07.03.2019, 15:25 Uhr

Farce um die Stadtbau Der „Managertyp“ Joachim Becker wollte offenbar bloß einen Nebenbuhler verhindern

Der geschasste Stadtbau-Chef Joachim Becker:“Managertyp genug, um allein Herrscher im Reich sein zu wollen.“ (Foto: ce)Der geschasste Stadtbau-Chef Joachim Becker:“Managertyp genug, um allein Herrscher im Reich sein zu wollen.“ (Foto: ce)

Um was ging es wirklich im Machtkampf zwischen Joachim Wolbergs und dem früheren Stadtbau-Chef Joachim Becker? Bei seiner mehrstündigen Vernehmung wurde klar: Becker wollte sich keine Vorschriften machen lassen. Eine Erschütterung von Wolbergs Glaubwürdigkeit war Beckers Aussage jedenfalls nicht.

REGENSBURG Der „Showdown“ kurz vor Ende der Beweisaufnahme, er lockte zahlreiche Zuhörer ins Landgericht. Sogar die Journalistenbank war an diesem Donnerstag prall gefüllt. Kein Wunder: Viele wollten sehen, wie die Regensburger Staatsanwaltschaft die Glaubwürdigkeit von Joachim Wolbergs angreift. Der Kronzeuge der Anklage: Joachim Becker, bis Oktober 2018 Geschäftsführer der Regensburger Stadtbau GmbH, einer städtischen Tochter, die öfter in den Schlagzeilen auftaucht.

Becker machte seinem Ruf des arroganten Managertyps dann auch alle Ehre: Es kam sogar vor, dass er Richterin Elke Escher darüber belehrte, wie sie ihm eine Frage stellen sollte. „Sie könnten mich ja fragen, ob es stimmt, was im Aktenvermerk steht“, sagte er zu Escher - und sorgte für Lacher in den Zuschauerreihen. Dabei ging es um den berühmten Satz, den ein Polizist nach Beckers erster Vernehmung im Juli 2016 protokollierte. Becker hatte seine Finger zu einer Pistole geformt und sich diese an die Brust gesetzt. So, das war die Interpretation des Polizisten, sei Wolbergs mit Becker umgesprungen, weil der den derzeit mitangeklagten Franz W. verhindern wollte.

Richtig ist: Erstmals hatte das Wochenblatt im März 2016 die Personalie ins Spiel gebracht. Da wurde diese bereits in den Reihen der Opposition geraunt. Becker schilderte auch ein „unerfreuliches Telefonat“, wonach Wolbergs ihm deutlich gemacht habe, er werde „Ärger bekommen“, wenn er sich gegen Franz W. stellte.

Doch schon schnell wurde klar, worum es Becker wirklich ging: Er wollte keinen Nebenbuhler akzeptieren, der von der Politik auf den Posten gesetzt wurde. Formal argumentierte er, man habe einen akademischen Hintergrund in der Ausschreibung gefordert. Seine Kandidatin sei eine studierte Architektin gewesen. Franz W. ist „nur“ Maurermeister – das betonte Becker mehrfach vor Gericht, so als müsse man ein Studium aufweisen, um zu wissen, wie man gute Stadtbau-Wohnungen baut.

Wolbergs, das wusste Becker, hatte sich bereits 2013 gegen eine Verlängerung des Vertrags mit ihm stark gemacht. Becker wurde 2009 als Notnagel für den Posten von Hans Schaidinger ins Spiel gebracht. Der wollte damals eigentlich seine Parteifreundin Petra Betz mit einem Posten versorgen, doch das hatte SPD-Grande Norbert Hartl verhindert. Da kam der Mann aus der Wohnungswirtschaft gerade Recht, denn er gefiel Schaidinger, der ein Faible für Manager-Typen hatte. Und als das kristallisierte sich Becker auch schnell heraus: Als Manager-Typ, dem das schwierige Klientel der Stadtbau stets zuwider zu sein schien.

Dass die Personalie Franz W. aber nicht in einer weiteren Anklage gegen Wolbergs landete, das erklärt sich damit, welchen Weg Wolbergs auch hätte gehen können. Zwar lag das Vorschlagsrecht für den technischen Leiter in Reihe zwei bei der Stadtbau formal bei Becker. Doch Wolbergs hätte einfach einen zweiten Geschäftsführer bestellen können – neben Becker. Auch das fragte die beisitzende Richterin den geschassten Stadtbau-Chef im Zeugenstand: „Hätten Sie das befürwortet?“

Beckers Antwort brachte im Prinzip die gesamte Causa Stadtbau im Zusammenhang mit der Spendenaffäre auf den Punkt: „Da bin ich auch der ganz normale Managertyp, der gerne Herrscher in seinem Reich ist.“ Nun, der Herrscher in seinem Reich war. Denn im Oktober 2018 legte Becker dem Stadtbau-Verwaltungsrat eine zwölfseitige Tischvorlage vor, die mit dem Becker-Spuk schließlich ein Ende mit Schrecken machte. Die war so dreist, dass sich die amtierende Verwaltungsratsvorsitzende und Bürgermeisterin nicht mehr zu helfen wusste, als Becker zu beurlauben. Noch bis zum 30. September 2019 müssen ihn die Regensburger Steuerzahler alimentieren, 190.000 Euro jährlich verdient der Stadtbau-Chef. Becker aber hatte heute seinen großen Auftritt im Zeugenstand gekonnt genutzt, um für seine Qualitäten zu werben: Verwunderlich wäre es nicht, wenn er bald wirklich als Manager bei einem Bauträger aufschlagen würde ...