Italien landet erstmals auf Platz fünf der wichtigsten deutschen Handelspartner. Betrachtet man Bayern alleine, liegt Italien sogar auf Platz vier der Top-Handelspartner. Aus Sicht Italiens ist Deutschland nach wie vor der wichtigste Handelspartner weltweit, und Bayern das mit Abstand bedeutendste Bundesland für Investitionen und Kundenbeziehungen.


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