16.03.2019, 12:21 Uhr

Flüchtlinge in Lkws gepfercht Menschenverachtende Methoden der Schleuser-Mafia aufgedeckt


Zwei Fälle machen deutlich, wie inhuman das Geschäft mit den Migranten ist: Wer Menschen in Lastwagen auf engsten Raum pfercht, der riskiert ihr Leben. Jetzt hat die Bundespolizei einen internationalen Schleuser-Ring gesprengt.

REGENSBURG Es war einer dieser Tage, an dem die Bundespolizisten das Leid der Welt vor Augen haben: Ein Litauer, der in Großbritannien lebt, pferchte 14 Menschen auf der Flucht in einen Lastwagen, hinter einer versteckten Wand mussten sie sich auf engsten Raum pferchen. Die Grenzpolizei entdeckte zunächst am Sonntag, 10. März, einen britischen Sprinter auf dem Autobahnparkplatz Ulrichsberg im Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Darin versteckten sich neun Menschen, sechs Iraker und drei Iraner. In dem Mercedes Sprinter des Litauers waren die insgesamt neun Personen in eingebauten Zwischenwänden mit Unter- und Oberabteil, die jeweils knapp 60 Zentimeter Tiefe hatten, eingepfercht. Die drei Iraner im Alter von 24 bis 35 Jahren, drei Iraker im Walter zwischen 28 bis 37 Jahren und eine irakische Familie – ein 35-jähriger Mann, seine 33-jährige irakische Frau mit ihrem achtjährigen Sohn – mussten ihre unmenschlich engen Verstecke durch eine Klappe mit 40 Zentimeter Durchmesser erreichen. In das obere Abteil gelangten sie durch eine weitere Klappe im Innenraum der doppelten Wand. Das Versteck hinter der doppelten Wand war so präpariert, dass es nur sehr schwer über den Laderaum entdeckt werden konnte. Es zeugte von einer guten, handwerklich professionalen Arbeit.

Der 38-jährige litauische Schleuser hatte die Gruppe im rumänischen Timisoara in das Fahrzeug geladen und war für einen Schleuserlohn von 1000 Euro insgesamt zehn Stunden ohne Verpflegung und Pause Richtung Deutschland gefahren und wollte sie am ersten Autobahnparkplatz auf deutschem Gebiet „aussetzen“.

Die irakische Familie wurde an die Erstaufnahmeeinrichtung nach Regensburg geleitet, die restlichen sechs Männer nach Tschechien zurückgeschoben. Der Schleuser aus Litauen, der bisher Pizzafahrer in Großbritannien war, wurde am Montag dem Haftrichter beim Amtsgericht Weiden vorgeführt, der Untersuchungshaftbefehl erließ.

Schon am nächsten Tag steht ein neuer Sprinter da

Bereits am nächsten Tag fand die Grenzpolizei erneut einen Sprinter mit britischem Kennzeichen – darin versteckten sich fünf junge Syrer. Das Fahrzeug war versperrt und vom Fahrzeugführer war weit und breit nichts zu sehen. Fünf junge Männer aus Syrien waren aus ihrem engen Versteck ebenfalls aus einem britischen Mercedes Sprinter aus einer Einstiegsklappe an der Unterseite des Fahrzeugs ausgestiegen. Sie waren ebenfalls von Rumänien aus nach Deutschland verbracht worden und mussten für die letzte Etappe der Schleusung 2.000 Euro bezahlen. Bis zu zwölf Stunden waren sie in ihrem engen Versteck und konnten ihre Notdurft lediglich in Getränkeflaschen entrichten. Der Minderjährige wurde einer Jugendeinrichtung zugeführt, die anderen vier Syrer leiteten die Beamten an die Ersthilfeeinrichtung nach Regensburg weiter. Vom bisher unbekannten Fahrer des britischen Fahrzeugs fehlt jede Spur.

Gleichzeitig wurde bekannt: Internationalen Ermittlern gelang ein Schlag gegen die Schleuser-Mafia. Wieder führte die Spur nach Großbritannien: Ein 39-jähriger Kurde aus dem Nordirak hat offenbar von dort aus die Schleuser-Machenschaften organisiert. Unter Federführung der Staatsanwaltschaft Weiden gelang es am vergangenen Mittwoch, 13. März, zusammen mit der Metropolitan Police in London, den Mann festzunehmen. Dabei mussten die deutschen Ermittler befürchten, dass ihr europäischer Haftbefehl nach einem Brexit nichts mehr wert sein könnte. Doch das war noch nicht alles: Auch Hintermänner in der Türkei und in Österreich wurden verhaftet. Die Schleuser-Mafia hatte ein Netzwerk gesponnen, das von der Türkei über die Balkanroute, durch Österreich über Deutschland bis nach Großbritannien führte.

Per WhatsApp sollen die rumänischen Lastwagenfahrer durch Europa gelotst worden sein. Pro Tour wurden den Lastwagenfahrer für ihre Menschenfracht bis zu 30.000 britische Pfund bezahlt.