20.03.2019, 14:16 Uhr

Schlimme Zahlen In 115 Fällen war die Kinderklinik in Kontakt mit dem Jugendamt


Die Regensburger Klinik St. Hedwig ist eine der wenigen Kliniken in Bayern, die eine strukturierte Prävention zum Thema Kindeswohlgefährdung betreibt. Bundestagsabgeordneter Peter Aumer war zu Gast in der KUNO Klinik St. Hedwig und überzeugte sich vom dortigen Erfolgsmodell zum Schutz von Kindern.

REGENSBURG Bei 115 Fällen von Kindeswohlgefährdung war die Klinik St. Hedwig in Regensburg 2018 mit dem Jugendamt in Kontakt. Seit Jahren greift dort ein koordiniertes Schutzkonzept gegen Gewalt oder Vernachlässigung von Kindern. Ein multiprofessionelles Team aus Psychologen, Pflegekräften, Ärzten, Seelsorgern und Sozialdienst, die sogenannte Kinderschutzgruppe, hilft Mitarbeitern in der alltäglichen Arbeit, Symptome von Kindesmissbrauch oder – vernachlässigung zu erkennen und mit den konkreten Situationen medizinisch wie rechtlich professionell umzugehen.

Regelmäßig werden sowohl die Teammitglieder der Kinderschutzgruppe als auch Mitarbeiter zum Umgang mit Verdachtsfällen geschult. Tritt ein Verdacht auf, wird dem anhand von Leitlinien koordiniert nachgegangen. Alle Verantwortlichkeiten und Handlungsabläufe sind festgelegt. Zudem kooperiert die Kinderschutzgruppe mit einer Vielzahl aus verschiedenen Behörden und Organisationen wie beispielsweise dem Regensburger Jugendamt oder der Kooperation Koordinierende Kinderschutzgruppe (KOKI). Die Zusammenarbeit mit externen Partnern erfolgt sowohl präventiv als auch kurativ.

Über die Jahre hat sich so ein gut funktionierendes multiprofessionelles Netzwerk entwickelt. Ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Kindeswohlgefährdung, denn in Bayern ist die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitssystem und Behörden nicht klar geregelt. Bundestagsabgeordneter Peter Aumer traf sich mit Verantwortlichen der Kinderschutzgruppe der Klinik St. Hedwig, um sich selbst ein Bild vom Vorgehen der Initiative zu machen. „Die Politik muss die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. Wir brauchen hierzu ein breit angelegtes, soziales Frühwarnsystem“, betont Aumer bei seinem Besuch. „Unser Ziel ist es, gute Lebensbedingungen für alle Kinder zu schaffen. Hierzu sind alle aufgerufen, die in der medizinischen Versorgung, der Jugendhilfe und der psychosozialen Beratung tätig sind.“

Als eine der wenigen Kliniken in Bayern, die Prävention in Hinblick auf Kindeswohlgefährdung betreiben, erweist sich das System in St. Hedwig als Erfolgsmodell. „Es ist uns gelungen, den Blick zu schärfen und die verschiedenen Kompetenzen auf ein Ziel zu lenken, zum Wohle des Kindes“, beschreibt Marianne Scheimer, Leiterin des Sozialdienstes, das Erfolgsmodell. „In all den Jahren haben wir uns noch bei keinem einzigen Verdachtsfall geirrt.“