10.04.2019, 12:02 Uhr

Kommentar „Aber bitte nicht in meinem Hinterhof“ – eine Radlerbrücke löst Proteststürme aus


Dass eine Radl- und Fußgängerbrücke in Regensburg jemals für Proteststürme sorgen würde, wer hätte das gedacht? Das Problem indes ist: Wir werden immer mehr zu einem Volk der „Nimbys“ – „Not in my backyard“ scheint das Motto zu sein.

REGENSBURG Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass es in Regensburg einen Protest gegen eine Fahrrad- und Fußgängerbrücke gibt. Ja, Sie haben richtig gelesen: Bürger wehren sich dagegen, dass von Weichs zum Grieser Spitz eine Brücke gebaut wird, auf der weder Diesel-VWs noch Busse fahren dürfen, nicht einmal Elektrobusse. Es geht einzig und allein um Fahrräder und Fußgänger.

Der Protest gegen die Brücke überfordert wieder einmal die Stadtverwaltung, die kürzlich zu einer Bürgerinformation eingeladen hat. Man merkt, wie führungslos die Stadt derzeit ist. Der Protest brachte 300 Bürger in den Saal, die üblichen Verdächtigen waren die Wortführer. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Die Stadt versucht, dass es fahrrad- und fußgängerfreundlicher zugeht, doch das wollen die Bürger dann auch nicht haben. Ich habe ja einen Verdacht: Der Grieser Spitz ist ein Idyll, da wohnen die Bessergestellten und parken neben dem SUV ihre Elektro-Lastenpedelecs, mit denen sie sonntags ihre Kinder spazieren fahren. Nach Weichs aber wollen die nicht. Also kommt schnell der Gedanke auf: Um Gottes Willen, wenn es da eine Brücke gibt, dann radeln am Wochenende die ganzen Ausflügler an unserem dörflichen Idyll vorbei. Ich muss dabei an eine Aussage des früheren Oberbürgermeisters Hans Schaidinger denken, der mal sagte:

„Wir sind ein Volk der ,Nimbys‘ geworden – die Devise lautet ,Not in my backyard.‘“ Und da ist schon was dran: Wir wollen städtisch wohnen, aber die Nachteile der Stadt nicht vor der Haustür haben. Wir wollen, dass sich was rührt, wenn uns fade ist. Aber wenn dafür vor unserer eigenen Haustür der Bär steppt, dann gründen wir eine Bürgerinitiative. Viele Themen könnte man damit erläutern: Erst schrauben wir die Kosten für das Bauen mit immer neuen Umwelt-Auflagen nach oben, dann schreit ein Grüner, dass auch Enteignungen in Frage kommen, als hätte es die DDR nie gegeben. Mein Artikel vergangene Woche über die Müllberge führt zu teils krassen Zuschriften, so als hätte ich den Jugendlichen die übervollen Papierkörbe vorgeworfen – dabei ging es mir um die Unmengen von Plastik- und Verpackungsmüll, unser Lebensstil ist das Problem. Was kann man tun? Ich weiß es nicht. Für mich ist nur eines klar: Das Idyll darf man nicht schützen, indem man die Radlbrücke mit einem Bürgerbegehren verhindert.