03.01.2019, 09:52 Uhr

KOMMENTAR Nein, Deutschland ist nicht für das Leiden der Welt verantwortlich

Papst Franziskus rügt die Unersättlichen. (Foto: Christian Eckl)Papst Franziskus rügt die Unersättlichen. (Foto: Christian Eckl)

Wenn man sich die Weihnachtspredigten so anhörte, dann konnte man den Eindruck bekommen, Deutschland ist für das Leid der Welt verantwortlich. Doch das ist nicht so. Menschen in Afrika beispielsweise müssen selbst funktionierende Staaten aufbauen. Die Zeit des Kolonialismus ist Gott sei Dank vorbei. Wir sollten uns weitgehend raushalten und helfen, wo unsere Hilfe wirklich gefragt ist.

REGENSBURG Der Papst hat an Weihnachten mal wieder den reichen Ländern und damit uns ins Stammbuch geschrieben, dass wir Schuld sind am Leid der Welt. „Eine unersättliche Gier durchzieht die Menschheitsgeschichte, bis hin zu den Paradoxien von heute, dass einige wenige üppig schlemmen und so viele kein Brot zum Leben haben“, sagte der Papst. Nun, das kennen wir ja alle bereits. Ich frage mich nur: Wen meint der Papst eigentlich? Bin ich schuld daran, dass es in der arabischen Welt keinen Frieden gibt? Bin ich schuld daran, dass in Syrien ein grausamer Bürgerkrieg ausgebrochen ist? Ja sind wir alle schuld daran, dass es in Afrika so viele Unrechtsregime gibt?

Wenn man tagtäglich Zeitung liest, könnte man das meinen. Wir Deutschen sind schuld daran, dass die Ozeane mit Plastik vermüllt sind. Deshalb müssen nun die Strohhalme verboten werden. Wir Deutschen sind schuld daran, dass die Menschen aus Syrien fliehen. So als hätten wir Baschar al-Assad zum Diktatur in Syrien gemacht. Wir sind schuld daran, dass zahllose arme junge afrikanische Männer sich auf den Weg über das Mittelmeer machen, um in Europa eine bessere Zukunft zu finden. Wenn Menschen im Mittelmeer ertrinken, was wirklich schrecklich ist, dann macht man nicht etwa die Schlepper und Kriminellen verantwortlich, die Menschen auf ein nicht seetaugliches Schlauchboot setzen. Nein, schuld sind wir. Aber ist das so?

Wer zwischen den Feiertagen die Nachrichten liest, der bekommt einen Auszug dessen, wie viel Unrecht in der Welt herrscht. In einer chinesischen Stadt wird einem Bürgerrechts-Anwalt der Prozess gemacht. In Tunesien hat sich ein Journalist selbst verbrannt. Und der IS reklamiert einen Anschlag in Tripolis für sich. Sind wirklich wir schuld, dass der IS die Länder der arabischen Welt ins Chaos stürzt? Wirklich?

Ich glaube nicht. Ich glaube, diese Länder müssen endlich selbst lernen, wie sie Demokratien errichten. Sie müssen lernen, dass ihre Kinder eine Zukunft brauchen. Die Chinesen müssen lernen, dass sie mit Kontrolle und Unrecht nicht weiter kommen. Sie müssen lernen, dass gutes Leben auch bedeutet, sich frei entscheiden zu dürfen.

Ja, auch bei uns läuft vieles falsch. Ob wir die deutsche Umwelt allerdings damit retten, dass wir Lurche versetzen, wenn irgendwo etwas gebaut wird und die Plastiktüte bald verbannt sein wird – fraglich. Aber ja, Umweltschutz ist wichtig. Übrigens fliege ich auch nicht nach Dubai, wo der dortige Emir gerade seine Tochter auf der Flucht vor ihm erwischt hat und wo viele Deutsche jährlich Urlaub machen. Auch ich will eine bessere Welt. Allerdings bin ich nicht für das Leid der Welt verantwortlich.