14.06.2019, 14:49 Uhr

Fachlicher Austausch zwischen Nachbarn Grenzüberschreitender Wissenstransfer angestrebt – Pilsener Bezirkssozialverwaltung zu Besuch beim Bezirk Oberpfalz

Filip Zapletal, Martin Fojtíček und Dagmar Steinbachová von der Abteilung für Soziale Angelegenheiten des Bezirks Pilsen besuchten auf Einladung von Dr. Benedikt Schreiner und Markus Meinke zwei Tage lang soziale Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz. (Foto: Günther Bonack/Bezirk Oberpfalz)Filip Zapletal, Martin Fojtíček und Dagmar Steinbachová von der Abteilung für Soziale Angelegenheiten des Bezirks Pilsen besuchten auf Einladung von Dr. Benedikt Schreiner und Markus Meinke zwei Tage lang soziale Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz. (Foto: Günther Bonack/Bezirk Oberpfalz)

Unterschiedliche Strukturen und Systeme, aber vergleichbare Herausforderungen: So lassen sich die Ergebnisse eines Besuchs von Mitarbeitern der Bezirkssozialverwaltung Pilsen beim Bezirk Oberpfalz zusammenfassen.

REGENSBURG Zwei Tage lang informierte sich eine dreiköpfige Delegation um Mgr. Filip Zapletal, Leiter der Abteilung für soziale Angelegenheiten im Bezirksamt Pilsen, über rechtliche Voraussetzungen, medizinische Konzepte und soziale Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz. Ziel des grenzüberschreitenden fachlichen Austauschs, an dem auch Vertreter der Regierung der Oberpfalz teilnahmen, war es, sich wechselseitig über die bestehenden Voraussetzungen und Probleme im Sozialbereich zu beraten und Kooperationsmöglichkeiten zwischen beiden Bezirken zu identifizieren. Eingeladen zu dem Termin hatten Dr. Benedikt Schreiner, Leiter der Sozialverwaltung des Bezirks Oberpfalz, mit seinen Mitarbeitern und Markus Meinke von der Regionalen Kontaktstelle der Europaregion Donau-Moldau.

Im Mittelpunkt standen insbesondere Fragen der psychiatrischen Unterstützung für Menschen in schwierigen Lebenslagen. So erfolgte am ersten Tag nach einer Einführung zu den sozialen Leistungen und Aufgaben des Bezirks Oberpfalz durch Dr. Schreiner eine Besichtigung des Regensburger Bezirksklinikums. Prof. Dr. med. Berthold Langguth, Chefarzt in der zentralen Aufnahme und Psychiatrischen Institutsambulanz, führte die Gäste aus Pilsen durch die psychiatrischen Abteilungen und stand deren Fragen Rede und Antwort. Im Anschluss erläuterte Dr. Michael Ziereis, Chefarzt der Versorgungsplanung und Versorgungsforschung, die Methoden der Versorgungsplanung in der medbo, der medizinischen Einrichtung des Bezirks Oberpfalz.

Am zweiten Tag besuchte die Gruppe zunächst das Bezirksklinikum Wöllershof, um mit dem ärztlichen Leiter Dr. Markus Wittmann vor allem über moderne Behandlungsansätze und die Chancen der modernen Technologien zur Bewältigung von Herausforderungen des ländlichen Raumes zu diskutieren. Anschließend standen das „Haus Waldnaab“ des Sozialteams Tirschenreuth und das integrative Café in der Gedenkstätte Flossenbürg auf dem Programm – zwei Einrichtungen, die gleichsam durch den Bezirk Oberpfalz unterstützt werden. Das Sozialteam Tirschenreuth besteht bereits seit 1993 und hilft Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, wieder zu einem geregelten Lebens- und Tagesablauf zu finden. Das Museumscafé ist ein Leuchtturmprojekt zur beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung im hochwertigen Dienstleistungsbereich, das 2015 eingerichtet wurde und sich seither bei Besuchern wie Einheimischen wachsender Beliebtheit erfreut.

Im Laufe der Gespräche wurde deutlich, dass der Bedarf an Unterstützungsleistungen beiderseits der Grenze immer größer wird und sich damit auch der Bedarf an Personal erhöht. Besonders interessant waren die fachlichen Ausführungen und Besichtigungspunkte für Martin Fojtíček, der im Bezirk Pilsen für die Koordination der Reform der psychiatrischen Betreuung zuständig ist. Fojtíček hofft, dass sich die Anregungen, die die Besuchergruppe in der Oberpfalz sammeln konnte, auch auf den Bezirk Pilsen übertragen lassen und dort positive Effekte erzeugen. Auf der tschechischen Seite sieht er vor allem das Problem einer Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen, die zumeist auf Demenzerkrankungen bei älteren Menschen reduziert würden. Bei jüngeren Menschen sei die Akzeptanz psychischer Störungen nur bedingt gegeben. Die deutschen Kollegen beschrieben vergleichbare Erfahrungen. Damit der grenzüberschreitende Wissenstransfer im Sozialbereich weiterhin aufrecht erhalten bleibt, werden bereits weitere Treffen geplant. Schon im Herbst 2019 möchte man sich erneut austauschen – dann auf Einladung von Filip Zapletal im Bezirk Pilsen, um die dortigen Einrichtungen kennenzulernen.


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