12.03.2019, 10:25 Uhr

Ehrenamtsnachmittag Große Bühne für das Ehrenamt – Landtagsabgeordneter Tobias Gotthardt greift Sorgen und Wünsche der Vereine auf

(Foto: Philipp Seitz)(Foto: Philipp Seitz)

Ein offenes Ohr für das Ehrenamt: Das war das Ziel des ersten Ehrenamtsempfangs, bei dem der Regensburger Abgeordnete Tobias Gotthardt und die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für das Ehrenamt, die Abgeordnete Eva Gottstein, viele Ideen aufgriffen.

KALLMÜNZ Rund 30 Vereine und Verbände aus Kallmünz und dem gesamten Landkreis waren auf Einladung von Gotthardt in dessen Bürgerbüro in der Langen Gasse nach Kallmünz gekommen, um den Abgeordneten der Freien Wähler ihre Wünsche und Ideen mit auf den Weg zu geben.

Das Ehrenamt sei die Stütze der Gesellschaft, betonte die Beauftragte der Staatsregierung, Eva Gottstein. Aktuellen Erhebungen zufolge hat das Ehrenamt in Bayern in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen: Fast jeder zweite Bürger in Bayern über 14 Jahren ist ehrenamtlich aktiv, sagte Gottstein. Ein Problem gibt es nach ihrer Ansicht: In den vorderen Führungspositionen seien die Frauen meistens unterrepräsentiert. „Es gibt meistens keine erste oder zweite Vorsitzende.“ Auch die Art des Ehrenamts ändere sich. Der demographische Wandel mache sich auch im ehrenamtlichen Engagement bemerkbar. „Es fehlen in den Vereinen immer öfter junge Menschen.“ Einen Zuwachs gebe es hingegen in Bereichen, die sich um Ideen und Themenbereiche drehen. Als Beispiele nannte Gottstein die Renaturierung eines Baches oder Integrationsarbeit mit Asylbewerbern.

Die Jugendlichen seien zwar nach wie vor begeisterungsfähig und würden sich projektgebunden mit viel Elan ehrenamtlich einbringen. Aber die Bereitschaft, sich langfristig zu engagieren, nehme bei den jungen Menschen auch aufgrund beruflicher und familiärer Anforderungen ab. Hier sei es wichtig, entsprechende Antworten auf die gesellschaftlichen Entwicklungen zu finden und Modelle für entsprechendes Engagement anzupassen. Eines sei nämlich unstrittig, so Gottstein: „Ohne das Ehrenamt geht gar nichts.“

Eine Idee aus dem Landkreis Regensburg, die stellvertretender Landrat Willi Hogger und BLSV-Vertreter Helmut Luderer präsentierten, will Gottstein näher kennenlernen: die Vereinsschule des Landkreises Regensburg. Diese gibt es inzwischen in der vierten Staffel und beschäftigt sich mit Themen, die den Verantwortlichen der Vereine im Landkreis auf den Nägeln brennen. „Dieses Konzept habe ich noch nicht gekannt und werde hier noch auf Landrätin Tanja Schweiger zukommen“, versicherte Gottstein.

Auch ansonsten gab es gleich mehrere Themen, welche Gotthardt und Gottstein in den nächsten Tagen abarbeiten und in die zuständigen Stellen in der Landeshauptstadt einbringen wollen. Dr. Eva Schropp vom Kultureck Kallmünz bemängelte beispielsweise hohe GEMA-Gebühren und sprach sich für weitere, noch leichter anwendbare und kostengünstigere Tarife aus. Gleichzeitig kritisierte sie überbordende Bürokratie: „Ein Verein benötigt heute fast schon einen Steuerberater.“ Heinz Zenger, der Vorsitzende des Trachtenvereins, sprach das Wirtshaussterben in Bayern an. Viele Vereine hätten gerade in den Wirtshäusern ihren Mittelpunkt. „Und wenn das Wirtshaus schließt, dann stirbt damit auch der Verein.“ Er fordert deshalb Förderprogramme, um das Vereinsleben und die Wirtshauskultur in Bayern aufrechterhalten zu können.

Kreisrat Harald Stadler, der sich viele Jahre lang im sportlichen Bereich engagierte, sprach die persönliche Haftung von ehrenamtlichen Vorsitzenden an. „Wer Vereinsvorstand ist, steht fast schon mit einem Bein im Gefängnis“, spitze er zu und zählte mehrere Beispiele auf. „Wenn die Haftungspflichten so bestehen bleiben, wie bisher, wird es immer schwieriger, die Vereinsführungen zu besetzen“, schlug Stadler Alarm. „Ich bewundere jeden, der im Verein Verantwortung übernimmt, wenn man hört, welche Konsequenzen Ehrenamtliche immer wieder tragen müssen.“ Stadler sieht hier die Politik in der Verantwortung, um Ehrenamtliche zu schützen und den Vereinen und Verbänden effektiv unter die Arme zu greifen.

Landtagsabgeordneter Tobias Gotthardt, der sich mehrere Notizen machte, versprach, dass weitere Ehrenamtsempfänge folgen sollen. „Das Ehrenamt ist unsere tragende Säule. Was gibt es da Schöneres für einen Landtagsabgeordneten, als zahlreiche Engagierte begrüßen zu dürfen?“ In seinem Bürgerbüro stehe die Türe für alle Engagierten immer weit offen. Der erste Ehrenamtsempfang sei ein großer Erfolg gewesen. „Die Ehrenamtsbeauftragte Eva Gottstein kann nun viele Anliegen und Interessen aus der Region in die Staatsregierung tragen. Ich bin überzeugt, dass sie viel mitgenommen hat.“ Er selbst werde die nächsten Tage seine Hausaufgaben erledigen: Einzelthemen vertiefen, Gespräche führen und Themen an die Minister weitertragen. „Wir müssen weiterhin im Dialog bleiben, um so gemeinsam etwas bewegen zu können.“


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