02.01.2019, 08:56 Uhr

Schlagabtausch Nach Kritik der Regensburger Polder-Gegner – Landrat schießt zurück!

Der Deggendorfer Landrat Christian Bernreiter (CSU). (Foto: Hannes Lehner)Der Deggendorfer Landrat Christian Bernreiter (CSU). (Foto: Hannes Lehner)

Die Debatte über das Polder-Aus nimmt kein Ende. Der Deggendorfer Landrat hat sich nun gegen Behauptungen der Interessengemeinschaft Polder im Landkreis Regensburg gewehrt. Die IG Polder hatte Bernreiter unsachliche Politik vorgeworfen.

REGENSBURG-DEGGENDORF Der Deggendorfer Landrat hat nun auf den offenen Brief der IG Polder geantwortet. Er weißt Vorwürfe zurück, er würde ansachlich argumentieren. Vielmehr sei die Entscheidung zum Polder-Aus eine rein politische. „Und dagegen wehren wir uns“, so Bernreiter in dem Brief, den wir im Folgenden Dokumentieren:

Sehr geehrter Herr Kramer,

ich verschweige gar nichts. Es geht mir, wie Ihnen, nur um die Fakten. Und wir dürfen 2 Dinge nicht vermengen:

Das Hochwasser 2013 das in Deggendorf insgesamt einem HQ 100 entsprach (später mehr) und einem HQ extrem (also ab 100 Jährlichkeit aufwärts):

Ich war bei allen Hochwasserereignissen der letzten Jahrzehnte dabei! 1988 als Feuerwehrmann am Deich, ab 2002 als Landrat.

Ich habe mich seit 1999 intensiv mit dem Donauausbau beschäftigt, da dieser in all meinen Wahlkämpfen Thema war.

Darum kann ich aus eigener Erfahrung und intensiver Beschäftigung mitreden.

Pauschal unsere Argumente mit dem Satz abzutun: „In Deggendorf war es ja die Isar“ ist völlig an der Realität vorbei.

Darum versuche ich Ihnen die Dinge aus unserer Sicht zu erläutern:

Die Donau trifft spätestens an der Isarmündung auf eine Engstelle. Hier ist die Fahrrinne noch 40 m (!!!) breit. Bei unseren Hochwasserereignissen spielt (im Gegensatz zu Passau. Dort bringt der Inn immer etwa 2/3 der Wassermenge) immer die Donau die Hauptrolle. Die Isar ist durch den Sylvensteinspeicher reguliert. 2013 wurde dieser in den „Katastrophenstunden“ fast völlig zugedreht. Nebenbei bemerkt: Bei einem Bruch würde Bad Tölz nicht mehr existieren und der Marienplatz in München 1 m unter Wasser stehen.

Pfingsten 1999 lieferte die Isar in Plattling 1139 m³/s ohne größere Probleme!

Im Juli 2013 waren es 1190 m³/s mit verheerenden Folgen, weil eben auch die Donau bei uns nahezu ein hundertjährliches Hochwasser führte.

Alles nachzulesen im Abschlussbericht des LfU!

Ich zitiere aus dem Abschlussbericht:

„Durch die langanhaltende Überregnung kam es zu breiteren Scheiteln und langsameren Rückgängen der Zuflusswellen als bei den Hochwassern im August 2005 oder im Mai 1999. Die Zuflüsse trugen deshalb mit höheren Abflussanteilen zur Scheitelwelle der Donau bei. Dadurch wurden die erreichten Jährlichkeiten entlang des Flusslaufes kontinuierlich höher.“

„Im Bereich Deggendorf ist von einem 100 jährlichen Hochwasser auszugehen. Die Isar trug hier mit ca. einem Drittel des Gesamtabflusses zum Scheitel bei.“

So brach am 4.juni 2013 zuerst der Donaudeich bei Winzer (Auterwörth) Volumen 19 Mio. m³ und dann um ca. 12 Uhr der linke Isardeich bei Fischerdorf wenige 100 m von der Donau entfernt! Volumen ca. 51 Mio. m³!

Der Donaudeich in Fischerdorf war bereits auf Standard HW 100 fertiggestellt. Der linke Isardeich war kurz vor der Auslegung der Planfeststellungsunterlagen (war bereits terminiert).

Die Deiche wurden beide überspült. Sie waren nicht in einem schlechten Zustand. Durch die Überspülung wird landwärts die Grasnarbe des Deiches aufgerissen und er bricht innerhalb kurzer Zeit.

Die Beispiele Kirchroth, Straubing zeigen, dass es an der Donau auch vorher Probleme gab. So z.B. auch in Neustadt Landkreis Kelheim im Jahre 1999.

Es kann also jeden treffen.

Bei uns wird mit Hochdruck an der Realisierung des Hochwasserschutzes nach dem Standard HQ 100 plus 1 m Freibord gearbeitet. Die ist seit der Festlegung der Ausbauvariante des Donauausbaus möglich. Die Gelder stehen bereit und es wird bereits vielfach gebaut.

Nichts desto trotz gibt es Extremereignisse die über HQ 100 hinausgehen! Ich verweise immer auf den Rathausturm in Passau! Dort sind die Hochwassermarken eingetragen.

Das zweitschlimmste Ereignis war 1501!! Wenige cm unter dem Stand von 2013!

Damals gab es keine Hochwasserschutzanlagen und es gab keine Autobahn und kaum Versiegelungen! Also muss es ein sehr großes Hochwasser gewesen sein! Der Fluss hatte viel Platz!

Für so ein Extremhochwasser ist die Polderstrategie angedacht!

Die Polder würden erst jenseits der HW 100-Kote aktiviert. Dies steht auch so im Genehmigungsbescheid. Die Landwirte werden im Aktivierungsfall für die wenigen Tage der Nutzung (statistisch gesehen alle paar hundert Jahre) entschädigt.

Ich habe selbst bei den Verhandlungen unseres Polders Steinkirchen (derzeit im Bau) vermittelt und kenne die Details.

Die Wirkungsanalyse der Polder (wie weit wirken diese und wie viel) ist fertiggestellt und liegt dem Umweltminister vor.

Unsere Forderung ist, diese zu veröffentlichen und dann auf Basis der Fakten zu entscheiden!

Der Gesetzgeber fordert jetzt alle Bauwilligen auf, hochwasserangepasst nach HQ extrem zu bauen. Auch hinter einem neuen Deich!

Darum muss der Staat auch seine Bürger vor einem Extremhochwasser zu schützen versuchen! Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben können.

Wir fordern nicht, dass andere Bürger für uns einen Schaden hinnehmen müssen. Dazu gibt es ja die Grundwasserstudie.

Aber all die Dinge sind nicht bekannt.

Es wurde aus politischen Gründen entschieden. Und dagegen setzen wir uns zu Wehr!

Mit freundlichen Grüßen

Christian Bernreiter