22.05.2019, 16:15 Uhr

Gentrifizierung in der Gastro „Unsere Pacht sollte um 80 Prozent erhöht werden“

Wirt Tom Bockes im „Tarantino’s“: „80 Prozent mehr an Pacht, das kann ich mir nicht leisten.“ Foto: PrivatWirt Tom Bockes im „Tarantino’s“: „80 Prozent mehr an Pacht, das kann ich mir nicht leisten.“ Foto: Privat

Der „Tarantino‘s“-Macher muss aus der Wöhrdstraße weichen – die Pacht wurde drastisch erhöht. Tom Bockes geht mit seiner Kult-Kneipe in die Ostengasse. Doch auch dort tut sich was.

REGENSBURG Viele kennen das „Tarantino‘s“ als kultige Kneipe mit ruhigem und wunderbar grünen Biergarten. Der legendäre Wirt Tom Bockes, der auch die „Banane“ am Römling betreibt, hat sich hier ein kleines Refugium mit großer Stammkundschaft aufgebaut. Umso erschütterter zeigten sich viele seiner Gäste, als bekannt wurde: Im Juli ist Schluss. Das „Tarantino‘s“ schließt.

Im Gespräch bestätigt Tom Bockes diese Hiobsbotschaft: „Ja, es ist richtig, wir machen zu“, so Bockes. Doch schon am Montag dieser Woche hatte er einen Termin zur Vertragsunterzeichnung.

Das „Tarantino‘s“ hat eine Zukunft, und zwar im ehemaligen „Birretta“ in der Ostengasse. „Ich habe das Gewölbe schon immer geliebt, als das frei wurde, war mir klar: Da möchte ich rein“, sagt Bockes zum Wochenblatt.

Doch was hat ihn eigentlich nach knapp fünf Jahren wieder vertrieben aus der Wöhrdstraße? „Ich hatte einen Zehn-Jahres-Vertrag“, sagt Bockes, „aber nach fünf Jahren sollte die Miete neu verhandelt werden.“

Für Bockes kam der Schlag: „Ich sollte statt 2.000 Euro im Monat plötzlich 3.600 Euro zahlen. Das wäre das, was mir selbst bleibt – und umsonst arbeite ich nicht“, so der Gastronom. Für ihn ist das durchaus tragisch: „Ich habe das ,Tarantino’s‘ aufgebaut, für mich wäre jetzt Erntezeit.“ Doch die Eigentümerin hat gegen Bockes nach seinen Angaben sogar eine Räumungsklage angestrengt. „Sie will jetzt wohl Wohnungen draus machen“, so Bockes. Er habe angeboten, solange dort weiterzumachen, bis die Baugenehmigung da ist. „Das dauert doch eh, aber sie wollte nicht.“ Für Bockes zudem ärgerlich: Er musste die Möblierung des letzten Lokals übernehmen, das der einstige SzeneWirt Manfred Thoma dort betrieben hatte. „Das Mobiliar muss ich jetzt ausbauen.“ Deshalb wird in der Ostengasse erst im Oktober eröffnet. Dort allerdings erwartet ihn ohnehin eine neue Situation. Wie diese Zeitung erfuhr, hat eine Traditions-Gaststätte nämlich ab August keine Pächter mehr. „Ja, es stimmt, unser Pachtvertrag läuft im August aus, wir werden nicht verlängern“, sagt Muk Röhrl. Es geht um den Brandl-Bräu in der Ostengasse. Das Gasthaus „Zum Bären an der Kette“ existiert schon seit vielen Jahrhunderten, Seit den 1770er Jahren gab es dort eine Brauerei, die 1967 aufgegeben wurde. Der wunderschöne Biergarten hinter dem Brandl-Bräu wird aktuell leider nicht genutzt.

Röhrl erklärt, warum der Gastronom, der in Eilsbrunn das nachweislich älteste Wirtshaus der Welt betreibt, ab August nicht mehr in der Ostengasse vertreten sein wird. Zum einen hatte man den Brandl-Bräu ursprünglich als Ausgleich für die vergleichsweise schwachen Wintermonate in Eilsbrunn genutzt, doch die Situation habe sich eh geändert. „An zweiter Stelle sind die unterschiedlichen Vorstellungen des Hauseigentümers und uns bezüglich Renovierungen und der zukünftigen Pachthöhe, wir haben seit Sommer 2018 versucht, einen neuen Vertrag anzustreben, aber die Verhandlungen haben sich ewig gezogen, dass wir vor Kurzem beschlossen haben uns in Zukunft auf unser Wirtshaus in Eilsbrunn zu konzentrieren“, so Röhrl.

Bockes findet es schade, denn Röhrl wäre ein toller Mitstreiter gewesen. Der möchte „nicht einfach umziehen“, sondern im neune „Tarantino‘s“ mit Live-Musik und einer Vielfalt an Bieren überzeugen. „Die Tarantino‘s-Pizzen wird es aber auch weiterhin geben“, so Bockes.