27.02.2019, 09:39 Uhr

Einweihung der neuen Synagoge Regensburg hat etwas wieder gutzumachen


500 Jahre nach der Zerstörung der alten Synagoge am heutigen Neupfarrplatz und 81 Jahre nach der Zerstörung der Jugendstil-Synagoge am Brixener Hof wird eine neue Synagoge eingeweiht. Die Regensburger haben viel dazu beigetragen. Die Stadt kann stolz sein darauf, etwas, das man nicht ungeschehen machen kann, doch in seiner Auswirkung zu lindern.

REGENSBURG Am heutigen Mittwoch findet um 11 Uhr ein historischer Akt statt und ich bin froh und unendlich dankbar, dabei zu sein. Wenn Rabbiner Josef Chaim Bloch die drei Thorarollen vom alten Gemeindezentrum in die neue Synagoge tragen wird, werden ihn nicht nur Gesänge und Jubelrufe begleiten. Es ist, als würden die Regensburger versuchen, eine jahrhundertealte Schuld wieder gut zu machen: Vor genau 500 Jahren war es der Hass und der religiöse Fanatismus, der die erste Synagoge am Neupfarrplatz dem Erdboden gleichmachte. Sie sollte nicht die letzte Synagoge bleiben, die durch die Hand von Regensburgern zerstört wurde.

Dankbar bin ich und stolz auf mein Regensburg, denn es war das Engagement von Menschen wie Dieter Weber, die einen Verein gründeten. Deshalb konnten sich so viele Menschen daran beteiligen, die neue Synagoge zu bauen. Sie steht dort, wo die Gemeinde nach der Shoah, dem Versuch der Vernichtung der Juden, nach dem Ende der NS-Diktatur einen Versammlungsraum gebaut hatte. Heute blüht die Gemeinde, sie hat 950 Mitglieder. Ehrengäste kommen, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, wird ebenso dabei sein wie der bayerische Kultusminister Michael Piazzolo. Es ist ein Ehrentag für die jüdische Gemeinde, vor allem aber auch für Regensburg: Wir entschuldigen uns für das Leid und die Zerstörung.

Heute, 80 Jahre nach dem Ende der NS-Herrschaft und 500 Jahre nach dem Pogrom in Regensburg, hat der religiöse Fanatismus wieder Urstände. Die Welt ist in einem schlechten Zustand und mit ihr gärt der Hass auf Minderheiten. Diese neue Synagoge soll ein Zeichen des Friedens sein. Über dem Eingangsportal hängt ein Kunstwerk des in Straubing geborenen Künstlers Tom Kristen. Es sagt mehr als all meine Worte hier. Mit einem Durchmesser von 5,70 Metern und einer Gesamtlänge von 53 Metern zitiert ein goldenes Spruchband das Gedicht „Gemeinsam“ der jüdischen Schriftstellerin Rose Ausländer (1901-1988): „Vergesset nicht / Freunde / wir reisen gemeinsam / (...) Vergesset nicht / es ist unsere / gemeinsame Welt / die ungeteilte / ach die geteilte / die uns aufblühen lässt / die uns vernichtet / diese zerrissene / ungeteilte Erde / auf der wir / gemeinsam reisen“.

Vergessen wir nicht: Wir reisen gemeinsam auf dieser Welt. Und sehen wir die Synagoge als Zeichen: „Nie wieder!“