08.02.2019, 07:21 Uhr

Kommentar Wie man die Bienen wirklich retten kann


Alle reden vom Bienen retten - und schicken sich die Einladung zur nächsten Öko-Demo per What‘sApp auf dem Handy mit seltenen Erden. Wir sind eine bigotte Gesellschaft geworden. Gerade die Demonstranten gestehen sich nämlich nicht ein: Wir alle sind Teil des Problems, nicht der Lösung.

REGENSBURG Eine kleine Gegenrede in Sachen Populismus. Der funktioniert nämlich so: Man formuliert einen Satz, gegen den man nicht sein kann. So etwas wie: „Rettet die Bienen“. Denn wer will das nicht, die Bienen retten? Ohne zu diskutieren, ob man die Bienen überhaupt retten muss. Und ohne zu sagen, was für die Bienen eigentlich das Problem ist. Und man lässt andere, etwa die Landwirte, die Zeche dafür zahlen. Ja, genau. Funktioniert eigentlich wie bei Trump. Nur eben für eine gute Sache.

Beispiel: Da stellt doch tatsächlich ein Hausbesitzer ein Werbeplakat für das Volksbegehren in seinen Garten, doch der besteht faktisch nur aus Steinen! Ja wo sollen die Bienen denn da hin? Auch die Bauern gehen auf die Barrikaden, sie haben auch gute Argumente, warum das Volksbegehren aus ihrer Sicht abzulehnen ist. 20 Prozent zuviel Biomilch wird im Jahr produziert und muss als konventionelle Milch verkauft werden. „Kauft mehr Bio“, appellieren die Bauern. Recht haben sie!

Was mir auch stinkt: Die ÖDP, die das Volksbegehren initiiert hat, hat es noch nie in ein Parlament geschafft. Und trotzdem will sie mit Öko-Populismus Gesetze schreiben. Kürzlich kam in den Tagesthemen ein Bericht einer Schülerdemo, bekanntlich hat ja ein Mädchen mit Zöpfen aus Schweden zum Schwänzen aufgerufen. „Wir fordern mehr Experten in der Politik“, sagte eine Schülerin in die Kamera. Kommentiert hat das keiner: Das ist ja Diktatur, wenn die Experten herrschen!

Bin ich aber gegen das Volksbegehren „Rettet die Bienen“? Nein! Absolut nicht! Denn ich finde es klasse, dass sich plötzlich so viele Menschen Gedanken über unsere Umwelt machen. Die einschlägigen Studien, wonach die Bienen und Insekten aussterben, sind zwar zweifelhaft – aber unsere Schöpfung ist wertvoll. Doch kürzlich wurde bekannt: Die Discounter würden gerne mehr Biofleisch verkaufen, Massentierhaltung vermeiden. Das Fazit einer Studie: Das will halt keiner bezahlen!

Aber bitte: Jeder Schüler, der am Freitag die Schule schwänzt, und auch jeder Lehrer und Schulrektor, der sich über die politisierte Jugend freut, muss sich über das Gedanken machen: Wir alle sind Teil des Problems, nicht der Lösung. Auch die Demonstranten. Die meisten haben Handys mit Seltenen Erden im Akku in ihrer Hosentasche stecken. Und wer sich über ein H&M-T-Shirt über fünf Euro im Sonderangebot freut, braucht mir weder etwas von Menschenrechten, noch vom Umweltschutz erzählen.

Denn die Wahrheit ist, wie so oft, komplizierter, als es die Populisten einräumen wollen: Es ist schwer, in einem Industrieland nachhaltig zu leben. Wir alle können nicht zur Pferdekutsche zurückkehren, abgesehen davon, dass die Tiere CO2 ausscheiden. Was man aber tun kann, statt zu protestieren und die Schule zu schwänzen, ist das: Überlegen, wie man einkauft. Wenig Fleisch essen, wenn, dann aus der Region. Im Winter keine Tomaten essen, sondern Kohl. Und die nächste Urlaubsreise geht ins Harz zum wandern und nicht nach Teneriffa, ok?

Ergänzung: Der ÖDP ist folgende Anmerkung wichtig. Die ÖDP hat auf kommunaler Ebene circa 470 Mandate. Ein Großteil davon in Bayern. Viele Mandate hat die ÖDP auch in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. In Bayern sitzt die ÖDP in vielen Stadt- und Gemeinderäten, auch das sind Parlamente. Zudem acht erste Bürgermeister allein in Bayern plus der zweite Bürgermeister der Stadt Passau.