31.01.2019, 12:30 Uhr

Konjunkturbericht Ostbayerns Konjunktur verliert an Dynamik

IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes, IHK-Präsident Michael Matt und IHK-Standortexpertin Sibylle Aumer (v.l.) stellten den Konjunkturbericht zum Jahresbeginn 2019 vor. (Foto: Bayreuther)IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes, IHK-Präsident Michael Matt und IHK-Standortexpertin Sibylle Aumer (v.l.) stellten den Konjunkturbericht zum Jahresbeginn 2019 vor. (Foto: Bayreuther)

Nach fünf Jahren Dauerhoch verliert die Konjunktur in der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim zum Jahresbeginn an Dynamik. „Auch wenn sich die konjunkturelle Stimmung eintrübt, wartet auf die meisten ostbayerischen Unternehmen mit 2019 dennoch ein gutes Geschäftsjahr“, prognostiziert der Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim Dr. Jürgen Helmes bei der Vorstellung des Konjunkturberichts der IHK am Donnerstag.

REGENSBURG 57 Prozent der von der IHK befragten Unternehmen sprechen von einer guten Geschäftslage. Beim Blick in die Branchen zeigen sich Unterschiede. Der Tourismus ist optimistisch, ebenso bleibt das der Bau. Vor allem den Dienstleistern geht es derzeit gut. Pessimistischer sehen Einzelhandel, Automobilindustrie und deren Zulieferer das neue Jahr. Dennoch: „Wir erwarten keine negativen Effekte auf dem Arbeitsmarkt“, gibt Helmes Entwarnung. Die Nachfrage nach qualifiziertem Fachpersonal bleibe durch alle Branchen hindurch auf hohem Niveau.

Gilt das Exportgeschäft schon lange als der Wachstumsmotor Ostbayerns, zeigt sich nun die hohe Binnennachfrage als Stabilisator der heimischen Wirtschaft. Mit positiven Erwartungen startet Peter Rose von der KS TechnoCase Professionelle Koffersysteme GmbH in Erbendorf ins neue Jahr. „Wir sind gut ausgelastet und haben eine Vorlaufzeit von derzeit vier Wochen.“ Das Unternehmen stellt hochwertige Sonderkoffer etwa aus Aluminium für den B2B-Bereich her. Die finden dann Verwendung für Präsentationen oder Verpackungen. 80 Prozent des Geschäfts werden im Inland abgewickelt.

Gehen in Ostbayerns Industrie insgesamt rund zwei Drittel der befragten Unternehmen von einer unverändert positiven Geschäftslage für 2019 aus, zeigen sich die Autoproduzenten und ihre Zulieferer deutlich pessimistischer. Warum das so ist, zeigt am besten die Lage beim Autohändler: „Die Geschäftslage ist derzeit aufgrund der aktuellen Medien- und Politiksituation sehr schwierig. Den neuen Abgasnormen geschuldet sind auch nicht alle Produkte kontinuierlich verfügbar“, erklärt Thomas Fischer, Geschäftsführer von der Fischer Automobile GmbH in Neumarkt. Dieselaffäre und Fahrverbote drückten sich unmittelbar in sinkenden Verkaufszahlen aus. „Die Käufer sind zunehmend verunsichert, für welche Motorentechnik sie sich entscheiden sollen“, beobachtet Fischer und sieht für die deutschen Hersteller einen großen Vertrauensverlust bei den Kunden. Hinzu komme die Verunsicherung der Automobilindustrie, wo die Reise hingehen, in welche Zukunftstechnologien und Geschäftsmodelle investiert werden soll – vom E-Mobil über autonomes Fahren bis zum Direktvertrieb.

Deutschlandweit zeigten sich zum Jahresende 2018 Einbrüche im Auslandsgeschäft. Obwohl die außenwirtschaftliche Gemengelage unter anderem durch den Brexit täglich schwieriger wird, vermelden 37 Prozent der Exportunternehmen in Ostbayern ein gestiegenes Auftragsvolumen. Allerdings zeigen sich Verschiebungen in den Auftragsländern, heißt es von der IHK. Die Konjunkturabschwächung der Weltmärkte drücke sich in deutlich gesenkten Umsatzerwartungen mit Südosteuropa, den Schwellenländern und China aus. 18 Prozent der Industrieunternehmen halten aufgrund der internationalen Handelskonflikte Auslandsinvestitionen zurück, 21 Prozent fahren deshalb sogar Inlandsinvestitionen vorerst zurück. Vor allem das Chinageschäft ist rückläufig und kämpft mit langen Lieferzeiten. Wer aus Ostbayern im Reich der Mitte investiert, der nimmt gerade vor allem dieses Manko in Angriff und hofft auf Besserung.

Der Kofferhersteller KS TechnoCase vertraut da lieber seinem Heimvorteil: Die Firma produziert komplett in Erbendorf und hat dafür erst in ihren Maschinenpark investiert. Rohmaterialien werden wenn möglich in Europa bezogen. All das ermöglicht Peter Rose, schnell auf Bestellungen der Kunden zu reagieren und nicht erst monatelang auf eine Lieferung etwa aus China warten zu müssen. „Dadurch können wir eine hohe Qualität, kurze Lieferzeiten und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis garantieren“, sagt Rose.

Den Konjunkturbericht der IHK gibt es online unter www.ihk-regensburg.de/konjunkturbericht.


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